Mitarbeiterinnenporträt: Alfhild Böhringer, Projektkoordinatorin

Projekt-Koordination

Kurzprofil

Alter: 30

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Assistentin des Geschäftsführers, Ärzte ohne Grenzen Büro Berlin

Ausbildung:

Master in Politikwissenschaften

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

2016 Zentralafrikanische Republik (zwei Einsätze)

2015 Haiti

2014 Demokratische Republik Kongo

Sprachkenntnisse:

Ich spreche Englisch und Französisch fließend. Meine Französischkenntnisse konnte ich während meines ersten Einsatz im Kongo deutlich verbessern. Zudem verstehe ich gut Spanisch.

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

Thomas Mann: Der Zauberberg. Das Buch nimmt einen mit in eine Realität fernab, ähnlich zum Einsatz im Projekt. Thomas Mann erzählt mit viel Witz und Ironie den absurden Alltag im Sanatorium. Zudem ist das Buch so dick, dass man eine Weile beschäftigt ist – und ein wenig über Tuberkulosebehandlung lernt man auch.

Musik, die ich gehört habe:

Bonobo, Four Tet, Chet Faker, Ibeyi, Fat Freddys Drop. Zudem liebe ich malische Musik.

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Der Tag beginnt mit Händeschütteln. In der Zentralafrikanischen Republik gilt der persönliche Handschlag als wichtiges Zeichen der Anerkennung. Daher habe ich jeden Morgen zunächst alle Wachleute, Fahrer und Büromitarbeiter begrüßt.

Danach stehen über den Tag verteilt verschiedene Meetings an. Neben Treffen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern habe ich häufig Vertreter des lokalen Gesundheitskommitees getroffen, um aktuelle Fragen der Organisation und Arbeit zu besprechen. Ärzte ohne Grenzen unterstützt vor Ort das Gesundheitszentrum, die letztliche Verantwortung liegt bei den lokalen Akteuren. Zudem ist man viel in Kontakt mit lokalen Autoritäten und Vertretern, um beispielsweise Anfragen oder Beschwerden entgegen zu nehmen. Man spricht sich mit dem technischen Team ab, um die Reparatur von Geräten oder die rechtzeitige Ankunft des nächsten Transporters mit Nachschub an Benzin und anderen Materialien zu klären.

Außerdem ist es meine Aufgabe, mich zu den aktuellen Entwicklungen im Ort und der Region in Bezug auf das Sicherheitsmanagement auf dem Laufenden zu halten. Im Osten der Zentralafrikanischen Republik gerät die Bevölkerung durch Angriffe von bewaffneten Gruppen immer wieder in Not. Wenn es vermehrt zu Attacken und Überfällen entlang der Routen außerhalb des Ortes kommt, heißt das für unsere Teams, dass sie unsere Gesundheitsposten außerhalb der Stadt nicht besuchen können.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

In meiner Freizeit habe ich Yoga gemacht, gelesen und Serien geschaut. Aber wir haben auch viel als Team gemacht – gemeinsam gekocht, sind spazieren gegangen oder haben abends bei einem Bier zusammengesessen und den Tag Revue passieren lassen.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Die Zentralafrikanische Republik ist ein Land mit enorm vielen Problemen. Der Bürgerkrieg ist noch immer nicht beendet, gleichzeitig ist der Staat bitterarm und es mangelt vielerorts an allem. Ärzte ohne Grenzen arbeitet in 17 Projekten in der Zentralafrikanischen Republik und leistet einen wichtigen Beitrag, um den Zugang zur Gesundheitsversorgung zu gewährleisten.

In meinem Projekt haben wir beispielsweise auch HIV behandelt. Mehr als 1.000 Patientinnen und Patienten holen sich regelmäßig Medikamente für ihre antiretrovirale Therapie ab. Mit der Behandlung können viele Patienten ein relativ normales Leben ohne große gesundheitliche Einschränkungen führen: Erwachsene können weiter zur Einkommenssicherung der Familie beitragen und kein Kind kommt HIV-positiv auf die Welt, dank der Prävention einer Mutter-zu-Kind-Übertragung. Ich fand es sehr beeindruckend in so einem schwierigen Kontext wie der Zentralafrikanischen Republik, eine Langzeitversorgung wie für HIV-Patientinnen und Patienten anzubieten.

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Mein Freund und meine Freunde.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Gerade entspanne ich mich ein wenig zu Hause und fahre bald in den Urlaub. Danach werde ich planen, wie es weitergeht.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Der direkte Kontakt und Austausch mit der Bevölkerung ist meine schönste Erinnerung. Die Teilnahme an öffentlichen Events wie der Sensibilisierung der Bevölkerung durch Theaterspiel, um zu zeigen, warum es wichtig ist, ein krankes Kind frühzeitig zur Behandlung zu bringen oder Wasser gut abzukochen, fand ich immer besonders schön. Aber auch die lokalen Feste und Treffen mit der Bevölkerung waren für mich sehr bereichernd, um besser zu verstehen, was den Menschen vor Ort wichtig ist, und welche Sichtweisen sie auf die Dinge haben.