Niger

„Der Verlauf der Epidemie war äußerst heftig“ - Meningitis auf dem Rückzug

Der 11-jährige Majid hat sich vermutlich in der Schule mit Hirnhautentzündung (Meningitis) angesteckt und wurde in einer Einrichtung von Ärzte ohne Grenzen in der Hauptstadt Niamey behandelt. Ihm geht es inzwischen so gut, dass er wieder zu seiner Familie zurückkehren kann.

Die Meningitis-Epidemie in Niger ist inzwischen wieder weitgehend abgeklungen, nachdem die Zahl der Erkrankten zu Beginn des Jahres enorm schnell zugenommen hatte. Seit März haben wir tausende Menschen mit der gefährlichen Hirnhautentzündung behandelt und eine große Aufklärungs- und Impfkampagne durchgeführt – dabei haben wir 300.000 Personen darüber informiert, welche Übertragungswege es gibt und wie man sich vor der Krankheit schützen kann. Trotz all unserer Anstrengungen fürchten die Verantwortlichen vor Ort eine weitere Epidemie in der nächsten Trockenzeit.

In Niger ist die Zahl der Menschen, die sich mit der gefährlichen Hirnhautentzündung infiziert haben, um fast 98 Prozent gesunken. Während Anfang Mai in der Hauptstadt Niamey noch 279 Patienten mit Meningitis ins Krankenhaus kamen, waren es Anfang Juni nur noch vier. Auch in anderen Regionen Nigers sind die Zahlen rückläufig. Dennoch ist die Epidemie noch nicht vorbei, und es ist weiterhin Achtsamkeit gefragt. In Niamey konnte die Einrichtung Lazaret, in der Ärzte ohne Grenzen das Gesundheitsministerium unterstützt hat, vergangene Woche geschlossen werden. Dort waren insgesamt mehr als 4.000 Patienten behandelt worden.

„Der Verlauf der Epidemie war äußerst heftig. Die Zahl der Fälle nahm sehr rasch zu, ging aber auch schnell wieder zurück“, erklärt Bernadette Gergonne, Epidemiologin bei Ärzte ohne Grenzen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass es demnächst im Land erneut zu einem Anstieg der Erkrankungen kommt, ist gering. Dennoch müssen wir wachsam bleiben und die epidemiologische Überwachung der Krankheit sicherstellen.“

Eine neue Epidemie in der nächsten Trockenzeit ist wahrscheinlich

Ärzte ohne Grenzen war bisher noch nie mit einem Meningitis-Ausbruch des Erregertyps C von diesem Ausmaß konfrontiert. „Das Risiko besteht, dass dieser für den Niger neue Erreger des Stamms C auch in den nächsten Trockenzeiten wieder auftreten“, sorgt sich die Epidemiologin. „Wir müssen uns deshalb ab nächstem Januar auf eine erneute Epidemie gefasst machen, da die Menschen nicht geimpft sind.“

In Niamey stellte Ärzte ohne Grenzen den an Meningitis erkrankten Menschen mehrere Anlaufstellen zur Verfügung und machte die Behandlung so zugänglicher. In sogenannten integrierten Gesundheitszentren wurden Sprechstunden abgehalten, damit die Erkrankten nicht das Lazaret-Zentrum aufsuchen mussten. Auf diese Weise konnte die Krankheit schneller diagnostiziert werden, die Patienten erhielten die benötigten Antibiotika in ihrem Wohnumfeld und schwer erkrankte Personen wurden direkt in ein Krankenhaus überwiesen. „Dank der Verstärkung der Gesundheitszentren in den Außenbezirken von Niamey konnte die Krankheit schnell festgestellt werden und die Erkrankten erhielten umgehend die erste Medikamentendosis“, so Julien Matter, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen im Niger.

Aufklärungsarbeit rettet Leben

Um die Bevölkerung für die Krankheit zu sensibilisieren, leistete Ärzte ohne Grenzen zudem an mehreren öffentlichen Orten Aufklärungsarbeit. Landesweit wurden fast 300.000 Personen informiert, welche Übertragungswege es gibt und wie man sich vor der Krankheit schützen kann. Da die Krankheit in schweren Fällen innerhalb weniger Stunden zum Tod führen kann, appellierten die Teams an die Menschen, beim Auftreten von Symptomen umgehend ein Gesundheitszentrum aufzusuchen.

Bis Anfang Juni wurden von den nigrischen Behörden 8.327 Verdachtsfälle registriert; mehr als 500 Menschen waren da bereits an der Krankheit gestorben. „In Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium gelang es uns, mit der großen Zahl Erkrankter fertigzuwerden. Damit eine solch kritische Situation in Zukunft vermieden wird, müssen die Menschen unbedingt Zugang zu einer bezahlbaren Impfung haben", betont Landeskoordinator Matter.

Gemeinsam mit dem nigrischen Gesundheitsministerium hat Ärzte ohne Grenzen seit dem 23. März 2015 im Zentrum Lazaret in Niamey fast 4.000 Patienten betreut. Die Organisation hat zudem 24 Gesundheitszentren in Außenbezirken der Hauptstadt unterstützt. In den Regionen Dosso, Tillabéri und Tahoua suchten Teams von Ärzte ohne Grenzen in mehreren Dörfern Bezirkskrankenhäuser und Gesundheitszentren auf, wo sie Patienten untersuchten, das Pflegepersonal schulten, medizinische Daten erhoben und Medikamente spendeten. Bei Bedarf wurden auch einige zusätzliche Behandlungszentren errichtet. In der Region entsandte Ärzte ohne Grenzen in Zusammenarbeit mit den Behörden außerdem Teams, die insgesamt 99.292 Personen gegen die Krankheit impften.