Mitarbeiterinnenporträt: Ania Łuczynska, Epidemiologin

EpidemiologInnen

Kurzprofil

Alter: 33

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Universitätsklinikum Freiburg

Ausbildung:

Master in Biologie, Schlesische Universität Katowice, Polen

Promotion in Epidemiologie, Universität Heidelberg

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

2016 Zentralafrikanische Republik

2015 Südafrika

Sprachkenntnisse:

Polnisch, Englisch, Französisch

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

Ich liebe es zu lesen. Wohin ich auch gehe, ich habe immer meinen E-Book-Reader dabei – mit vielen Bücher darauf, und ich lese ständig mehrere auf einmal. Während meines letzten Einsatzes habe ich u.a. gelesen: "Unter Freunden" von Amos Oz, „Zähne zeigen“ von Zadie Smith ", "The Fever“ von Sonia Shah " und „Der Kontrabass“ von Patrick Süskind.

Musik, die ich gehört habe:

In der ersten Woche meines Einsatzes ist meine externe Festplatte kaputtgegangen – und alle meine Musik- und Filmdateien waren verloren. Deshalb war ich dazu gezwungen, Musik von meinen Kollegen zu leihen. Dank dieses Zwischenfalles lernte ich nicht nur meine Kollegen besser kennen, ich entdeckte auch viele spannende Musikstücke. Doch ich habe auch immer eine Sicherungskopie meiner Lieblingsalben auf meinem Handy dabei: Stacey Kent "The boys next door“, polnischer Jazz von Mozdzer, Danielsson, Fresko und das Album "Raj"von Jacek Kaczmarski.

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Die unterschiedlichen Situationen in Einsätzen und die Vielfalt der Aufgaben eines Epidemiologen machen jeden Tag spannend und anders als den davor.

Das Hauptziel meines letzten Einsatzes in der Zentralafrikanischen Republik war es, die Erhebung und Analyse von medizinischen Daten in vier verschiedenen Projekten zu überprüfen und zu verbessern. Das erforderte häufiges Reisen zu den Projektstandorten. In der Regel begann mein Tag in den Gesundheitseinrichtungen, und ich begleitete die mobilen medizinischen Teams während ihrer Sprechstunden. Ich schaute mir an, wie Daten erfasst werden, wie die Patientenregistrierung abläuft, welche Formulare und Datenwerkzeuge verwendet werden. Meine tägliche Arbeit bestand vor allem aus Schulungen und vielen Gesprächen mit medizinischem Personal. Wir sprachen über die Herausforderungen der Datenerhebung, die Bedeutung der genauen und zeitnah gesammelten Daten, und über technische Voraussetzungen. Vor allem ging es darum, wie wir die Qualität der Behandlung für unsere Patienten verbessern. Denn eine gute Datenerhebung ist wichtig, um Probleme frühzeitig aufzudecken und Abhilfe zu schaffen.

Während meines Einsatzes kam es auch zu einem Cholera-Ausbruch, und es gab den Verdacht eines viralen hämorrhagischen Fiebers. Die Tage in der Folge hatte ich vor allem mit Untersuchungen und Befragungen von Verdachtsfällen zu tun. Ich kümmerte mich um die Charakterisierung möglicher Übertragungsketten, die Suche nach Personen, die mit den Verdachtsfällen in Berührung gekommen waren, um die Überwachung der Datenerhebung und die Analyse der Fälle. Wichtige Fragen sind dann: Woher stammen die Verdachtsfälle? Wann sind die Patienten erkrankt? Wir fragen nach Alter, Geschlecht und Beruf. Wir berechnen Mortalitätsraten und unterstützen die Einführung von Präventionsmaßnahmen und Maßnahmen zur Kontrolle des Ausbruches.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Ich verbrachte die meiste freie Zeit mit anderen Teammitgliedern. Ich fand es spannend, mich mit ihnen zu unterhalten, denn wir kamen alle aus verschiedenen Ecken der Welt, hatten die verschiedensten Berufe und waren aus verschiedenen Altersgruppen. Manchmal verbrachte ich meine Zeit mit Lesen, telefonierte oder skypte mit meinem Verlobten, mit meiner Familie und Freunden. Ich schaute Filme und machte Spaziergänge, wenn die Sicherheitslage dies zuließ.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Am meisten habe ich es geschätzt, Teil eines internationalen und multidisziplinären Teams zu sein. Ich habe sehr viel gelernt. Ich musste mich oft auf neue Situationen einstellen. Es hat viel Spaß gemacht, die verschiedenen Aufgaben anzugehen.

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Meine Familie, Freunde und polnische Suppen.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Gerade bin ich mit der Vorbereitung meiner Hochzeit beschäftigt. Danach möchte ich weiter mit Ärzte ohne Grenzen arbeiten.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Während meines Einsatzes habe ich viel Positives erlebt, doch ein Moment ist mir besonders in Erinnerung: Mein engster Mitarbeiter war zunächst oft zögernd und mit vielen Lösungsvorschlägen nicht einverstanden. Dann brachte er sich mehr und mehr in die Diskussionen ein, und schließlich war er voller Ideen und Begeisterung. Zum Ende meines Einsatzes sagte er zu mir, dass er sehr dankbar ist, dass ich in der Zentralafrikanischen Republik war. Das hat mich sehr gefreut.