Mitarbeiterporträt Hans Gerber, Anästhesist

AnästhesistInnen

Kurzprofil

Alter: 38

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Abteilung für Anästhesie, Oskar-Ziethen-Krankenhaus in Berlin

Ausbildung:

Facharzt für Anästhesie

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

2006/2007 in Haiti

Musik, die ich gehört habe:

Verschiedene Musik, vor allem solche, die unter "Electronic" läuft. Zu "meinem" Lied während dieses Projekts wurde aber "God puts a smile upon your face" von Coldplay.

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

Harry Mulisch: "Die Entdeckung des Himmels"

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

2006/2007 für drei Monate in Haiti

Ausbildung:

Facharzt für Anästhesie

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Abteilung für Anästhesie, Oskar-Ziethen-Krankenhaus in Berlin

Wie sah dein Berufsalltag im Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Ich arbeitete in einem Projekt in Cité Soleil, einem Slum in der Hauptstadt Port-au-Prince. Dort hat die Bevölkerung wegen anhaltender Kämpfe zwischen bewaffneten Banden, in die teilweise auch Truppen der UN-Stabilisierungsmission (MINUSTAH) verwickelt sind, nur schwer Zugang zu Gesundheitseinrichtungen. Ärzte ohne Grenzen unterstützt dort eine Tagesklinik und ein Krankenhaus.

Morgens um halb acht gab es im Büro eine kurze Frühbesprechung, in der die aktuelle Sicherheitslage, Verantwortlichkeiten und besondere Aktivitäten des Tages besprochen wurden. Dann fuhren wir im Konvoi in den Slum. Wenn gerade gekämpft wurde, mussten wir warten oder andere Zufahrtswege wählen. Im Krankenhaus "Choscal" angekommen, nahmen wir die Arbeit auf. Nationale und internationale Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen arbeiten in dieser Klinik des Gesundheitsministeriums mit den dortigen Angestellten zusammen. Als Anästhesist war ich neben der Vorbereitung und Durchführung von Narkosen allgemein für die Organisation der Arbeit im OP zuständig. Wenn keine Notfälle zu operieren waren, führten wir viele Routine-Eingriffe durch. Immer wieder mussten wir jedoch Gewalt- oder Unfallopfer behandeln. Unsere Möglichkeiten waren begrenzt, aber manche Patienten konnten wir auch in andere Krankenhäuser außerhalb des Slums verlegen.

Nachmittags um vier Uhr brachte uns ein Fahrzeugkonvoi wieder zurück. Ein kleines Team blieb als Bereitschaftsdienst in der Klinik. Um die riskanten Durchquerungen des Slums so gering wie möglich zu halten, beschränkten wir unsere Bewegungen auf die Hin- und Rückfahrten. Unser Büro hielt stets Kontakt zu allen Konfliktparteien und erreichte es auch, dass das Krankenhausgelände als waffenfreie Zone respektiert wurde.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Da wir uns in Port-au-Prince aus Sicherheitsgründen nicht frei bewegen konnten, blieben wir abends meist in unserem Haus. Alternativ konnten wir uns in ein sicheres Viertel fahren lassen, wo wir in bestimmte Bars und Restaurants gehen konnten.

Was hast du am meisten geschätzt während deines Projektaufenthalts?

Es war mein erster Einsatz, und ich hatte das Gefühl, in einem gut organisierten Projekt sinnvoll tätig werden zu können. Außerdem arbeitete ich in einem sehr netten internationalen Team. Ohne diese gute Atmosphäre wäre alles viel anstrengender geworden.

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Einigermaßen saubere Luft. Das klingt absurd, weil ich mitten in Berlin lebe. Aber die Luftverschmutzung in Port-au-Prince ist wirklich sehr stark.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Ich arbeite zurzeit wieder in einem Berliner Krankenhaus. Voraussichtlich im Herbst 2008 möchte ich mit Ärzte ohne Grenzen wieder in ein Projekt gehen.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Es war für mich eine Herausforderung und eine wertvolle Erfahrung, Anästhesien mit einfachen Mitteln sicherzustellen. Einzelne Schicksale, wie das eines sechsjährigen Jungen, der mit einem lebensgefährlichen Bauchschuss eingeliefert wurde und nach einigen Tagen schon wieder fröhlich über die Station lief, waren besonders motivierend.

Ganz allgemein war es schön zu erleben, wie die Arbeit des Krankenhauses trotz schwieriger Bedingungen von den Menschen genutzt und geschätzt wurde. Und es ist interessant mitzubekommen, wie es sich für Ärzte ohne Grenzen insbesondere in einem konfliktgeplagten Land wie Haiti auszahlt, am Grundsatz strikter Neutralität festzuhalten.