Mitarbeiterporträt Henrike Elbert, Hebamme

Hebammen

Kurzprofil

Alter: 27

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Klinikum Augsburg

Ausbildung:

Hebamme

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen

2012/2013 in der Demokratischen Republik Kongo

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

„Kongo – eine Geschichte“ von David van Reybrouck

Dieses Buch beschreibt ausführlich die Geschichte des Kongos und gibt Erklärungen und Informationen auf die Frage, warum dieses atemberaubende Land seit so vielen Jahren von Krieg beherrscht wird.

Musik, die ich gehört habe:

Mumford and Son’s, The Lumineers, Damien Rice, Miss Li und allgemeinen ein bunter Mix aus Musikgeschmäckern meiner Kollegen von Ärzte ohne Grenzen. Legendär auch der WOOP-Mix unserer britischen Kollegin, die für Wasser und Sanitär zuständig war. Dieser hat  uns einige Samstagabende zum Tanzen gebracht!

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Unser Projekt unterstützt in Mweso (Nord-Kivu) ein Krankenhaus mit 180 Betten und mehrere kleine Gesundheitszentren in der Umgebung.

In Nord-Kivu herrscht seit Jahrzehnten Krieg, die Infrastruktur und die medizinische Versorgung für die Bevölkerung sind sehr schlecht. Viele Kranke müssen weite Strecken zurücklegen, um bei uns kostenlos behandelt werden zu können.

Unter meinen Zuständigkeitsbereich fiel der Kreißsaal mit ca. 60 Geburten pro Woche, die angrenzende Station für entbundene Frauen, alle gynäkologischen Fälle und das „Village d’acceuil“, in dem bis zu 35 Frauen mit Risikoschwangerschaften vor der Geburt bleiben konnten, um rechtzeitig im Krankenhaus zu sein. (Das waren Frauen, die z.B. mehr als sechs Kinder oder einen Kaiserschnitt in der Vergangenheit hatten oder bei denen das Kind problematisch lag.) Außerhalb des Krankenhauses war ich zudem für unsere Tumaini (=Hoffnung) Klinik in Mweso verantwortlich, dessen Team sich um vor- und nachgeburtliche Untersuchungen, Familienplanung, Geschlechtskrankheiten und die vielen Vergewaltigungsopfer kümmerte.

Meine Aufgabe war es, für einen reibungslosen Ablauf in den verschiedenen Bereichen zu sorgen, die Mitarbeiter zu schulen und anzuleiten, zu überprüfen, ob z.B. alle nötigen Materialien, Instrumente und Medikamente zur Verfügung stehen und natürlich die dazugehörige Berichterstattung. Zudem war ich 24 Std am Tag 7 Tage die Woche per Walky Talky abrufbereit für kompliziertere Geburten und Notfälle. Zugute kam mir auch meine Ultraschallerfahrung, da wir ein kleines tragbares Gerät im Projekt hatten und dies vor allem für die Geburtshilfe von großem Nutzen ist (Feststellung der Kindslage, Lokalisation des Mutterkuchens, Überprüfung der kindlichen Herzaktion).

Mehrmals im Monat bin ich auch in die umliegenden Gesundheitszentren gefahren, um dort die Kreißsäle zu beaufsichtigen und Fortbildungen zu geben. Dies war immer eine schöne Abwechslung und eine gute Möglichkeit, die Umgebung und den wunderschönen Kongo zu bestaunen.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Wir hatten ein Volleyball-/Badminton-Netz und einen kleinen improvisierten Fitnessraum in dem wir uns sportlich betätigen konnten, zudem einen Garten zum Zurückziehen und Entspannen. Oftmals saß aber das Team in den freien Stunden zusammen und wir haben gespielt, Filme geschaut und ab und an auch mal getanzt. An den Sonntagen bin ich gerne durch Mweso und über den angrenzenden Hügel spaziert und habe meine nationalen Mitarbeiter und deren Familien zu Hause besucht oder einfach das bunte Treiben beobachtet.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Unseren unglaublich guten Zusammenhalt im internationalen Team, der uns allen ermöglicht hat, die oft schwierigen Situationen und Momente zu meistern und zu verarbeiten.

Und auch die harmonische Zusammenarbeit und der respektvolle Umgang mit dem nationalen Team werden mir immer in guter Erinnerung bleiben.

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Meine Familie, meine Freunde, guter Käse und das Gefühl, nicht 24 Stunden am Tag mit Arbeit konfrontiert zu sein, sondern einfach mal mit neutralen Personen einen Kaffee trinken zu gehen.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Zunächst werde ich wieder im Augsburger Klinikum weiterarbeiten und dann sehen, wann es möglich ist, den nächsten Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen zu planen.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Es ist schwierig eine schönste Erinnerung zu benennen, denn der ganze Einsatz war voller ergreifender Momente, in denen z.B. Mütter nach mehreren Totgeburten durch eine adäquate medizinische Betreuung endlich ein gesundes Baby im Arm halten konnten, oder wir Neugeborene nach schwierigen Geburten rosig und schreiend zu ihren Müttern gehen konnten, sowie Frühchen von knapp 1000 Gramm, die nach Wochen intensiver Betreuung mit ihren Müttern nach Hause entlassen wurden. All diese Momente haben sich eingeprägt und mir tagtäglich verdeutlicht, warum Ärzte ohne Grenzen in Mweso tätig ist.