Syrien

Weggehen trotz der Angst zu sterben – Nihads Geschichte

MSF

Fünf Jahre liegt der Ausbruch des Syrien-Konflikts zurück. Mehr als 200.000 Menschen fielen dem Bürgerkrieg zum Opfer, 4 Millionen Syrer sind geflohen. Einer von ihnen ist Nihad, ein 36-jähriger Kurde aus Syrien. Mehr als 12.000 Dollar kostet ihn und seine Familie die Reise in ihr neues Leben. Sie legen sie per Minibus, Schlauchboot, Auto und zu Fuss zurück. Nach ihrer Ankunft in der Schweiz im September 2015 kommt die Familie zunächst in eine Asylunterkunft, bevor sie in eine kleine Wohnung ziehen. Der Alptraum der Flucht und die Angst zu sterben, die er auf der gefährlichen Überfahrt über das Meer erlebte, beschäftigen ihn immer noch. Er macht sich Sorgen, wie seine kleine Tochter mit dem Erlebten zurechtkommt.

In Syrien hatte Nihad ein Heim, eine Arbeit und eine Familie. 2012 weigert er sich, der Armee des Assad-Regimes beizutreten. Aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen flieht er zusammen mit seiner Schwester, seiner Ehefrau und seiner dreijährigen Tochter Fidanne aus seiner Heimat. Erste Station: das Flüchtlingslager Domiz im Irak.

Im Lager arbeitet Nihad, der ausgebildeter Psychoge ist, für Ärzte ohne Grenzen. Drei Jahre lang hilft er seinen Landsleuten, mit den psychischen Beschwerden fertigzuwerden, die der Konflikt bei vielen verursacht hat. Gleichzeitig macht er sich auch immer wieder über seine eigene Zukunft Gedanken: Wie lange kann und will er unter solch schwierigen Bedingungen leben? Was für eine Zukunft kann er seiner Familie – insbesondere seiner kleinen Tochter – dort bieten? Nach mehreren Monaten kommt er zum Schluss, dass der Weggang aus dem Lager die einzige Option ist. Mit seinen Ersparnissen und dem Erlös aus verkauften Schmuckstücken seiner Frau gelingt es ihm, die Flucht nach Europa in die Tat umzusetzen. Sehen Sie im Video, was Nihad und seine Familie bewegt.