Preise von Impfstoffen

Vor zehn Jahren kosteten die empfohlenen Impfstoffe für ein Kind weniger als 1,50 US-Dollar. Mit der Einführung neuerer Impfstoffe liegt der niedrigste Preis für eine Immunisierung mit allen empfohlenen Mitteln heute bei rund 40 US-Dollar. Dabei sind zwei neue Impfstoffe, die gegen Lungenentzündung (von Pneumokokken verursacht) und Durchfall (durch Rotaviren verursacht) schützen, für fast 75 Prozent dieses Preises verantwortlich. Zwar ist die Einführung von neuen Präparaten  begrüßenswert, doch stellen  die hohen Kosten ein Risiko dar. Sie gefährden die Nachhaltigkeit der Anstrengungen, mehr Kinder in ärmeren Ländern zu impfen.

Um ärmeren Ländern den Zugang zu diesen neueren Impfstoffen - hierzu zählen auch Mittel gegen Hepatitis B,  und Meningitis - zu ermöglichen und Routineimpfaktivitäten zu unterstützen, wurde die globale Impfallianz GAVI ins Leben gerufen. Durch diesen Finanzierungsmechanismus ist es ärmeren Ländern möglich, finanzielle Unterstützung zu erhalten, damit möglichst viele Kinder von den neueren Impfstoffen profitieren können. Seit der Gründung von Gavi, hat die Impfallianz 7, 9 Milliarden US-Dollar für Impfaktivitäten in ärmeren Ländern zugesagt.

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Gavi muss niedrigere Preise verhandeln

Gavi verwendet seine finanziellen Mittel, um die meisten der Impfstoffe für „Gavi-berechtigte“ Länder über das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen einzukaufen. Durch die Bündelung der Nachfrage und den Einkauf von großen Mengen kann UNICEF niedrigere Preise mit den Herstellern verhandeln, als es möglich wäre, wenn die Länder dies einzeln tun würden.  

Dennoch sind die Preise für  Impfstoffe weiter zu hoch.  So sah sich Gavi im Juni 2011 mit einer Finanzierungslücke von 3,7 Milliarden US-Dollar konfrontiert. Ein Grund dafür war, dass  Gavi keine günstigeren Preise mit den Herstellern verhandeln konnte. Diese Finanzierungslücke trug auch zu der Entscheidung bei, dass einige Länder mit etwas höherem Pro-Kopf-Einkommen die Unterstützung durch Gavi in den nächsten Jahren verlieren werden. Zu den Ländern, die diesen so genannten Graduierungs-Prozess durchlaufen werden, zählen unter anderem Honduras, Angola und die Republik Kongo.

Die Nachfrage nach neuen Impfstoffen steigt weiter, daher ist es entscheidend für Länder, die keine Unterstützung durch Gavi bekommen oder bald nicht mehr „Gavi-berechtigt“ sein werden, dass Gavi und andere Organisationen daran mitwirken, dass Impfstoffe erschwinglich sind.

Preistransparenz schaffen

Eine Maßnahme, um die Preise von Impfstoffen auf ein erschwingliches Niveau zu bringen, ist die Schaffung von Preistransparenz. Würden Länder die Preise kennen, die UNICEF und Gavi durch ihr Großbestellungssystem beziehen, hätten sie eine Referenz, auf die sie sich bei den Verhandlungen mit den Herstellern berufen könnten.

Bis vor kurzem wurden diese Preise nicht veröffentlicht. UNICEF hat im Jahr 2011 immerhin einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung getan und die Preise für Impfstoffe offengelegt, die die Organisation in den letzten Jahren gezahlt hat und aktuell zahlt. Dabei wurde deutlich,  dass qualitätsgeprüfte Hersteller aus Ländern wie Indien, Senegal und Indonesien ähnliche Impfstoffe zu deutlich niedrigeren Kosten verkaufen, als multinationale Pharmakonzerne. Das Serum Institute aus Indien beispielsweise bietet seinen Fünffach-Impfstoff gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Hepatitis B und Haemophilus influenzae b (Hib) zu fast der Hälfte des Preises an, den der Schweizer Hersteller Crucell verlangt.

Mehr Anbieter bedeuten mehr Wettbewerb

Eine weitere Maßnahme, um Preise sinken zu lassen, wäre die Förderung von Wettbewerb durch mehr Hersteller für ähnliche Produkte. Gerade Produzenten aus ärmeren Ländern wie Indien, die niedrigere Kosten für die Produktion von qualitätsgeprüften Impfstoffen aufwenden müssen, könnten durch Konkurrenz miteinander dazu beitragen, dass die Kosten sinken. Dieser Ansatz ist nachhaltiger und sicherer, als lediglich darauf zu warten, dass multinationale Pharmaunternehmen irgendwann freiwillig ihre Preise für ärmere Länder senken.