Mitarbeiterinnenporträt: Claudia Stephan, Landeskoordinatorin

Projekt-Koordination

Kurzprofil

Einsatzland: Sierra Leone
Alter: 49

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Institut für medizinische Mikrobiologie und Parasitologie, Universitätsklinikum Bonn, von Oktober 2004 bis Oktober 2005

Ausbildung:

Medizinisch-technische Laboratoriumsassistentin (MTLA)

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

2002    Malawi (MTLA)
2003    Sudan (MTLA)
2004    Usbekistan (MTLA)

2005/2006    Liberia (Projektkoordinatorin)
2006/2007    Bangladesch (Projektkoordinatorin)
2007 - 2009    Simbabwe (Projektkoordinatorin)
2009/2010    Äthiopien (Projektkoordinatorin)
2010/2011    Sri Lanka (Projektkoordinatorin)
2011/2012    Südsudan / Äthiopien (Projektkoordinatorin)
2012/2013    Papua-Neuguinea (Projektkoordinatorin)

2014    Südsudan (stellv. Landeskoordinatorin)
2015 - 2016    Myanmar (stellv. Landeskoordinatorin)
2016 - 2018    Sierra Leone (Landeskoordinatorin)

Sprachkenntnisse:

Deutsch, Englisch

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

Mein e-Reader - da ich sehr viel lese, ist die elektronische Variante für mich ideal. Dabei interessiert mich vieles, vom Krimi über Klassiker oder auch mal Sachbücher zum Beispiel über Coaching.

Musik, die ich gehört habe:

Ich höre gern Musik, aber wie bei Büchern gibt es keine bestimmten Vorlieben. Es kommt mehr auf meine Stimmung an. Morgens etwas Ruhiges, abends gerne auch lateinamerikanische Musik wie Salsa.

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Zuletzt war ich für Ärzte ohne Grenzen in Sierra Leone als Landeskoordinatorin im Einsatz. Als solche war ich dort nicht unmittelbar in die Projektarbeit involviert. Unser Büro befand sich in Freetown, der Hauptstadt Sierra Leones. Meine Arbeit dort war sehr umfangreich: Von der Entwicklung der Projektstrategie über die Planung von Budget, Personalmanagement und Sicherheitsanalysen bis zur Kontaktpflege und Verhandlungen mit lokalen Behörden und anderen Organisationen war alles dabei. Außerdem leitete ich ein Team von fünf bis sechs Koordinatoren, zum Beispiel dem medizinischen Koordinator oder dem Logistikkoordinator. Mein Alltag fand hauptsächlich im Büro und am Computer statt.

Ungefähr einmal im Monat besuchte ich allerdings unser Projekt im Landesinneren. Dabei handelt es sich um ein Mutter-und-Kind-Projekt, bei dem wir das Gesundheitsministerium von Sierra Leone in einem Krankenhaus und mehreren Kliniken unterstützen.

Ein wichtiger Teil unserer Arbeit in Sierra Leone besteht auch darin, die sierra-leonische Regierung, Spender und andere Organisationen auf Probleme im Gesundheitswesen aufmerksam zu machen. Besondere Herausforderungen sind der Zugang zu Medikamenten, die Notfallversorgung von Schwangeren und Kleinkindern und der Mangel an medizinischen Fachkräften.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Am Abend habe ich meistens gelesen oder Filme am Computer angeschaut. Hin und wieder sind wir mit den Kollegen und Kolleginnen zum Abendessen in ein Restaurant gegangen. Da Sierra Leone wunderschöne Strände hat, war ich am Wochenende oft schwimmen oder am Strand spazieren.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Da ich inzwischen vor allem im Büro arbeite, finde ich es immer toll, zur Abwechslung im Projekt direkt bei unseren Patientinnen und Patienten zu sein. Am spannendsten waren die Tage, an denen ich mit Kolleginnen und Kollegen einen ganzen Tag in Dörfern verbrachte und wir die Menschen vor Ort wegen Malaria behandelten. Oder als ich unser Team begleitete, das in den Slums von Freetown Menschen gegen Cholera impfte. So konnte ich trotz vieler Büroarbeit noch hautnah erleben, wie unsere Arbeit den Menschen hilft.

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Ich gehe gerne ins Theater oder in Museen. Da gibt es während der Einsätze meist nicht viele Möglichkeiten. Aber umso mehr freue ich mich dann darauf, wenn ich mal wieder zu Hause bin. Beim letzten Einsatz hat mir am meisten aber gutes (Vollkorn-)Brot gefehlt. Irgendwie habe ich es dieses Mal richtig vermisst.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Ich denke, dass ich auch in Zukunft mit Ärzte ohne Grenzen arbeiten werde. Ich würde mich aber auch gerne mehr mit Mentoring und Coaching beschäftigen, da das ein Bereich ist, der auch in meiner jetzigen Arbeit als Landeskoordinatorin immer mehr eine Rolle spielt.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Am meisten freute mich die Rückmeldung der Bevölkerung in der Region, in der wir mehrere Kliniken unterstützen. Während der Ebola-Epidemie in den Jahren 2014-15 hatten viele Patienten das Vertrauen in das Gesundheitssystem verloren. Schon nach kurzer Zeit erzählten mir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Klinik, dass die Patientinnen und Patienten jetzt gerne zu ihnen kommen. Sie waren zufrieden, endlich die Mittel und das Wissen zu haben, die Patienten auch gut behandeln zu können, was wiederum auch die Arbeitsbedingungen in den Kliniken verbesserte.