Mitarbeiterinnenporträt: Theresa Berthold, Logistikerin

Logistik Administration

Kurzprofil

Einsatzland: Nigeria
Alter: 29

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Event-Managerin für das "Guy Fawkes" Feuerwerk im Londoner Bezirk Tower Hamlets

Ausbildung:

Bachelorstudium in "Technical and Production Management" und Masterstudium in "Human Rights"

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

2015/2016 in Afghanistan

2014/2015 in Sierra Leone

Sprachkenntnisse:

Ich habe acht Jahre in England studiert und gearbeitet und spreche deshalb fließend Englisch. Französisch spreche ich auch, konnte es aber während meiner Projekte, die alle in englischsprachigen Ländern waren, bis jetzt noch nicht nutzen. Während meiner Zeit in Nigeria habe ich fleißig Hausa gelernt und kann jetzt tollen Small-Talk halten über die Arbeit und darüber, wo sich die Schlüssel für den Benzintank befinden.

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

„Americanah“ von Chimamanda Ngozi Adichie und „The Savage Detectives“ von Roberto Bolaño

Musik, die ich gehört habe:

Benjamin Booker, The Slow Show, Gary Clark Jr,  Nathaniel Rateliff & The Night Sweats und natürlich alles, worauf man mit dem Team gut tanzen konnte am Samstagabend: P-Square, Yemi Alade und Roberto.

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Ich habe in Anka, im Nordwesten Nigerias, als Allround-Logistikerin gearbeitet. Wir betreuten dort in vier Dörfern kleinere Außenposten und die Kinderstation des örtlichen Krankenhauses in Anka. Wir behandelten Kinder gegen Bleivergiftung* sowie gegen Mangelernährung, Malaria, Atemwegserkrankungen und Durchfall.

Zusammen mit meinen internationalen Kollegen fuhr ich morgens ins Büro, sah meine E-Mails nach dringenden Anfragen vom Koordinationsteam oder aus anderen Projekten durch. Danach besprach ich mit meinen Teams – Finanz-, Personal-, Versorgungs- und technische Logistik - den Tagesablauf. Die Mitarbeiter vor Ort haben viel Fachwissen, mein Hauptaugenmerk lag daher auf der Koordination und Planung sowie der Kommunikation zwischen den logistischen und medizinischen Teams und dem Mitarbeiter-Training. Anschließend verschoben wir meist gemeinsam die Prioritäten, da es fast täglich ungeplante Ereignisse gab – ein Patient musste in die nächste Stadt verlegt werden, ein Generator fiel aus, ein Wassertank war beschädigt.

Während meiner Zeit im Projekt haben wir die Notaufnahme der Kinderstation vergrößert. Morgens war ich daher häufig mit dem technischen Logistiker und dem Bauingenieur unterwegs, um die Baumaßnahmen zu betreuen. In Anka arbeiten ungefähr 150 Mitarbeiter vor Ort – ein großes Team, das sich stets verändert und wächst. Häufig habe ich daher auch Vorstellungsgespräche betreut.

Nach dem Mittagessen blieb dann Zeit für die Versorgungslogistik. Da eine neue Software eingeführt wurde, investierte ich zusammen mit unserem Supply Supervisor viel Zeit, um das Programm zu erlernen und anzupassen. Wir arbeiteten eng mit dem medizinischen Team zusammen, um den Medikamentenbedarf zu klären und Nachschublösungen zu finden. Wir mussten auch dabei häufig flexible Lösungen suchen, da sich die Nachfrage nach Medikamenten schnell ändern kann, wenn zum Beispiel viele Kinder mit starker Bleivergiftung ins Krankenhaus kommen.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

In unserem Projekt waren die Sicherheitsvorkehrungen relativ strikt, wir waren also in unserer Freizeit auf unsere Unterkunft beschränkt. Es gab dort eine kurze Laufstrecke, auf der ich viel joggen war, weil ich mich auf einen Marathon vorbereitete. Am Wochenende habe ich oft mit dem Team zusammen gekocht oder gebacken – ich lasse mir gerne von Kollegen Gerichte aus anderen Ländern zeigen. Abends kamen wir alle zum Abendessen zusammen, ließen den Tag Revue passieren, tranken Tee, hörten Musik oder tanzten.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Langweilig wurde mir nie, und ich habe unglaublich viel gelernt in meiner Zeit in Anka. Am meisten haben mich bislang in jedem Projekt die Mitarbeiter vor Ort begeistert, die mich jedes Mal unglaublich herzlich und geduldig aufgenommen haben. Die Arbeit zusammen mit den Teams macht einfach Spaß.

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Dass ich mich frei bewegen kann und auch mal draußen joggen oder spazieren gehen kann.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Ich freue mich jetzt, meine Familie und Freunde wiederzusehen und deren Neuigkeiten zu hören. Nachdem ich wieder Energie getankt habe, kann ich mir einen nächsten Einsatz bei Ärzte ohne Grenzen vorstellen – vielleicht auch einmal als Projektkoordinatorin.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Wir haben nach einigen Monaten einen Teambuilding-Tag organisiert. Tagsüber gab es Eierlauf, Sackhüpfen und Armdrücken, und abends luden wir alle Mitarbeiter zu uns in die Unterkunft ein – zum Tanzen und gemeinsamen Abendessen. Obwohl ich beim Sackhüpfen kläglich verloren habe :-), hat der Tag sehr viel Spaß gemacht – wir hatten endlich mal Zeit, uns richtig zu unterhalten und auch ganz andere Seiten voneinander kennenzulernen. Der Tag hat das komplette Team – national und international – sehr  zusammengeschweißt und für viele schöne Erinnerungen gesorgt.

*Die Vergiftungen wurden durch lokale Praktiken in den Minen der Region verursacht.