Mitarbeiterporträt: Ingo Störmer, Anästhesist

AnästhesistInnen

Kurzprofil

Alter: 46

Arbeitsstelle in Deutschland:

Oberarzt der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin am DRK Krankenhaus in Neuwied

Ausbildung:

Studium an der Uni Köln

Facharztausbildung als Anästhesist mit Spezialisierungen in Intensivmedizin und Notfallmedizin an der Uni Klinik Düsseldorf

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

  • 2013 Afghanistan
  • 2016 Pakistan

Sprachkenntnisse:

Deutsch, Englisch, Französisch

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

„Die Sirenen von Bagdad“ von Yasmina Khadra

Musik, die ich gehört habe:

Von Boy und Coldplay bis Foo Fighters und Héroes Del Silencio, je nach Stimmung

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Im Gegensatz zu meinem deutschen Alltag, wo ich auf einer Intensivstation maximal zwölf Patienten oder im OP einen einzigen Patienten versorge, hatte ich in Timergara, Pakistan, die Verantwortung für zwei Abteilungen gleichzeitig, die eine fünfstellige Anzahl von Patienten im Monat versorgten. Ich musste sehr viel delegieren und mich auf besonders kritische Patientinnen und Patienten konzentrieren. Es war natürlich ungewohnt, nicht immer über jeden Patienten in den Abteilungen bescheid zu wissen. Außerdem war ich ununterbrochen rund um die Uhr telefonisch erreichbar. Das wurde nach einiger Zeit ganz schön anstrengend. Am ungewöhnlichsten aber war es sicherlich, die letzte Instanz zu sein. Es gab fast nie die Möglichkeit vor Ort mal eben einem erfahrenen Fachkollegen einen Patienten zu präsentieren und um kompetente Hilfe bei einem sehr fachspezifischen Problem zu bitten.

Morgens fuhren wir aus Sicherheitsgründen immer zu unterschiedlichen Zeiten ins Krankenhaus. Dort begann ich i. d. R. damit, mir einen Überblick über die Patientinnen und Patienten zu verschaffen, die in den vergangenen 24 Stunden operiert worden waren und eventuelle Probleme zu erkennen und zu lösen. Dann habe ich mir einen Überblick über die Notaufnahme verschafft, um die Patienten zu identifizieren, in deren Behandlung ich mich besser einbringen sollte. Meistens konnte ich dies gleichzeitig zu praktischem Unterricht am Krankenbett nutzen. Zwischendurch musste ich bei Problemen natürlich auch schnell mal in den OP und dann ggf. schnell zurück in die Notaufnahme. Ich habe auch Trainingseinheiten zu notfallmedizinisch relevanten Themen gehalten. Meistens bin ich am frühen Abend zurück zur Unterkunft gefahren und war dann telefonisch für Rückfragen erreichbar.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Viel Freizeit hatte ich nicht. Ich habe versucht, ausreichend zu schlafen und ein wenig Sport im Fitnessraum der Unterkunft getrieben. Manchmal haben wir Billard gespielt.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Es war großartig, mit hoch motivierten Kollegen unsere Patienten zu versorgen. Viele Probleme kommen bei uns ja kaum noch vor, da die Bevölkerung hier in Europa i. d. R. ausreichenden Impfschutz hat. Außerdem fehlte vor Ort eine ausreichende Betreuung von Schwangeren, was zu vielen Notfällen und Komplikationen geführt hat. Ich habe also eine Menge gelernt und gleichzeitig auch die Patientenversorgung nachhaltig – das hoffe ich zumindest – verbessern können. Beides, das Lernen und das Weitergeben von Wissen und Konzepten, habe ich als extrem bereichernd erlebt.

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Meine Frau natürlich.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Ich werde sicher immer mal wieder einen Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen machen, wenn es passt.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Besonders befriedigend war meist die Notfallbehandlung von Neugeborenen und kleinen Kindern. Oft kann man mit einfachen Mitteln sehr gute Erfolge erzielen. Es war auch besonders schön, ein gutes Arbeitsklima mit meinen pakistanischen Kollegen aufzubauen. So konnten wir viel voneinander lernen.