Sudan

Ärzte ohne Grenzen weitet medizinische Aktivitäten nach Kala-Azar-Ausbruch aus

Ärzte ohne Grenzen hat eine zusätzliche Station in Pagil im südsudanesischen Jonglei State aufgebaut, um mit mehr Kapazitäten auf die alarmierende Zunahme der mit Kalar-Azar infizierten Patienten zu reagieren.

Die neue Klinik entstand zusätzlich zu den Projekten in Leer, Lankien und Nasir ebenso wie zu den Gesundheitszentren, die von anderen Organisationen in Ayod und Old Fangak betrieben werden. Alle berichten von einem ungewöhnlich hohen Anstieg der Kala-Azar-Fälle, die medizinische Hilfe brauchen. Manche Patienten sind tagelang unterwegs, um behandelt zu werden. Viele Krankenhäuser berichten von Dutzenden neuer Einweisungen jede Woche.

"Nach den Erfahrungen im vergangenen Jahr erwarteten wir eigentlich erst Anfang September einen steigenden Patientenandrang, aber die Zahl der aufkommenden Fälle in den verschiedenen Gesundheitszentren der Region zeigt schon jetzt, dass es dieses Jahr noch schlimmer als in den Vorjahren wird", sagte Chris Lockyear, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen im Südsudan. Es wäre fatal, wenn diese Krankheit, die durch den Stich der Sandfliege übertragen wird, nicht behandelt wird. Die Behandlung erfordert aber nicht nur die Bereitstellung von Medikamenten gegen Kala-Azar, sondern auch eine intensive Bekämpfung der damit einhergehenden Infektionen wie Lungenentzündungen, Durchfallerkrankungen und Blutarmut, aber auch die verstärkte Bekämpfung von Mangelernährung.

"Wir stehen kurz vor einem enormen Ausbruch"

"Die Tatsache, dass wir bereits jetzt in einer traditionell eher harmloseren und ungefährlicheren Zeit des Jahres so hohe Krankheitsraten haben, weist darauf hin, dass wir kurz vor einem enormen Ausbruch stehen", sagt Koert Ritmeijer, medizinischer Berater bei Ärzte ohne Grenzen und Kala-Azar-Spezialist.

Die Erklärung für diesen frühzeitigen Ausbruch der Tropenkrankheit ist komplex. "Den letzten großen Ausbruch der Krankheit gab es vor acht Jahren", sagt Koert Ritmeijer. "Daher gibt es eine neue Generation, die keine Immunität dagegen entwickelt hat." Hinzu kommen andere Einflussfaktoren, wie klimatische Bedingungen, die es der Sandfliege ermöglichen, die Infektion voranzutreiben und zu verbreiten. Die großen Zahlen mangelernährter Menschen in verschiedenen Regionen im Südsudan - verursacht durch die instabile Sicherheitslage und ausbleibende Ernten - verschärfen das Problem dieses Jahr, da die Bevölkerung dadurch anfälliger für Kala-Azar wird.

Ärzte ohne Grenzen hat sich entschieden, die zusätzliche Station in Pagil zu errichten, um den Druck von den bereits vorhandenen Gesundheitszentren zu nehmen. Es handelt sich um ein abgeschiedenes Dorf mit nur einem befestigten Gebäude, welches als Klinik dient. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen leben in Zelten und behandeln die meisten Patienten unter Planen und Zelttüchern. In den ersten zwei Tagen bestätigte das Team 16 Fälle von Kala-Azar. Es wird erwartet, dass diese Zahl ansteigt, sobald mehr Gemeinschaften davon erfahren, dass sie in Pagil behandelt werden können. Das Team, das aus durchschnittlich sechs internationalen und nationalen Mitarbeitern besteht, wird also vor schwierigen logistischen Herausforderungen stehen.

"Die Landebahn verwandelt sich sofort in klebrigen Schlamm"

"Wir wollen das Team alle sieben bis zehn Tage neu beliefern", sagt Chris Lockyear, "aber das hängt von den Wetterverhältnissen und den Bedingungen der kleinen Landebahn ab, die sich bei Regen sofort in klebrigen Schlamm verwandelt. Demnach müssen wir die Medikamente und die medizinischen Güter sehr sorgfältig auswählen und dürfen keinesfalls das kleine Flugzeug überladen."

Das Team überprüft auch auf Basis der Entwicklungen und Patientenberichte aus den anderen Kliniken von Ärzte ohne Grenzen, ob weitere Behandlungsstationen in der Umgebung von Pagil benötigt werden. Die Station in Pagil wird mindestens bis 2011 erhalten bleiben.