Ärzte ohne Grenzen begrüßt Preissenkung von Pneumokokken-Impfstoff

Berlin/New York. 15. November 2016. Ärzte ohne Grenzen begrüßt die Entscheidung des Pharmakonzerns Pfizer, den Preis seines Pneumokokken-Konjugatimpfstoffes Prevenar 13 (PCV13) für humanitäre Organisationen zu senken. Sieben Jahre lang hatte die internationale Hilfsorganisation die Unternehmen Pfizer und Glaxo Smith Kline (GSK) dazu aufgefordert, ihre Pneumokokken-Impfstoffe humanitären Organisationen zum geringstmöglichen Preis zur Verfügung zu stellen. Bis vergangenen September haben die beiden Pharmakonzerne, die diese Impfstoffe als einzige herstellen, eine Preissenkung aber verweigert. GSK hatte schließlich angekündigt, der Konzern werde den Preis seines Pneumokokken-Impfstoffes für den Einsatz in humanitären Krisen senken. Nun hat Pfizer am vergangenen Freitag nachgezogen.

„Es ist schön zu sehen, dass Pfizer nun endlich den Preis seines lebensrettenden Impfstoffes für Kinder in Not senkt“, sagt Dr. Joanne Liu, internationale Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen. „Mit den Preisreduktionen von Pfizer und GSK werden humanitäre Organisationen Kinder nun besser vor dieser tödlichen Krankheit schützen können.“ Lungenentzündung ist eine der Haupttodesursachen für Kinder weltweit. Jedes Jahr stirbt fast eine Million Kinder daran. Kinder in Notsituationen, ob in Konfliktgebieten oder in humanitären Katastrophen, sind besonders anfällig für Lungenentzündung. 

Anfang des Jahres hat Ärzte ohne Grenzen für eine Impfkampagne von Flüchtlingskindern in Griechenland noch 60 Euro (68,10 US-Dollar) für eine Dosis Pfizer-Impfstoff bezahlt. Die jetzt angekündigten Preissenkungen sind ein wichtiger Schritt in Richtung eines besseren Schutzes von gefährdeten Kindern, die von humanitären Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen behandelt werden. „Nun sollten Pfizer und GSK ihre Bemühungen nochmals verstärken und die Kosten des Impfstoffes für die vielen Entwicklungsländer senken, die es sich immer noch nicht leisten können, ihre Kinder vor Lungenentzündung zu schützen“, fordert Liu. Ein Drittel aller Länder weltweit können wegen des hohen Preises keine Pneumokokken-Impfstoffe einführen. Millionen Kinder, die in Ländern wie Jordanien, Thailand oder den Philippinen leben, sind nicht geimpft. 2015 hatten 193 Länder bei der Weltgesundheitsversammlung eine bahnbrechende Resolution verabschiedet, in der sie bezahlbare Impfstoffe und mehr Transparenz bei der Preispolitik forderten. 

Das Impfpaket zur Grundimmunisierung eines Kindes in ärmeren Ländern ist heute 68 Mal teurer als es 2001 war. Das geht aus dem Bericht „The Right Shot: Bringing down Barriers to Affordable and Adapted Vaccines” von Ärzte ohne Grenzen vom Januar 2015 hervor. Pneumokokken-Impfstoffe machen dabei fast die Hälfte der Kosten aus. 

Nach jahrelangen erfolglosen Verhandlungen hatte Ärzte ohne Grenzen 2015 die öffentliche Kampagne „A Fair Shot“ gestartet und Pfizer und GSK auch so aufgefordert, die Preise zu senken. Am 27. April 2016 hat die Organisation Unterschriften von mehr als 416.000 Menschen aus 170 Ländern an die beiden Pharmakonzerne übergeben. Die Unterzeichner forderten die Firmen dazu auf, die Preise für Impfstoffe gegen Pneumokokken auf fünf US-Dollar pro Kind (für alle drei benötigten Impfungen) in allen ärmeren Ländern und für Menschen in Konfliktgebieten zu senken.