Strategie 2015 bis 2019

Die deutsche Sektion von Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen ist Teil des operationalen Zentrums Amsterdam (OCA). Das OCA ist eines von fünf operationalen Zentren (Operational Centre, OC), in denen die Sektionen des internationalen Netzwerkes zusammenarbeiten. Im Rahmen dieser operationalen Zentren treffen jeweils mehrere Sektionen gemeinsam Projektentscheidungen, schließen Finanzierungsverträge ab und unterstützen sich bei der Vermittlung von Projektpersonal. Das OCA wird durch die deutsche, britische und niederländische Sektion gebildet. Die kanadische Sektion hat einen beratenden Status im OCA. Zudem gehören die Mitgliedsverbände Ostafrika und Südasien als Beobachter dazu.

Strategischer Plan für die Jahre 2015 – 2019

In einem umfangreichen Evaluierungs-, Recherche-, Konsultations- und Diskussionsprozess hat das operationale Zentrum Amsterdam im Jahr 2014 die folgenden sechs strategischen Ziele für die Arbeit der kommenden fünf Jahre entwickelt und verabschiedet:

  1. Auf der Grundlage einer breiten Akzeptanz unserer Prinzipien der Neutralität, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit werden wir den Zugang zu den bedürftigsten Menschen in Konflikt- und Krisenregionen sichern. Es soll unsere Kommunikations- und politische Advocacy-Arbeit in den Projektländern verstärkt werden. Dabei sollen auch unsere nationalen Mitarbeiter als „Botschafter“ eine stärkere Rolle spielen.
  2. Wir werden effektive medizinische Hilfe leisten, die für Patienten gut zugänglich ist und vornehmlich jene Menschen erreicht, die sonst nicht ausreichend versorgt werden. Die Bedarfsanalyse und Planung soll verbessert und die medizinische Hilfe stärker an die Bedürfnisse vor Ort angepasst werden. Eine weitere Priorität sind das Management von Krankenhäusern und anderen komplexen medizinischen Aktivitäten. Um die Behandlung vor allem von vernachlässigten Krankheiten auch in schwierigen Kontexten zu verbessern, werden wir uns auf Forschung und Innovationen in diesem Bereich konzentrieren.
  3. Unsere Hilfe und die Unterstützung des internationalen Hilfssystems für Menschen in akuten Krisen und für Menschen auf der Flucht werden verbessert. Ziel ist es, Flüchtlingen und Vertriebenen auf allen Etappen ihrer Flucht unabhängig von ihrem legalen Status ausreichend zu helfen. Außerdem sollen Staaten überzeugt werden, diesen Menschen auf der Flucht mehr Schutz und Hilfe zu gewähren. Um die Hilfsmöglichkeiten in akuten Krisen zu verbessern, wollen wir unsere Reaktionssysteme verbessern, vor allem im Bereich der Wasserversorgung und der Bekämpfung von Epidemien. Im Dialog mit staatlichen und nichtstaatlichen Hilfsorganisationen soll eine Verbesserung des humanitären Systems in diesen Situationen erreicht werden.
  4. Für die wachsenden Herausforderungen in unseren Nothilfeprojekten werden wir ausreichend qualifiziertes und erfahrenes Personal anwerben und ausbilden. Wir werden vermehrt in Weiterbildung und Personalentwicklung investieren. Dies betrifft insbesondere Mitarbeiter auf Koordinationsstellen in den Einsatzländern. Zudem wollen wir das Potenzial unserer nationalen Mitarbeiter stärker nutzen, u. a. sollen sie mehr in Leitungspositionen eingebunden werden. Ziel ist es, mehr Kontinuität auf wichtigen Positionen zu schaffen und mehr Personal für eine längerfristige Mitarbeit zu gewinnen.
  5. Die medizinischen Nothilfeprojekte sollen stärker unterstützt und entlastet werden, um die Qualität der Arbeit vor Ort zu verbessern. Die Anforderungen an Management und Organisation sind in den Einsatzländern in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Durch eine Reorganisation sollen Entscheidungskompetenzen neu verteilt und Prozesse standardisiert werden, damit sich die Verantwortlichen vor Ort vorrangig auf die medizinische Hilfe konzentrieren können. IT-Kapazitäten sollen verbessert und das Logistiksystem angepasst und vereinfacht werden.
  6. Eine gute und effektive Zusammenarbeit im internationalen Netzwerk soll die Arbeit in den Projekten stärken und die finanzielle Basis sichern. Die Zusammenarbeit im gesamten Netzwerk von Ärzte ohne Grenzen soll in den Bereich Kommunikation, Personal und Koordination in den Einsatzländern verbessert werden. Durch eine abgestimmte langfristige Fundraising-Planung soll die Finanzierung der Projekte sichergestellt werden. Zusätzlich zu diesen sechs Zielen sieht der Strategieplan auch vor, dass das OCA sich zunehmend internationalisieren wird, unter anderem auch durch die verstärkte Einbindung des indischen Büros von Ärzte ohne Grenzen. Die Prioritäten des internationalen Netzwerkes und die medizinischen Ziele finden Sie hier.