Mitarbeiterporträt Christoph Hey, Projektkoordinator

Projekt-Koordination

Kurzprofil

Einsatzland: Libyen
Alter: 43

In seinem Erfahrungsbericht aus Libyen schildert Christoph Hey die erbärmlichen Lebensbedingungen in einem Internierungslager in Sintan (September 2019).

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Beim landeseigenen Betreiber für Unterkünfte für Geflüchtete in Berlin

Ausbildung:

Ökonom

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

  • 2010 Äthiopien
  • 2011/2014/2015 Afghanistan
  • 2012 Südsudan
  • 2012 Sierra Leone
  • 2013 Pakistan
  • 2015 Jemen
  • 2019 Uganda
  • 2019 Libyen

Sprachkenntnisse:

Englisch

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

Hans Fallada’s Kleiner Mann - was nun?

Musik, die ich gehört habe:

Pink Floyd’s Pulse

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Ich war Projektkoordinator im Nafusa-Gebirge im Westen Libyens, wo unser Team im offiziellen Internierungslager für Flüchtlinge und Migrant*innen in Sintan medizinische Hilfe leistet. Bevor wir mit unserer Arbeit dort begonnen haben, sind in dem Lager mehr als 20 Menschen gestorben. Die Menschen, die dort festgehalten werden, haben meist Furchtbares erlebt, bevor sie nach Libyen kommen. In den Internierungslagern sind die Bedingungen dann einfach nur entsetzlich und unmenschlich.

Dadurch, dass das Team mit 6 Mitarbeitenden sehr klein war, musste jeder überall mit anpacken: Ärzt*innen beim Lösen von technischen Problem bei der Wasserversorgung, der Projektleiter beim Transport von Medikamenten. Also ein sehr dynamischer Alltag, der mit einer Kurzbesprechung am Morgen begonnen hat, um die Prioritäten des Tages abzustimmen. Ich habe versucht, jeden Tag im Internierungslager zu sein, um mich auch direkt mit den internierten Migrant*innen und Geflüchteten auszutauschen und zu verstehen, welche dringenden Probleme gelöst werden müssen.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Aufgrund der komplizierten Sicherheitslage in Libyen und der hohen Dynamik vor Ort blieb für Freizeit eigentlich nicht viel Zeit. Deshalb blieb es dann oft beim Musikhören und ein paar Seiten Literatur.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Die neue Erfahrung, der einzige internationale Mitarbeiter in einem Projekt von Ärzte ohne Grenzen zu sein. So habe ich viel von meinen libyschen Kolleg*innen lernen können. Der offene Austausch über die vielen aktuellen Themen in Libyen hat eine sehr enge und sehr gute Zusammenarbeit ermöglicht.

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Spazierengehen. Das Leben und Arbeiten in einem Land, indem ein bewaffneter Konflikt viele Teile des Alltages bestimmt, ist schon sehr eingeschränkt.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Ich habe in den nächsten Wochen einige private Projekte, die ich angehen möchte, bevor es wieder in einen Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen geht.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Das persönliche Engagement unseres medizinischen Teams im Umgang mit den 600 Migrant*innen und Geflüchteten im Internierungslager.