Mitarbeiterinnenporträt: Anna Halden, Kinderkrankenschwester

Kinderkrankenschwester Anna Halden kümmert sich um ein Frühgeborenes auf der Intensivstation. In Afghanistan war sie abwechselnd in drei Projekten für Neugeborene aktiv.
Pflegepersonal

Kurzprofil

Einsatzland: Afghanistan
Alter: 29

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Deutsches Herzzentrum München als Kinderkrankenschwester und Kontaktschwester im Bereich Kinderkardiologie

Ausbildung:

Gesundheits- und Kinderkrankenpflege, B.Sc. Nursing

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

2017 in Afghanistan

Sprachkenntnisse:

Französisch, Englisch

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

„Beyond survival -  Flucht. Ankunft. Zukunft. Kinder erzählen ihre Geschichte“ von Jenny Schuckardt und Kilian Kleinschmidt

Musik, die ich gehört habe:

Flora Cash – „You’re somebody else“; Matt Simmons – „Catch and Release"

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Ich hatte das Glück eine sogenannte „flying“-Position zu haben, d.h. ich war in drei verschiedenen Projekten jeweils für die Neugeborenen-Intensivstation zuständig und war während des Einsatzes abwechselnd in allen drei Projekten präsent. In diesen großen Geburtskliniken (mit bis zu 100 Geburten pro Tag) haben wir in unserer Neugeborenenstation täglich viele Frühgeborene, kranke Neugeborene (mit Fieber, angeborenen Fehlbildungen, Sauerstoffunterversorgung) aufgenommen und bereits im Kreißsaal um ihr Überleben gekämpft. In den Projekten habe ich sowohl klinisch gearbeitet – gemeinsam mit den afghanischen Mitarbeitern die Behandlung unserer Kleinen angepasst und optimiert –, aber auch viele Trainings gegeben, am Bett oder in größeren Gruppen an Simulationspuppen (z.B. Neugeborenenreanimation).

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Obwohl wir den Klinik- und Wohnbereich nicht verlassen konnten, waren unsere Freizeitaktivitäten sehr abwechslungsreich. Ich habe viel gelesen, Yoga gemacht (und für das Team Kurse angeboten), und ich war oft Joggen, auf dem Laufband. Gemeinsam im Expat-Team haben wir viel gekocht, gebacken, Spiele gespielt, meditiert und Filme in unserem exklusiven Outdoor-Cinema (mit selbstgebastelter Leinwand und Beamer im Garten) geschaut.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Die unglaublich offene und warmherzige Art der nationalen Mitarbeiter und den super Zusammenhalt im Expat-Team.

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Auf jeden Fall die Freiheit, in den heimischen Bergen unterwegs zu sein.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Ich habe in meinem ersten Einsatz große Lust bekommen, weiter für Ärzte ohne Grenzen zu arbeiten!

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Es fällt mir wirklich schwer, mich auf eine Erinnerung zu beschränken, da ich so viele positive Momente erlebt habe. Deshalb bin ich so frei und beschreibe zwei:

Einer der schönsten Momente war auf jeden Fall, als wir ein sehr krankes Neugeborenes nach über vier Wochen Behandlung auf unserer Station entlassen konnten. Das ganze Team hatte anfangs nicht gedacht, dass das Kind überleben würde. Umso schöner war es, die strahlenden Augen der Mutter und die lachenden und stolzen Gesichter der nationalen Mitarbeiter am Entlassungstag zu sehen!

Ich war während des Ramadan-Monats in Afghanistan und habe zwei Tage mitgefastet, um zu erfahren, wie sich die nationalen Mitarbeiter fühlen – abends haben wir gemeinsam in der Klinik das Fasten gebrochen. Auf dem Boden sitzend mit ganz vielen unterschiedlichen Gerichten. Dann haben wir zusammen gegessen, Geschichten erzählt und viel gelacht.