Mitarbeiterporträt Amadeus von der Oelsnitz, Krankenpfleger

Pflegepersonal

Kurzprofil

Alter: 49

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Drogenhilfezentrum "Drob Inn" Hamburg

Ausbildung:

Krankenpfleger

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

  • 2012 in der Demokratischen Republik Kongo
  • 2011 im Tschad
  • 2009 in der Zentralafrikanischen Republik
  • 2008 in Niger
  • 2006 im Tschad
  • 2005 in Indonesien
  • 2003 in Liberia
  • 2002 in Malawi

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

Während meines letzten Einsatzes haben mich Thomas Mann, Walter Kempowski und Annie Proulx als Autoren begleitet.

Musik, die ich gehört habe:

Ein bisschen gequetscht habe ich manchmal von meiner Telefonspeicherkarte Musik gehört: die neue von De La Soul, Balkan Beat Box, sexion d´assaut.

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Ich habe in meinem letzten Projekt in diesem Frühjahr in Kikondja in der Provinz Katanga im Kongo in einem Malariaprojekt gearbeitet. Ich war dort medizinischer Teamleiter und auch übergangsweise Projektkoordinator. Mein Alltag war typisch für einen Nothilfe-Einsatz: Wir hatten unter Hochdruck enorm viele einfache und schwere Fälle von Malaria zu behandeln, für letztere ein stationäres Setting aufzubauen und für alles zusammen die Ressourcen zu organisieren und zu koordinieren. Das bedeutete gerade am Anfang sehr viel Arbeit vom frühen Morgen halb sechs bis in den Abend. Und zu Beginn auch an den Wochenenden. Die Lebensumstände für uns Expats waren auch nicht eben komfortabel. Aber all das ist normal und angesichts der Umstände gut aushaltbar, wenn man die Arbeitszufriedenheit dagegen setzt.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Wenn ich welche hatte, nicht viel. Zum einen gab es in der ruralen Region meines Projekts kaum Möglichkeiten, zum anderen war ich oft zu müde. Ich habe gelesen und Berichte und Eindrücke per Email an meine Freunde und Lieben nach Hause geschrieben.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Ich habe vor allem, und das ganz selbstbezogen, die Effizienz und Präzision unserer Arbeit geschätzt. Wir haben in sehr kurzer Zeit 15.000 moderate Fälle von Malaria bei Kindern in mobilen Kliniken behandelt und in unserem Krankenhaus annähernd 1.000 schweren, kompliziert Erkrankten versucht, das Leben zu retten. All das war harte und oft schwere Arbeit mit viel Tod und Sterben. Ich habe geschätzt, dass wir alle gegeben haben was immer wir konnten, mit allem Einsatz, mit all unserer Professionalität.

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Mir haben wie immer meine Menschen gefehlt. Aber nach so vielen Einsätzen habe ich gelernt, damit umzugehen. Am allermeisten aber hat mir ein funktionierendes Gesundheitssystem gefehlt, unsere medizinisch-technischen Möglichkeiten, die gut ausgestatteten Einrichtungen, über die wir hier verfügen. Ein Bruchteil dieser Struktur schon würde dort enorm helfen.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Ich möchte weiterhin in Projekten arbeiten, vornehmlich in "emergency interventions", und darüber hinaus in Deutschland über meine Erfahrungen und Arbeit mit Ärzte ohne Grenzen berichten und sie darstellen.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Ich weiß nicht mehr genau, was meine schönste Erinnerung an meinen letzten Einsatz war, aber ich weiß um eine sehr bleibende. Ich erinnere mich, ein kleines fünfjähriges Mädchen von einem Boot aus dem Sumpfgebiet bereits bewusstlos und mit Fieberkrämpfen zu unserem Krankenhaus getragen zu haben. Auf dem Weg starb das Kind in meinen Armen. Ich habe danach lange mit einem einheimischen Kollegen schweigend vor der Klinik unter den Angehörigen gesessen. Wir haben alle nicht gesprochen, und nach einer Weile habe ich die Hand meines kongolesischen Mitarbeiters auf meiner Schulter gespürt. Das werde ich nicht vergessen.