Mitarbeiterinnenporträt: Susanne Diedrich, Logistikerin

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Kurzprofil

Einsatzland: Afghanistan
Alter: 52

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Meine letzte Arbeitsstelle in Deutschland war bei einer der führenden Seefrachtspeditionen in Hamburg, Fr. Meyer’s Sohn, wo ich im Export für Stahl und Autoteile tätig war. Diesen Job habe ich mit meinem ersten Einsatz für Ärzte ohne Grenzen 2016 an den Nagel gehängt.

Ausbildung:

Ich bin ausgebildete Speditionskauffrau mit Schwerpunkt auf Seefracht und habe über dreißig Jahre Erfahrung mit der Organisation von Frachten aller Art. Durch eine Schlüsselbegegnung im Urlaub in Südafrika vor drei Jahren bin ich dann darüber gestolpert, dass Ärzte ohne Grenzen ja nicht nur Mediziner, sondern auch Logistiker braucht.

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

2016/2017 D.R. Kongo

2017/2018 Afghanistan

Sprachkenntnisse:

Ich spreche fließend Englisch und ausreichend Französisch. Und selbstverständlich schnappe ich auch immer wieder die wichtigsten Begriffe in der Landessprache auf. Diese während eines Einsatzes zu lernen, werde ich aber nie schaffen.

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

Ich lese sehr viel, und mein E-Reader ist voll mit guten Büchern in verschiedenen Sprachen -  man muss ja auf dem Laufenden bleiben. Bei diesem Eisatz hat mich am meisten „The Bookseller of Kabul“ beeindruckt, das einen tieferen, wenn auch etwas deprimierenden Eindruck in die afghanische Gesellschaftsordnung bietet.

Musik, die ich gehört habe:

Ich habe alle meine CDs auf Festplatte gebrannt, ertappe mich aber immer wieder dabei, wie ich dann doch erneut dasselbe höre: Rockmusik, nach der ich in meinem Zimmer laut und inbrünstig mitsingen kann. Nach so einer Session bin ich entspannt und fröhlich.

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Mein letztes Projekt war im Boost Hospital in Lashkar Gah, Afghanistan. Dies ist eines der größten Projekte von Ärzte ohne Grenzen weltweit und wir waren permanent dabei, das Krankenhaus zu erweitern und besser auszustatten.
Dafür wird natürlich viel Baumaterial benötigt, aber auch Dinge des täglichen Bedarfs. Mein Team war dafür zuständig, alles zu beschaffen, was unsere Kollegen und Kolleginnen brauchten. Keine kleine Herausforderung in einer Provinzhauptstadt, in der nichts produziert wird, sondern alle Waren aus dem umliegenden Ausland eingeführt werden müssen.

Während meines Einsatzes wurde ein neues Computersystem eingeführt, in dem wir alle Produkte verwalten konnten, und es war toll zu erleben, mit welchem Feuereifer mein Team sich auf diese neue Aufgabe gestürzt hat. Nach anfänglichem Zögern und Unsicherheiten haben wir alle gesehen, welches Potenzial das neue Programm hat und wie es uns mit unseren täglichen Aufgaben unterstützen kann, auch wenn einige Abläufe und Verfahrensweisen angepasst werden mussten. Vor Einführung des Programms wurde beschlossen, die Codes, die jedes eingekaufte Produkt bei uns erhält, für alle logistischen Produkte komplett zu überarbeiten. Daher mussten wir den ersten Monat viel improvisieren, die medizinischen Produkte waren zum Glück nicht betroffen. Eine anspruchsvolle Zeit für alle, auch unsere Kollegen aus dem technischen Bereich, die am Anfang etwas länger auf die bestellten Produkte warten mussten.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Mein Tag begann immer mit einer „Meditation mit der Kaffeetasse“, frühmorgens, wenn noch alles still und die Luft noch frisch und kühl war. Abends und am Wochenende habe ich in unserem Fitnessraum gerne auf dem Laufband oder der Rudermaschine trainiert. Die Highlights waren allerdings die Open-Air-Kinoabende oder einfach sonntag-, bzw. freitagmorgens im Garten zu sitzen und entspannt mit den Kolleginnen und Kollegen zu quatschen.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Wir hatten einen wunderschönen Compound mit vielen Grünflächen, Blumenbeeten und Obstbäumen. Die Rosen blühten noch bis in den Januar hinein und das Farbgewitter der Frühlingsblüher war einfach phantastisch.

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Von zu Hause hat mir eigentlich gar nichts gefehlt. Aber manchmal wäre ich einfach gerne auf den Markt oder generell draußen spazieren gegangen, was aber aufgrund der Sicherheitslage leider nicht möglich war.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Ich will auf jeden Fall mit Ärzte ohne Grenzen weiter in den Einsatz gehen. Die Arbeit ist abwechslungsreich, interessant und ich finde es sinnvoller, meine Kraft für Menschen einzusetzen, die es brauchen, statt irgendwelche Kunden immer reicher zu machen.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Die schönste Erinnerung sind immer die Menschen. Egal, ob ein internationaler Kollege oder einer von vor Ort - die Kollegen und Kolleginnen machen den eigentlichen Reiz aus. Es macht mich glücklich, mit den unterschiedlichsten Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammen zu sein und andere Lebensweisen kennenzulernen.