Mitarbeiterporträt: Marianne Flindt, Anästhesistin

AnästhesistInnen

Kurzprofil

Alter: 60

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Städtisches Klinikum München-Schwabing, Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin
 

Ausbildung: 

Fachärztin für Anästhesie
 

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

  • 2016 Südsudan
  • 2015 Afghanistan

Sprachkenntnisse: 

Deutsch, Englisch
 

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

„Perlmanns Schweigen“ von  Pascal Mercier
 

Musik, die ich gehört habe:

Ali Farka Toure & Toumani Diabeté, Habib Koité & Bamada
 

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Der Schwerpunkt unseres Projekts in Lankien lag in der Behandlung von Infektionserkrankungen und Mangelernährung; der chirurgische Projektteil war vergleichsweise klein. Der OP und die Frauen-und Kinderstation  befanden sich in  Zelten, die Männerstation war in einem festen Gebäude untergebracht. Morgens gab es ein kurzes Meeting mit allen Kollegen. Dann folgte gemeinsam mit dem Chirurgen eine Visite aller chirurgischen Patienten, was mir die Gelegenheit gab, die Heilungsverläufe zu verfolgen. Nachdem wir die neuen Patienten konsultiert hatten, begann meine Arbeit im OP. Die geplanten Eingriffe konnten wir meistens bis zum Mittag beenden. Am Nachmittag wurden meist nur Patienten operiert, die als Notfall neu ins Krankenhaus gekommen waren. Wenn der OP-Plan es zuließ, konnte ich Trainings für einheimische Mitarbeiter geben, wobei ich sehr froh war, dass ich vor dem Einsatz mein Englisch „aufpoliert“ hatte, denn es wurden meistens viele, auch unerwartete Fragen gestellt.  Am späten Nachmittag hatte ich oft die Möglichkeit, an der internistischen Übergabevisite teilzunehmen, die für mich wichtig war, da ich zeitweise auf Abruf für diese Stationen zur Verfügung stehen sollte.
 

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Im Südsudan war ich am Ende der Trockenzeit, für sportliche Betätigungen war es während dieser Zeit leider zu heiß. So stand „chillen“ oben auf der Liste. Ich habe die Zeit genutzt per E-Mail mit meinen Freunden zu Hause in Kontakt zu bleiben, Vögel  beobachtet  (ich bin zwar keine Ornithologin, aber die Vogelwelt im Südsudan ist faszinierend) oder gelesen. Abends haben wir manchmal zusammen einen Film im „Open-Air“ angeschaut,  am Wochenende wurde gemeinsam gekocht und gegessen, was regelmäßig eine Abwechslung im Speiseplan bedeutete. 
 

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Die Zusammenarbeit mit den internationalen Kollegen und die Möglichkeit, „über den Tellerrand“ meines Fachgebietes im OP hinauszuschauen. Der Alltag war nicht so arbeitsteilig und spezialisiert angelegt wie in Deutschland. Die gemeinsamen Visiten im chirurgischen Bereich und auf den internistischen Stationen stellten für mich eine wirkliche Bereicherung dar. Außerdem hatte ich auch Zeit für Dinge wie Fortbildung für die nationalen Mitarbeiter. Die Trainings für sie haben mir viel Spaß gemacht, da alle mit  Begeisterung dabei waren und auch viel gelacht wurde. 
 

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Meine Freunde und die Bewegungsfreiheit, z.B. einfach in die Natur rauszugehen
 

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Im Moment arbeite ich als Vertretungsärztin mit wechselnden Einsatzorten in Krankenhäusern. Ich hoffe, dass ich Ende des Jahres wieder in ein Projekt von Ärzte ohne Grenzen gehen kann.
 

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Es gab viele schöne Momente: z.B. die Offenheit und Herzlichkeit der nationalen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Am schönsten war jedoch die Erfahrung, wie sich die Kinder, die mit großflächigen Verbrennungen ins Krankenhaus gekommen waren, sich nach der Hauttransplantation erholten. Alle Mühen in der Überzeugungsarbeit mit den Eltern, damit sie in die Operation einwilligen, wurde durch das Strahlen und Lachen in den Gesichtern der Kinder mehr als aufgewogen.