Mitarbeiterporträt Mateusz Mackos, Chirurg

ChirurgInnen

Kurzprofil

Einsatzland: Jemen
Alter: 34

Letzte Arbeitsstelle:

Orthopädischer Chirurg am Universitätskrankenhaus Zakopane (Polen)

Ausbildung:

Medizinstudium am Jagiellonian University College of Medicine (Polen)

Facharztausbildung am Universitätskrankenhaus Zakopane (Polen)

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

2015 im Jemen (Aden)

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

Ich hatte das Buch „An Officer and a Spy“ von Robert Harris dabei. Aber ich kam aufgrund der vielen Arbeit nicht über das Vorwort hinaus.

Musik, die ich gehört habe:

Perfect Circle, Mr Bungle, Beastie Boys, Mars Volta, Pink Floyd, Pearl Jam – Musik half mir in Nächten, in denen ich die Kämpfe hörte, dennoch zu schlafen.

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Ich arbeitete und wohnte im Krankenhaus in Aden. Aufgrund der Sicherheitslage konnten wir das Gelände nicht verlassen. Die Frontlinie war 300 bis 400 Meter vom Krankenhaus entfernt. Jeder Tag war eine extreme Herausforderung. Wir nahmen unglaublich hohe Patientenzahlen auf, teilweise Hunderte am Tag. Die Kämpfe hörten nicht auf, die Gewalt war erschreckend. Ich und ein australischer Kollege, ein Gefäßchirurg, arbeiteten 14 bis 18 Stunden am Tag in zwei Operationssälen. Wir operierten Schusswunden und andere schwere Kriegsverletzungen. Die nationalen Kolleginnen und Kollegen waren eine sehr große Hilfe. Sie ermöglichten es unter diesen extremen Bedingungen eine solide Gesundheitsversorgung zu leisten. Immer wieder kamen sehr viele Verletzte gleichzeitig, es gab Schwierigkeiten bei den Materiallieferungen, und der fehlende Schlaf machte alles nicht einfacher. Am 19. Juli nahmen wir innerhalb von drei Stunden 206 Patienten auf, die durch einen Bombeneinschlag verletzt worden waren, am Folgetag kamen noch einmal 100 Verletzte – die meisten von ihnen waren Zivilisten, Frauen und Kinder - Flüchtende, die zwischen die Schusslinien geraten waren.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Freizeit war ein Luxus während meines gesamten Einsatzes in Aden. Wir verbrachten die knappe freie Zeit als Team gemeinsam, sprachen miteinander und versuchten uns gegenseitig Kraft zu geben. Das war meistens mit einem gemeinsamen Essen verbunden.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Definitiv die Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen. Vor allem die Unterstützung derjenigen, die bereits mehrere Einsätze mit Ärzte ohne Grenzen gemacht haben, war sehr wertvoll. Alle waren froh und offen, ihr Wissen und ihre Expertise zu teilen.

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Meine Lieben zu Hause. Und Joggen gehen mit meinem Hund.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Ich möchte nächstes Jahr an einem Iron Man-Wettbewerb teilnehmen und bereite mich darauf vor. Das sollte mir auch für meine Einsätze mit Ärzte ohne Grenzen helfen – auch die sind ja eine Extremherausforderung.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Kleine Dinge machten mich glücklich: Zum Beispiel fließendes Wasser aus der Dusche oder wenn die Klimaanlage in meinem Zimmer funktionierte und die Raumtemperatur unter 40 Grad sank. Vor allem war es sehr schön, wenn Patientinnen und Patienten lächelten, trotz der Tragödie, die sie erleben mussten.