Mitarbeiterporträt Jacques Kande Tshiang Tshiananga, Epidemiologe

EpidemiologInnen

Kurzprofil

Einsatzland: Madagaskar
Alter: 54

Letzte Arbeitsstelle:

Verantwortlicher für Biostatistik und Epidemiologie bei Underwriter Laboratories Medical Device Testing (UL MDT) in Ochsenhausen und freier Mitarbeiter an der Abteilung für medizinische Biometrie und klinische Epidemiologie der Universität Freiburg

Ausbildung:

  • Gesundheitswissenschaftler
  • Master of Public Health (MPH), Master of Science (MSc) Epidemiologie, Gesundheitsökonomie, Ernährungswissenschaften, Biostatistiker und HTA

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

  • 2011 im Tschad
  • 2011/12 in der Demokratischen Republik Kongo
  • 2013/14 in Bangladesch
  • 2015 in Madagaskar

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

Hauptsächlich habe ich mich mit Fachliteratur befasst.

Musik, die ich gehört habe:

Ich interessiere mich für die regionalen Charts und Musikkünstler des jeweiligen Landes, so kann ich mich gut auf die neue Kultur einlassen und die Leute in ihrer Umgebung besser verstehen. Außerdem gibt es mir die Möglichkeit, neue Künstler und Musiker für mich zu entdecken.

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Einen typischen Arbeitsalltag gibt es eigentlich bei einem Projekt mit Ärzte ohne Grenzen nie. Das war in Madagaskar, wo eine Ernährungskrise herrschte und dann auch noch Malaria massiv ausbrach, nicht anders.

Ich muss immer zunächst eine Bestandsaufnahme der Situation machen. Ich bekomme Berichte, Informationen und demografische Daten über die Bevölkerung von den Behörden. Dies alles muss in eine Software eingegeben werden. Auch in den darauffolgenden Wochen werden alle Daten und bekannten Fälle festgehalten. So können wir sehen, wie sich eine Epidemie entwickelt. Meine Aufgabe ist es dann, festzustellen, wo es ernst ist, wo wir möglicherweise eine dringende Intervention durchführen oder ein Behandlungszentrum aufbauen müssen.

Hauptsächlich drehte sich in Madagaskar (wie auch in meinen anderen Einsätzen mit Ärzte ohne Grenzen) meine Arbeit also um die Sammlung und Analyse von Daten, doch darum herum gab es noch viele andere Aufgaben, die sich meist jedoch über mehrere Arbeitstage hinwegzogen. Zum Beispiel galt es, ein kompetentes Team aufzustellen und unsere Querschnittstudien vorzubereiten. Diese Studien sind wichtig, um uns eine reale und aktuelle Situation der Ernährungslage in dieser Bevölkerung darzustellen.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

In meiner Freizeit, die nur schwer von der Arbeit zu trennen war, haben meine Kollegen und Kolleginnen und ich viel Zeit damit verbracht, das Land und vor allem die Natur und die wunderschönen Strände kennenzulernen. Auch mit abendlichen Gesellschaftsspielen oder Filmeabenden konnte ich viele schöne Stunden mit meinen Kollegen verbringen. Wenn die Sicherheitslage es erlaubte, haben wir uns auch gerne unter das Volk gemischt und die Kultur, die Märkte und vor allem die Menschen kennen gelernt.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Die Freundlichkeit der Menschen dort.

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Die langen Spaziergänge mit meiner Frau und die Gespräche mit meinen Kindern und Freunden.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Ich hoffe, ich kann auch in Zukunft weiter mit Ärzte ohne Grenzen arbeiten, da mir diese Arbeit gut gefällt und mich erfüllt.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Da gibt es viele. Zum Beispiel zu sehen, wie die Entscheidungen, die wir getroffen haben, Früchte trugen. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl.

Ich erinnere mich insbesondere an meinen Einsatz im Tschad. Ich war drei Monate dort wegen eines Cholera-Ausbruchs. Wir behandelten Leute, die extrem schwach waren, die zum Teil nicht mehr wussten, wie sie heißen. Doch viele dieser Patienten konnten nach zwei Tagen der Behandlung wieder aufrecht stehen und sich unterhalten. Daran konnten wir uns als Team festhalten. Das gab uns die Kraft, weiterzumachen. Natürlich gibt es viele Situationen, in denen man Nerven haben muss. Es gibt Bilder, die nicht mehr aus dem Kopf gehen. Das, was man erlebt, ist unglaublich.