Mitarbeiterinnenporträt Darina Finsterer, Finanz- und Personaladministratorin

Finanzfachkräfte PersonalkoordinatorInnen

Kurzprofil

Alter: 43

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Kanzlei Dr. Dohr & Kollegen, Krefeld

Ausbildung:

  • Buchhändlerin
  • Volljuristin

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

  • 2015 in Niger
  • 2015 in Nepal

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

„Der Flug der Störche“ von Jean Christophe Grangé

Musik, die ich gehört habe:

30 Seconds to Mars und alles, was meine Kolleginnen und Kollegen aus ganz verschiedenen Ländern am Abend gespielt haben.

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Ich war im Projekt in Charikot (Nepal) für alles rund um die Themen Human Resources (HR) und Finanzen zuständig. Nach dem Erdbeben im April 2015 in Nepal hatten wir dort ein Krankenhaus eröffnet, das die (Notfall-)Versorgung der Menschen, die von der Außenwelt abgeschnitten waren, sichergestellt hat.

Im Krankenhaus arbeiteten ca. 70 nepalesische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, und das Team der internationalen Kollegen, das aus neun Personen bestand - medizinisches und nicht-medizinisches Personal.

Als Projekt-Administratorin war es meine Aufgabe, sicherzustellen, dass die lokalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Arbeitsvertrag erhalten, und dass sie z. B. rechtzeitig ihr Gehalt bekommen. Außerdem kümmerte ich mich darum, dass sie ihren Urlaub nehmen konnten und alles weitere, was rund um die Personalverwaltung zu tun ist. Auch für die internationalen Kollegen war ich als Projekt-Administratorin zuständig: Ich sorgte z. B. dafür, dass die neu ankommenden Kollegen sich im Camp wohlfühlen, ihr Zelt vorbereitet ist, und man ihnen den Ablauf im Camp erklärt.

Ebenso war ich dafür zuständig, das Geld für das Projekt zu verwalten und die finanziellen Angelegenheiten zu regeln. Ich habe also Rechnungen bezahlt: für die Mietautos, für das Essen der Patienten, das Gehalt der Tagelöhner, die uns bei Konstruktionsarbeiten unterstützten – einfach alles, was mit Finanzen direkt im Projekt verbunden ist.  All diese Aufgaben musste ich in enger Zusammenarbeit mit dem HR-/Finanzkoordinator in der Hauptstadt Kathmandu abstimmen. Bei Projektende wurde ich auch in die Reisepläne eingebunden, die mit den Kollegen im für das Projekt zuständigen Hauptsitz von Ärzte ohne Grenzen in Brüssel koordiniert wurden. Ende November konnten wir unsere Arbeit in Charikot beenden.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Unser Camp lag am Hang eines Hügels, und von dort aus konnte man wunderschöne Wege laufen, z. B. zu Tempeln. Im Oktober und November sind diverse hohe Feiertage in Nepal und dementsprechend war „viel los“. Außerdem habe ich die Chance genutzt, mir viel von den erfahrenen internationalen Kolleginnen und Kollegen aus anderen interessanten Projekten erzählen zu lassen.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Die freundliche und zurückhaltende Art der Menschen, mit denen wir dort zusammengearbeitet haben. Trotz allem Verlust, den die meisten durch die Erdbeben erlitten haben, konnte ich nur wenig Verbitterung oder Verzweiflung sehen, was nicht heißt, dass sie das schlichtweg verbergen.

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Frischer Salat, ein Steak und eine warme Dusche von oben statt aus dem Eimer.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Ich möchte weiterhin für Ärzte ohne Grenzen arbeiten, aber nicht dauerhaft im Projekteinsatz, sondern gern in einem der Büros in Brüssel oder Amsterdam. Zunächst noch ein bis zwei Einsätze vielleicht, gerne auch in einer anderen Position.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Ich würde zwei Erinnerungen herausheben: Mein Kollege und ich wollten einer älteren Patientin, eine sehr schwer gehbehinderte ältere Nepalesin, gerne Krücken schenken. Und als wir sie zu uns baten, schenkte sie uns beiden jeweils eine selbst gestrickte Mütze. Das hat mich sehr berührt, denn das war bereits, bevor sie überhaupt wusste, warum sie zu uns kommen sollte. Und ich erinnere mich vor allem an die Babys, die unser Team zur Welt bringen durfte. Fast jeden Tag hatten wir dieses Glück, und beinahe alle von ihnen sind gesund. In vielen anderen Projektländern von Ärzte ohne Grenzen sind die Kinder ja leider sehr oft mangelernährt.