Nigeria

Ärzte ohne Grenzen verurteilt Luftangriff auf Vertriebenenlager scharf

Berlin, 17. Januar 2017. Bei einem Luftangriff der nigerianischen Armee auf ein Vertriebenenlager in Rann im Nordosten des Landes wurden am Dienstag mindestens 52 Menschen getötet und 120 weitere verletzt.

"Dieser massive Anschlag auf Menschen, die bereits durch die Flucht vor Gewalt geschwächt sind, ist schockierend und nicht hinnehmbar", sagt Dr. Jean-Clément Cabrol, Leiter der Projektabteilung von Ärzte ohne Grenzen in Genf. "Die Sicherheit der Zivilbevölkerung muss gewährleistet werden. Wir rufen alle Parteien nachdrücklich dazu auf, die Evakuierung der Überlebenden zur medizinischen Erstversorgung über den Luft- oder Landweg zu ermöglichen."

Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen, die zur Zeit des Angriffs vor Ort waren, haben unmittelbar danach mit der Erstversorgung der rund 120 Verwundeten in der medizinischen Einrichtung von Rann begonnen. Weitere Teams von Ärzte ohne Grenzen bereiten sich darauf vor, die Mitarbeiter vor Ort bei der Behandlung der Verletzten zu unterstützen. Rann befindet sich im Bundesstaat Borno an der Grenze zu Kamerun.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1971 in Nigeria tätig und eine der wenigen Organisationen, die weiterhin in entlegenen Regionen des Landes Nothilfe leisten.

Update 18.1.2017:

Bei dem Luftangriff auf ein Vertriebenenlager in Rann in Nigeria wurde kein direkt bei Ärzte ohne Grenzen angestellter Mitarbeiter verwundet oder getötet. Leider befinden sich unter den Todesopfern aber sechs Kollegen des nigerianischen Roten Kreuzes. Ihren Angehörigen sprechen wir unser tief empfundenes Beileid aus. Zudem kamen bei dem Angriff leider auch drei Mitarbeiter einer Firma aus Kamerun ums Leben, die im Auftrag von Ärzte ohne Grenzen an der Wasserversorgung und an Sanitäranlagen des Vertriebenenlagers arbeiteten. Auch deren Familien sprechen wir unser tief empfundenes Beileid aus und tun alles, um sie in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen haben mit den drei Mitarbeitern der Firma in der Vergangenheit bei verschiedenen Einsätzen in Nigeria eng zusammengearbeitet. Viele unserer Mitarbeiter kannten sie gut.
 
Die Teams sind weiter dabei, Informationen zu sammeln. Zum Zeitpunkt des Angriffs waren Teams von Ärzte ohne Grenzen gerade dabei, Kinder gegen Masern zu impfen, sie auf Mangelernährung zu untersuchen und ambulante Sprechstunden abzuhalten.