Mitarbeiterinnenporträt: Katrin Mielck, Projektkoordinatorin

Projekt-Koordination

Kurzprofil

Alter: 48

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Angestellte Apothekerin in zwei Berliner Apotheken.

Ausbildung:

Pharmaziestudium und Masterstudium in International Health.

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

2011/2012 Demokratische Republik Kongo

2013 Südsudan

2014/2015 Zentralafrikanische Republik

2015/2016 Demokratische Republik Kongo

Sprachkenntnisse:

Englisch und Französisch. In den französischsprachigen Einsatzländern werden beide Sprachen genutzt, d.h. Englisch im Schriftverkehr und mit den internationalen Mitarbeitern und Französisch mit den nationalen Mitarbeitern und der Bevölkerung. Mein Französisch war anfangs nicht besonders gut. Über die Jahre und mithilfe verschiedener Kurse, z. T. organisiert von Ärzte ohne Grenzen, konnte ich mich verbessern. Mittlerweile kann ich mich viel besser verständigen, was eine ziemliche Arbeitserleichterung im Projektalltag ist.

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

So viel Zeit zum Lesen gab es nicht, aber ich habe einen Roman von Stieg Larsson gelesen und mit John Irving‘s “Avenue of Mysteries“ begonnen. Beide Bücher waren eine gute Gelegenheit, zwischendurch mal in andere Welten abzutauchen.

Musik, die ich gehört habe:

Am Abend haben wir oft zusammengesessen und ‘querbeet‘ Musik gehört. Abgesehen von der neuen Single von “Element of Crime“ habe ich allerdings nicht viel beigesteuert. Auch den Livegesang meiner italienischen Kollegen konnten wir ab und an genießen.

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

2011 bin ich in meinem ersten Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen als Projektkoordinatorin in die Demokratische Republik Kongo gegangen und nun, nach fünf Jahren, war ich erneut im Kongo. Zehn Monate habe ich in Walikale in der Provinz Nord-Kivu gearbeitet. Wir unterstützen dort das örtliche Krankenhaus und vier ambulante Gesundheitszentren in der Region. Außerdem haben wir ein Ernährungs- und Blutspenderprogramm und ein Zentrum für die Versorgung von Menschen, die sexueller Gewalt ausgesetzt waren, aufgebaut. Unsere Teams sind täglich mobil unterwegs, um all diese Einrichtungen zu unterstützen und die Bevölkerung in Gesundheitsfragen zu schulen.

Die Vielfalt der Aufgaben war für mich als Projektkoordinatorin faszinierend und herausfordernd. Mit fast 80 nationalen und 8 internationalen Mitarbeitern gab es im Projektalltag immer tausende Dinge zu organisieren. Als Projektkoordinatorin ist man grundsätzlich in alle Projektbereiche eingebunden und unterstützt die einzelnen Teamleiter für Logistik, Personal, Finanzen und Administration. Außerdem ist man die "Brücke" zwischen dem Projekt in Walikale und den Teams, die die anderen Projekte von Ärzte ohne Grenzen in dem Land koordinieren und tauscht sich fast täglich mit den Projekt- und Landeskoordinatoren aus.
Eine andere wichtige Aufgabe war die Repräsentation von Ärzte ohne Grenzen und die Kommunikation mit den verschiedenen staatlichen und lokalen Akteuren. Dieses Netzwerk auszudehnen und zu pflegen, spielt in allen Projekten von Ärzte ohne Grenzen eine wichtige Rolle und hat meinen Alltag maßgeblich geprägt. Dieser Austausch stellt letztendlich sicher, dass wir in der Bevölkerung und von allen Akteuren akzeptiert und respektiert werden. Nur dadurch können wir die Sicherheitslage im Land einschätzen.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Lesen, schlafen, Serien gucken (z. B. Game of Thrones), gemeinsam essen, Musik hören, Filme gucken, Spazieren gehen, Karten oder Tischtennis spielen. Zum Glück hatten wir aufgrund der relativ guten Sicherheitslage in der Stadt auch Möglichkeiten, uns außerhalb unserer Unterkunft zu bewegen. Zu unserer Sicherheit waren wir ab spätestens 21 Uhr auf unserem Gelände. Wir hatten sogar den Luxus, an den Wochenenden zusammen mit einem unserer Mitarbeiter einen kleinen Ausflug zu einem Wasserfall außerhalb der Stadt zu unternehmen. Das war dann immer wie ein kleiner Kurzurlaub.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Die gute Teamarbeit und die Flexibilität des gesamten Teams. Die Harmonie war gut, und es gab nur sehr wenige Reibereien. Zudem ist die kongolesische Mentalität eine sehr warme, herzliche, respekt- und humorvolle, so dass ich mich von Anfang an sehr wohl gefühlt habe. Gemeinsam haben wir einige ganz neue medizinische Programme und Aktivitäten initiiert. Ich hatte das Gefühl, dass alle, trotz unterschiedlicher Aufgabengebiete und ganz eigener Herausforderungen im Alltag, an einem Strang gezogen haben, um eine gute medizinische Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. Schlussendlich war ich auch sehr dankbar für die gemäßigte Sicherheitslage und die guten Kontakte in dem Projektgebiet, die uns ohne allzu große Hindernisse den Zugang zur Bevölkerung in Not erlaubt haben.

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Die vielen kleinen Dinge, die man bei uns als selbstverständlich annimmt, z. B. Familie und Freunde sehen, Ausgehen, Ausflüge machen, Kunst und Kultur, wirklich gute Schokolade und Pizza, herbes Bier und Fahrrad fahren, wann und wohin man möchte. Ich glaube, es ist vor allem diese individuelle Freiheit, die es einem ermöglicht, Abstand zu gewinnen und nach Feierabend abzuschalten, die mir manchmal fehlte.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Zurzeit arbeite ich wieder in einer Apotheke in Berlin, auch um die ‘Bodenhaftung‘ in Deutschland nicht zu verlieren, aber wahrscheinlich wird es mich bald wieder reizen, in den nächsten Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen zu gehen. Dafür würde ich mich gerne weiter in Richtung Mitarbeiter-Coaching und Evaluation fortbilden.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Der spontan organisierte Aufbau eines ambulanten Ernährungsprogramms als Reaktion auf die steigende Zahl akut mangelernährter Kinder im Krankenhaus von Walikale. Die Kinderstation hatte zu dieser Zeit zunehmend Schwierigkeiten, weil nicht genug Betten zur Verfügung standen. Im Schnitt beherbergte ein Bett zwei bis drei Kinder und ihre Betreuungspersonen. Dies war riskant, da es die Infektionsgefahr mit weiteren Krankheiten der ohnehin schwerkranken Kinder erhöhte. So errichteten wir zuerst zwei große Zelte auf dem Krankenhausgelände, um zusätzliche Betten bereitzustellen. Unsere Mitarbeiter stellten gleichzeitig fest, dass zunehmend bereits bekannte Patienten wiederkamen. Sie waren in der Vergangenheit bereits stationär behandelt worden, konnten sich nach ihrer Entlassung jedoch nicht wieder richtig stabilisieren. In Abstimmung mit der Landeskoordination bauten wir deshalb zwei weitere Gesundheitszentren mit einem ambulanten Ernährungsprogramm auf und konnten so schnell beginnen, zusätzliche Hilfe zu den Menschen zu bringen. Als Folge konnten die seit langem mangelernährten Kinder wieder vollends gesund werden.