Mitarbeiterporträt: Michael Krick, Elektriker

Logistik Technik

Kurzprofil

Einsatzland: Kamerun
Alter: 61

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Meine letzte Arbeitsstelle war bei einem großen Elektrokonzern in Erlangen als Trainer für technische Kurse (Großantriebe und Multiprozessor Regelsystem SIMATIC TDC).

Ausbildung:

Ich habe erst eine Lehre als Elektroanlagenistallateur und später ein Studium der Elektrotechnik mit Schwerpunkt Energietechnik absolviert.

Ich habe drei Jahre Erfahrung als Inbetriebnahme-Ingenieur und 22 Jahre im Bereich Projektierung, Training und Ausbildung.

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

2013/14 Afghanistan
2015 Guinea
2015 Tschetschenien
2015 Liberia
2016 Südsudan
2017 Irak
2018 Philippinen
2018 Bangladesch
2019 Kamerun

Sprachkenntnisse:

Englisch, gut in Wort und Schrift, war in allen meinen bisherigen Projekten wichtig und in Guinea brauchte ich auch etwas Französisch. Außerdem versuche ich stets wenigstens die wichtigsten Worte der entsprechenden Landessprache zu lernen, um die Menschen vor Ort in ihrer Sprache begrüßen und ihnen auch Danke sagen zu können. Das sorgt meistens für strahlende Gesichter.

Sehr wichtig ist es, die entscheidenden Sachverhalte eindeutig abzuklären und falls irgendwo noch Zweifel bestehen, lieber nochmals einen Dolmetscher zu Rate zu ziehen.

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

„Today We Drop Bombs, Tomorrow We Build Bridges“ von Peter Gill. Der Autor Peter Gill war während meines ersten Projekts in Lashkar Gah, Afghanistan, um für sein Buch zu recherchieren.

Musik, die ich gehört habe:

Meine Musiksammlung umfasst Musik von Hits, Rock, Pop, Jazz und Volksmusik. Wenn möglich, höre ich Webradio von Radio Franken 94.5.

Viele Kamerunerinnen und Kameruner hören gerne Gospelmusik, zu der man herrlich zusammen tanzen und singen kann.

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Mein Einsatz begann mit einer Bestandsaufnahme und einem Check aller elektrischen Systeme und Installationen im St. Mary Hospital in Bamenda und natürlich auch in der Wohnanlage der Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter sowie der Apotheke. Alle wichtigen Details habe ich in einem Bericht festgehalten, damit bei dem häufigen Personalwechsel sichergestellt werden kann, dass am Ende auch alle offenen Punkte abgearbeitet werden können.

Ich habe eine Materialliste erstellt und in Absprache mit der Logistik-Abteilung und dem Einkauf in der Hauptstadt die benötigten Elektromaterialien und das Werkzeug vor Ort selbst abgeklärt und eingekauft. Damit kann eine gute Qualität garantiert werden, denn vor allem bei Schutzgeräten darf es keine Kompromisse geben. Sicherheitsrelevante Systeme müssen zu jeder Zeit funktionstüchtig sein.

Mit einem örtlichen Elektriker zusammen habe ich die Installation ausgeführt und sichergestellt, dass möglichst viel von meinem Know-How im Land bleibt und der örtliche Elektriker danach auch selbstständig die Arbeit ausführen kann. Dazu gehört selbstverständlich auch eine entsprechende Dokumentation.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Ich habe Tagebuch geschrieben, Musik gehört, mit Freunden und Bekannten kommuniziert und viele Gespräche mit den Menschen vor Ort geführt, um möglichst viel von dem Land und seiner Kultur zu erfahren.

Sehr schön waren dann auch die Momente, in denen wir gemeinsam mit dem Team essen waren, eingekauft haben oder über einen Markt gebummelt sind. Wir waren auch gemeinsam im Kino und haben uns untereinander ausgetauscht.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Am meisten habe ich die gute Zusammenarbeit mit dem Team und die ausgezeichnete Arbeit der Elektriker vor Ort geschätzt. Das Wetter in Bamenda war angenehm: tagsüber meist um die 30 Grad und nachts aber entsprechend kühl, sodass ich angenehm schlafen konnte. So ist der deutsche Winter an mir vorübergegangen.

Und nicht zu vergessen: jede Menge Kuchen, frei nach meinem Motto „Ein Tag ohne Kuchen ist ein verlorener Tag.“

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Ich würde mich gerne freier bewegen und sehr viel mehr spazieren gehen. Dies ist wegen der Sicherheitslage nicht immer möglich.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Solange es meine Gesundheit zulässt, würde ich gerne noch weitere Einsätze für Ärzte ohne Grenzen machen und meinen Jugendtraum noch ein paar Jahre leben. Es ist eine unglaubliche Bereicherung und die Tätigkeit in einer solchen Organisation ist sehr viel mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Besonders schön ist das gute Gefühl, etwas Bleibendes hinterlassen zu können und der Erfahrungsaustausch mit den lokalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und anderen Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeitern. Toll ist es, wenn man sich manchmal in anderen Projekten wieder begegnet. Da werden zum Teil Freundschaften für das ganze Leben geschlossen.