Nigeria

Nordosten Nigerias: Helfen, wo keine Straßen hinführen

In der umkämpften Region Borno beginnt im Juli die Regenzeit. Dann steigt das Risiko für Malaria, Mangelernährung und andere Erkrankungen.

Im Bundesstaat Borno im Nordosten Nigerias sind infolge des bewaffneten Konfliktes zwischen Boko Haram und der nigerianischen Armee noch immer hunderttausende Menschen nahezu vollkommen von humanitärer Hilfe abhängig. Während der Regenzeit von Juli bis August drohen einige Gebiete komplett von der Außenwelt abgeschnitten zu werden. Um den steigenden humanitären und medizinischen Bedarf decken zu können, stocken die Teams von Ärzte ohne Grenzen auf.

Mit Beginn der Regenzeit werden viele Felder und Zugangsstraßen überschwemmt. Einige Ortschaften erreicht man dann gar nicht mehr, so etwa Rann, das zeitweilig von der Außenwelt abgeschnitten sein wird. Der ohnehin schwer zugängliche Ort wird dann praktisch zu einer Insel, die nur noch per Helikopter zu erreichen ist. Werden vorab keine Maßnahmen getroffen, betrifft das rund 40.000 Einwohner und Vertriebene vor Ort, für die jegliche Versorgung unerreichbar wird.

Mit der Regenzeit steigen auch die Fallzahlen von Malaria und Mangelernährung. Ärzte ohne Grenzen hat vorsorglich ein mobiles Team entsandt, das in den kommenden Monaten in Rann, Banki und Damasak medizinische und humanitäre Hilfe leisten wird. Medizinische Sprechstunden und Malaria-Prophylaxe werden angeboten, Moskitonetze und Seife verteilt und die Wasser- und Sanitäranlagen verbessert. Außerdem wird das Team Kinder auf Mangelernährung untersuchen.

Vermeidbare Krankheiten verhindern

„Die schlechte Sicherheitslage und die Entfernung erschweren die Hilfeleistung vor Ort, aber wir arbeiten auf Hochtouren, um die Hilfsmaßnahmen aufzustocken, bevor der Regen einsetzt“, sagt Moussa Sow, Koordinator des mobilen Teams, das speziell während der Regenzeit eingesetzt wird. „Hier leben viele Vertriebene und zahlreiche Menschen wurden Opfer von Gewalt. Unser Team wird alles daran setzen, um diese Menschen vor zusätzlichem Leid zu schützen und dafür zu sorgen, dass sie nicht auch noch vermeidbaren Krankheiten zum Opfer fallen.“

Das mobile Team hat bereits Medikamente und logistisches Material in das betroffene Gebiet gebracht. Derzeit läuft die medizinische Hilfe an. Die Teammitglieder werden während der Regenzeit an drei Orten abwechselnd arbeiten. Ein zweites mobiles Team verteilt diese Woche Malaria-Prophylaktika in der Ortschaft Bama und auch in Dikwa sind Präventionsmaßnahmen geplant. Das Team wird sich in den kommenden Monaten der Versorgung von Malaria-Patienten widmen.

Notfallplan für die Region

Die Lebensbedingungen sind bereits jetzt unsicher. Besonders Vertriebene werden auf die Kontinuität der Lebensmittelverteilung angewiesen sein, um Mangelernährung zu vermeiden. Starke Regenfälle begünstigen auch die Ausbreitung von Erkrankungen, die durch Wasser übertragen werden, wie etwa Cholera. Ärzte ohne Grenzen hat in verschiedenen Regionen des Bundesstaats, darunter auch in der Hauptstadt Maiduguri, einen Notfallplan umgesetzt.

In Teilen des Bundesstaats Borno wurden bereits Fälle von Hepatitis E registriert und Ärzte ohne Grenzen leitet den medizinischen Noteinsatz. Überschwemmungen in überfüllten Vertriebenenlagern könnten die Lage weiter verschärfen. Auch gibt es nicht genügend Trinkwasser und Toiletten.

Mehr Trinkwasser und Toiletten benötigt

Als Ärzte ohne Grenzen im Januar nach Rann kam, war pro Person und Tag knapp ein Liter Wasser verfügbar – weit weniger als nötig. Ärzte ohne Grenzen und weitere Organisationen verbesserten die Wasserversorgung, wodurch die Wassermenge pro Person und Tag auf zehn bis fünfzehn Liter gesteigert werden konnte.

Die verfügbaren Latrinen sind allerdings weiterhin unzureichend, weshalb Ärzte ohne Grenzen befürchtet, dass sich Krankheiten ausbreiten. Schätzungen zufolge kommt in Rann auf 279 Personen nur eine Latrine. Den sanitären Standards zufolge sollte jedoch eine Latrine pro maximal 20 Personen vorhanden sein.