Afghanistan

USA müssen unabhängige Untersuchung von Klinik-Angriff zulassen - Petition mit mehr als 547.000 Unterschriften an Präsident Obama übergeben

Washington/Berlin, 10. Dezember 2015. Ärzte ohne Grenzen hat der US-Regierung am Mittwoch in Washington eine Petition übergeben, die mehr als 547.000 Menschen unterzeichnet haben. In der Petition ruft die die internationale medizinische Hilfsorganisation US-Präsident Barack Obama dazu auf, einer unabhängigen Untersuchung der US-Angriffe auf das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen im afghanischen Kundus zuzustimmen. Bei den Luftangriffen am 3. Oktober sind mindestens 30 Menschen getötet worden, darunter 14 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen.

Ärzte ohne Grenzen und die mehr als eine halbe Million Unterzeichner fordern eine Untersuchung der Geschehnisse durch die Internationale Humanitäre Ermittlungskommission (IHFFC). Dabei handelt es sich um die einzige Instanz, die speziell zur Untersuchung möglicher Verletzungen des humanitären Völkerrechts gemäß den Genfer Konventionen geschaffen wurde.

„Nur ein vollständiger Untersuchungsbericht einer unabhängigen, internationalen Instanz kann unsere Zuversicht wieder herstellen, dass die Vereinigten Staaten von Amerika sich der Einhaltung des Kriegsrechts verpflichtet fühlen, welches Angriffe auf Krankenhäuser aufs Schärfste verbietet“, sagt Jason Cone, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen in den USA. „Es reicht nicht aus, wenn die Täter die einzigen Ermittler sind.“

Nach dem Angriff haben hunderttausende Menschen im Nordosten Afghanistans keinen Zugang zu medizinischer Versorgung mehr. Das Hauptgebäude des Krankenhauses von Ärzte ohne Grenzen wurde fast vollständig zerstört. Es war das einzige Trauma-Zentrum der Region. Das US-Militär hat die Verantwortung für die Luftangriffe übernommen und sie als Fehler bezeichnet. Doch die Frage, wie und warum es zu dem Angriff kam, ist bis heute nicht vollständig geklärt.

In weniger als zwei Monaten haben weltweit mehr als 547.000 Menschen die Petition unterzeichnet und damit ihrer Überzeugung Ausdruck verliehen, dass es auch im Krieg Regeln gibt. Die USA haben auf die Forderung von Ärzte ohne Grenzen nach einer Untersuchung der IHFFC noch nicht reagiert.

Bei der Überreichung der Petition hat Dr. Deane Marchbein, US-Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen, vor dem Weißen Haus die Namen der 14 getöteten Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen verlesen und über ihre Erfahrungen als Ärztin in einem Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Afghanistan gesprochen. „Wir sind der medizinischen Ethik verpflichtet“, sagte Marchbein. Wir behandeln Personen nach ihren Bedürfnissen, unabhängig davon, ob sie auf dieser oder jener Seite eines Konflikts stehen, oder auf gar keiner Seite. Auf diese Weise können wir medizinische Hilfe für jene leisten, die diese am dringendsten benötigen; für jene, die in Kriegsgebieten festsitzen und am stärksten leiden. Dafür haben unsere Kollegen ihr Leben gegeben.“