Mitarbeiterinnenporträt: Christina Böhrer, Field Communications Manager

Mein Team und ich bei der Aufnahme eines Musikvideos zum Thema Covid-19.

Kurzprofil

Alter: 33

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Community Managerin bei einer Notunterkunft für Geflüchtete Menschen in Berlin

Ausbildung:

BA Medienmanagement, MA in Internationale Beziehung & Strategische Verhandlung

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

2018 Haiti
2019 Sierra Leone
2020 Myanmar

Sprachkenntnisse:

Fließend: Deutsch, Tschechisch, Englisch, Spanisch, Französisch, Fortgeschritten: Arabisch. Die Projektsprache fließend zu sprechen ist ein absolutes Muss. In meinem letzten Einsatz war das – wie häufig bei Ärzte ohne Grenzen – Englisch. Man trägt sehr viel Verantwortung, auch für andere Kolleg*innen. Vor allem sie leiden dann darunter, wenn man sich nicht vollständig artikulieren kann. Man muss wirklich auch kleine Details und komplexe Kontexte besprechen können.
Jede weitere Sprache ist natürlich eine tolle Bereicherung!

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

Mein letzter Einsatz hat unter erschwerten Bedingungen stattgefunden, da wir über Monate hinweg im Covid-19-Lockdown waren. Lesen war daher eine der Hauptbeschäftigungen nach der Arbeit. Ein Buch, dass mich begleitet hat, ist die Trilogie von Chinua Achebe, vor allem „Things Fall Apart“. Ein fantastisches Buch. Und auch „Momo“ war mit im Gepäck. 

Musik, die ich gehört habe:

Orishas. Die beste Musik zum Kochen und um nach einem langen Arbeitstag mit einem Lächeln im Gesicht zu entspannen.

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Als Field Communications Manager war ich für die Digitale Facebook-Kommunikation von Ärzte ohne Grenzen in Myanmar zuständig. Unser Fokus lag auf lokal produziertem audiovisuellem Material für unsere Seite. Dabei war eigentlich ein Aspekt am interessantesten: ein kulturell geprägter Unterschied zu was man ‚ästhetisch schön‘ und ‚ansprechend‘ findet. Ich hatte eigentlich vor, schlichte Formate mit wenigen Farben und klaren Linien zu produzieren. Meine burmesischen Kolleg*innen bestanden aber darauf, dass es besser wäre, farbenfrohe Videos mit Musikunterlegung integrierten Blink-Elementen zu produzieren. Unser Ziel ist es, Menschen vor Ort zu erreichen. Also gab es am Ende Videos, von denen ich anfänglich eigentlich gar nicht so sehr begeistert war – hätten wir nicht fast 500.000 Klicks damit generiert! :) Ich freue mich immer unheimlich, wenn ich dazulernen kann und eines Besseren belehrt werde!

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Meine zwei Hauptbeschäftigungen waren Kickboxen und Salsa tanzen. Zum Glück hatte ich Kolleginnen und Kollegen, die entweder boxen und/oder tanzen konnten bzw. willig waren, es zu lernen. So sind auch schöne Aktivitäten entstanden, die man nach der Arbeit gemeinsam teilen konnte.
Außerdem habe ich viel gelesen und auch Kontakt zu meinen Freunden und Familie gehalten (was mit Zeitunterschieden doch auch viel Planung involvieren kann).

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Meine Kolleginnen und Kollegen. Das Team vor Ort wird zur Familie, man arbeitet sehr intensiv zusammen und das verbindet auf eine ganz spezielle Art und Weise. Es entstehen Verbindungen, die - auch ohne dass man sich vielleicht jemals wiedersieht -, für das ganze Leben bestehen bleiben werden.  
Außerdem wurde ich jeweils in eine mir neue Kultur eingeführt, die ihren eigenen Lebensrhythmus und ihre eigenen Lebensumstände mitbringt. Das Glück zu haben, von wundervollen Menschen aufgenommen und an die Hand genommen zu werden, in ihre eigene Welt eintauchen zu dürfen und Seite an Seite für das gleiche Ziel zu arbeiten, ist unbezahlbar.

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Unbekannte Situationen bringen neben viel Aufregendem und Neuem auch irgendwann den Wunsch nach ‚Bekanntem‘. Nach einer gewissen Zeit fehlen dann schon auch manchmal so Dinge wie dunkles Brot und Apfelschorle :).

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Ich werde weiterhin mit Ärzte ohne Grenzen arbeiten und mich innerhalb der Organisation weiterentwickeln und neue Herausforderungen annehmen.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Teil von etwas zu sein, das größer ist als man selbst.
Miterleben zu dürfen, wie Menschen, die nicht die gleichen Privilegien im Leben erfahren haben wie ich, eine unheimliche Kraft, Stärke und Lebensfreude an den Tag legen. Ich habe unzählige Male erlebt, dass man durch Gemeinschaft viele positive und unmittelbare Beiträge leisten kann.