Mitarbeiterporträt Jan Walter, Epidemiologe

EpidemiologInnen

Kurzprofil

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Robert Koch-Institut in Berlin

Ausbildung:

Dipl. Biochemiker, Dr. rer. nat., Master of Science in Epidemiology

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

  • 2012/2013 in Mosambik
  • 2011 in der Demokratische Republik Kongo
  • 2011 in Kamerun
  • 2010/2011 in Swasiland

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

Bill Bryson: „Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge“

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Mein Einsatz im Kongo war sehr abwechslungsreich, so dass sich kein wirklicher Alltag eingestellt hat. Ich war dort mit dem Notfallteam zur Bekämpfung eines Choleraausbruchs am Albertssee und eines Masernausbruchs in der Haut-Uele Region. Die erste Woche habe ich mit dem Team am Albertssee verbracht und bei der Aufnahme von Routinedaten zu Cholerapatienten geholfen. Besonders spannend war die Teilnahme an zwei Erkundungsexpeditionen per Boot, um Berichten über neue Cholerafälle nachzugehen und um gegebenenfalls Behandlungsstationen dort einzurichten. Später habe ich in Zusammenarbeit mit Epidemiologen in Paris und Genf an der Planung einer Cholera-Impfung gearbeitet, die allerdings leider nicht rechtzeitig von den kongolesischen Behörden genehmigt worden ist.

In Dungu, im Norden des Kongos, habe ich nach der von Ärzte ohne Grenzen durchgeführten Masernimpfung eine Studie zur Messung der Impfabdeckung geleitet. Diese Studie war nötig, da aufgrund einer großen Flüchtlingsbewegung keine verlässlichen Bevölkerungszahlen vorlagen und es anfangs so aussah, als ob nur ein recht geringer Prozentsatz der Bevölkerung an der Impfung teilgenommen hatte. Unsere Untersuchung zeigte jedoch, dass wir in Wirklichkeit um die 92 Prozent der Zielgruppe erreicht hatten. Spannend war es mit meinem Team von Haus zu Haus zu gehen, und den Impfstatus der Kinder zu erfragen. Im Zusammenhang mit dem Masernausbruch habe ich zudem an zwei Erkundungen teilgenommen.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Viel Freizeit gab es im Kongo nicht. Allerdings war schon mal Zeit, am Abend ein Bier trinken zu gehen oder am Sonntag etwas länger zu schlafen und ein Buch zu lesen.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Der Einsatz im Kongo war besonders spannend dadurch, dass wir in abgelegene Gebiete gekommen sind, die normalerweise nicht von vielen Hilfsorganisationen besucht werden. In einem Dorf umgab mich plötzlich eine Kinderschar, die mich anstarrte. Offensichtlich hatten sie noch nie einen Weißen gesehen.

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Es klingt vielleicht etwas komisch, aber über die Jahre im Ausland hinweg, habe ich nicht aufgehört, das deutsche Brot zu vermissen. Irgendwie scheint das keiner so hinzubekommen wie die deutschen Bäcker.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Im Moment bin ich für ein Jahr mit Ärzte ohne Grenzen in Maputo (Mosambik). Anschließend würde ich gerne nach Europa zurückkehren und von dort als Epidemiologe arbeiten, gerne auch weiter mit Ärzte ohne Grenzen, aber in kürzeren Einsätzen.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Ich fand das kongolesische Personal sehr engagiert und interessiert. Besonders ein Krankenpfleger hat mich abends häufig mit Fragen über meine Arbeit und Epidemiologie gelöchert. Dieses Interesse und seine Hingabe zu seinem Beruf fand ich super.