Mittelmeer

Solidarität mit Sea-Watch – „Es ist kein Verbrechen, Menschen zu retten“ – Situation in Internierungslagern in Libyen weiterhin katastrophal

Unsere Teams bei einer Rettungsübung auf dem Mittelmeer (Symbolbild). Schutz zu suchen, darf kein Verbrechen sein!

Eine Ermittlungsrichterin im italienischen Agrigent hat am Dienstagabend laut Medienberichten den Hausarrest gegen Carola Rackete, die Kapitänin der „Sea-Watch 3“ aufgehoben. 

Dazu erklärt Katja Carson, stellvertretende Geschäftsführerin von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland: 

„Wir freuen uns, dass Carola Rackete wieder frei ist. Doch wir sind erschüttert über die staatlichen Maßnahmen gegen die Sea-Watch-Crew in den vergangenen Tagen. Wir erleben eine gezielte Kriminalisierungskampagne gegen Seenotretter auf dem Rücken von Menschen in Lebensgefahr. Es ist kein Verbrechen, Menschen zu retten. Wir stehen solidarisch zu Sea-Watch und Kapitänin Carola Rackete sowie zu anderen Seenotrettern wie der Crew der „Iuventa“. Es darf nicht sein, dass ihnen wegen lebensrettender Hilfe auf dem Mittelmeer Haft und Strafe drohen. 

Unsere Teams in Libyen sehen jeden Tag, wie dramatisch und lebensbedrohlich die Situation von Flüchtlingen und Migranten dort ist. Es ist zynisch, dass die EU-Staaten mit Hilfe der libyschen Küstenwache und durch gezielte Maßnahmen gegen zivile Rettungsschiffe die Flucht aus diesem Konfliktgebiet nahezu unmöglich machen. Die EU-Staaten müssen ihre Unterstützung für das Zurückbringen von Flüchtlingen und Migranten nach Libyen sofort beenden. Die Kriminalisierung und Blockade der zivilen Seenotrettung muss sofort beendet werden, und die EU muss dringend selbst ausreichend Rettungsschiffe zur Verfügung stellen.“ 

Teams von Ärzte ohne Grenzen leisten trotz des bewaffneten Konflikts in Libyen weiterhin medizinische und humanitäre Hilfe in Internierungslagern, in denen Flüchtlinge und Migranten willkürlich gefangen sind. Rund 6.000 Flüchtlinge und Migranten werden in diesen staatlichen Lagern festgehalten, viele von ihnen für Monate oder gar Jahre, ohne ausreichend Essen, Sanitäranlagen, Platz und medizinische Versorgung. Ihre Situation hat sich seit Ausbruch der Kämpfe in der Hauptstadt Tripolis massiv verschlechtert. Manche Internierungslager liegen unmittelbar an der Frontlinie. Im Lager in Sintan etwa leben rund 600 Menschen in einem Hangar, mit nur vier halbwegs funktionierenden Toiletten, ohne Dusche und mit nur sporadischem Zugang zu Trinkwasser. Die medizinische Situation dort ist katastrophal. Tuberkulose ist ausgebrochen, die zu mehreren Toten geführt hat (siehe ausführlichen Bericht hier). 

Ärzte ohne Grenzen in Deutschland unterstützt die für Samstag geplanten bundesweiten Demonstrationen „Notstand der Menschlichkeit - Für die Rechte von Geflüchteten / #FreeCarola“ der Initiative „Seebrücke“: https://seebruecke.org/menschlichkeit