Tschad

"Wir setzen auf Funkkontakt" - Brief aus dem Projekt

Frank Terhorst, Logistiker, hat in Boroko eine Projekt für mangelernährte Kinder mitaufgebaut.

Ich bin als logistischer Koordinator in den Tschad gegangen und startete in der Hauptstadt N'djamena mit einer zweimonatigen Einarbeitungszeit. Der Tschad zählt zu den ärmsten Ländern Afrikas, und immer wieder ist das Leben Hunderttausender Menschen durch Gewalt und Vertreibung bedroht - vor allem im Osten, wo sehr viele Flüchtlinge aus dem Sudan und der Zentralafrikanischen Republik leben. Deswegen haben wir hier mehrere Projekte. Für mich lief alles zunächst wie geplant, doch dann musste unser neuer Logistiker aus gesundheitlichen Gründen nach nur einer Woche wieder abreisen. Eigentlich hätte er unser neues Projekt in Bokoro aufbauen sollen.

Bokoro liegt im Nordwesten des Tschad. Es gehört zu einer Region mit 230.000 Menschen, in der es viel Mangelernährung gibt. Ärzte ohne Grenzen hat sich vorgenommen, in diesem Gebiet dagegen zu kämpfen. Für Bokoro schätzen wir die Anzahl stark mangelernährter Kinder im Alter von sechs Monaten bis fünf Jahren auf 1.500. Unser Projekt hat seinen Standort im dortigen Krankenhaus. Von hier aus werden die betroffenen Kinder der umliegenden Ortschaften systematisch erfasst und behandelt. Die schwer mangelernährten Kinder werden ambulant betreut, wofür wir neun bis zwölf lokale Gesundheitszentren unterstützen werden. Das am weitesten entfernt gelegene Zentrum ist 142 Kilometer von Bokoro entfernt. Nur ganz extreme Fälle werden zur stationären Behandlung im Krankenhaus aufgenommen.

Wenn man für Ärzte ohne Grenzen arbeitet, sollte man flexibel sein, Prioritäten setzten und improvisieren können. Deswegen waren sich nach dem plötzlichen Ausfallen des Kollegen alle schnell darüber einig, dass ich meine Einarbeitungszeit für fünf Tage unterbrechen und in Bokoro die technischen Mindestinstallationen vornehmen sollte. Bereits einige Tage später kam ich vor Ort an. Meine Kollegen hatten dort schon ganze Arbeit geleistet: Das medizinische Personal war trainiert und im Innenhof des Krankenhauses war ein Zelt aufgestellt. Hier wurden die ersten Kinder gemessen und gewogen, um bestimmen zu können, wie stark mangelernährt sie sind. Innerhalb der ersten drei Tage kamen bereits zwischen 700 und 800 Mütter mit ihren Kindern, die entsprechend lange warten mussten. Da in Bokoro zu dieser Jahreszeit die Sonne brennt und zwischen 40 bis 45 Grad Celsius herrschen, waren die Prioritäten klar: Noch am Nachmittag meiner Ankunft haben wir auf dem lokalen Markt Metallpfosten, Kokosholz und Bastmatten gekauft sowie Holzbänke in Auftrag gegeben, so dass am nächsten Tag zur Mittagszeit bereits alle Patienten im Schatten auf Bänken warten konnte.

Unser Haus, in dem wir wohnen, ist leider nicht das, was wir ursprünglich mieten wollten. Unsere erste Wahl hatte sich erst in dem Moment zerschlagen, als unser Team bereits bei der Anreise war. So gingen wertvolle Tage verloren, und die erste Woche verbrachten alle - Koordinator, Arzt, Fahrer und Krankenpfleger - gemeinsam auf Strohmatten unter freiem Himmel. Es ist sicher nicht schwer, sich vorzustellen, dass solche Nächte nicht die Erholung bringen, die man eigentlich nach täglich zwölf bis 14 Stunden Arbeit nötig hätte. Um gute Arbeit zu leisten, braucht man einfach eine angemessene Unterkunft und ein Büro. Beides muss auch unseren Sicherheitsansprüchen genügen, für die zudem eine gute Kommunikation zur Hauptstadt und innerhalb des Teams unabdingbar ist. Wir verlassen uns dafür nicht auf Dritte, wie beispielsweise Mobilfunkanbieter, sondern setzen auf Funkkontakt. Die Installation einer kompletten Funkanlage gehört zum logistischen Pflichtprogramm eines Projekts. Normalerweise ist das Aufstellen der bis zu elf Meter hohen Pfeiler ein "Logistikerspaß", aber hier war der Zeitdruck so hoch, dass von Spaß keine Rede sein konnte.

Ausreichende Elektrizität ist ein weiterer wichtiger Faktor für die Qualität unserer Arbeit: Vor allem für den Medikamentenkühlschrank, aber auch für unseren Computer. Auch Licht ist grundsätzlich nicht schlecht, und ein Ventilator erleichtert die Arbeit so manches Mal. Für all das haben wir einen Generator hierher gebracht, der in Betrieb genommen und verkabelt werden musste. Keine allzu große Sache. Da der Generator aber nicht den ganzen Tag laufen soll, muss die Energie auch in Batterien gespeichert werden, von wo sie jederzeit wieder abgerufen werden kann. Das kompliziert zwar das System, macht unsere Installationsarbeit aber auch interessanter.

Nach fünf langen Arbeitstagen, unzähligen Litern Wasser, die ich getrunken und wieder ausgeschwitzt habe, fahre ich wieder zurück nach N'djamena. Ich bin zufrieden, dass ich mit meiner Arbeit dazu beitragen konnte, denjenigen zu helfen, die am stärksten unter der Situation leiden: den Kindern.

Frank Terhorst