Mitarbeiterinnenporträt: Veronika Siebenkotten-Branca, Gynäkologin

Veronika Siebenkotten führt einen Ultraschall durch im Krankenhaus von Am Timan im Tschad.
GynäkologInnen

Kurzprofil

Einsatzland: Afghanistan
Alter: 59

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Ich arbeite seit 2011 nur (noch) zeitweise in Deutschland, zuletzt habe ich im Vinzenz-Pallotti-Hospital in Bergisch Gladbach Bensberg gearbeitet.

Ausbildung:

Ich bin zunächst Internistin und Gastroenterologin geworden. Dann hatte ich während eines Einsatzes mit einer kleinen deutschen Nichtregierungsorganisation in einem Slum in Nairobi ein Schlüsselerlebnis. Es hat zu meiner Entscheidung geführt, Fachärztin für Gynäkologin und Geburtshelferin zu werden, was ich nie bereut habe!

Sprachkenntnisse:

Ich spreche Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch und lerne im Einsatz immer gerne die wichtigsten Begriffe aus meinem Arbeitsbereich in der jeweiligen Landessprache, z. B.: Danke, Wasser, Schmerzen, herzlichen Glückwunsch etc. Je nachdem, wie gut die lokalen Ärzte und Ärztinnen sowie die Hebammen Englisch oder Französisch sprechen, arbeiten wir mit der Unterstützung von Übersetzern.

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

2006 Liberia
2009/2010 Haiti
2011 und 2014 Demokratische Republik Kongo
2013 Burundi
2014 Pakistan
2015 Nigeria
2016 Tschad
2017 Afghanistan

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

Das Hörbuch „Schwert und Krone, Meister der Täuschung“ von Sabine Ebert, ein historischer Roman aus dem Mittelalter. Ich liebe die Bücher dieser Autorin, die historisch korrekte Fakten über ihre Figuren sehr lebendig werden lässt.

Musik, die ich gehört habe:

Ich habe aus meiner Musikbibliothek sehr verschiedene Musik gehört. Wenn ich im Einsatz bin, höre ich mehr als sonst deutsche Musik: Kölsche Musik (Bläck Fööss, die Höhner), BAP, Herbert Grönemeyer, Basta, Wise Guys...

Wie sah dein Berufsalltag im Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Ich habe zuletzt im Boost Hospital in Lashka Gar (Afghanistan) gearbeitet, wo wir bis zu 1.000 Geburten pro Monat hatten. Zum Vergleich: In Deutschland werden in der größten geburtshilflichen Klinik jährlich 4.200 bis 4.500 Kinder geboren. Die Frauen, die zu uns in dieses Krankenhaus im Süden des Landes kamen, kommen oft von sehr weit her. Der Weg ist oft auch gefährlich - so gibt es z.B. Landminen auf den Straßen, weswegen sie zusätzlich Umwege in Kauf nehmen müssen. Wenn sie schließlich bei uns eintreffen, ist ihr Zustand oft schlecht und es gibt viele Komplikationen. Ich hatte sie sehr schöne Aufgabe, neue junge afghanische Kolleginnen anzuleiten, mit ihnen Frauen nach Kaiserschnittoperationen zu betreuen, sie im OP bei Kaiserschnitten anzuleiten und ihnen wichtige Dinge beim geburtshilflichen Ultraschall zu erklären. Ich habe dabei auch sehr gerne mit der engagierten japanischen Hebamme und den afghanischen Hebammen zusammengearbeitet.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Ich habe mich frühmorgens mit ein wenig Meditation auf den vor mir liegenden Tag eingestimmt. Nachmittags habe ich mich sehr gerne in unserem „Fitnessstudio“ auf dem Laufband oder der Rudermaschine ein wenig fit gehalten. Und es war einfach auch schön, mit den anderen Teammitgliedern "zu schwatzen". Wenn die Sicherheitslage es zuließ, konnten wir etwa alle zwei Wochen kurz zum ganz nahe gelegenen Supermarkt fahren. Ansonsten waren wir immer in bei uns auf dem Gelände, wo im Garten sogar im Dezember noch Rosen blühten.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Mir gefällt, dass es nicht so eine Reizüberflutung wie in Deutschland gibt; dass das Leben nicht so schnell ist, und meine Sachen in ein Regal passen...

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Mein Mann hat mir gefehlt, aber sonst nicht wirklich viel - ein bisschen die Bewegungsfreiheit, die durch die Sicherheitslage eingeschränkt war; das schnelle Internet – unseres war einfach ein wenig langsam.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Ich möchte auf jeden Fall weitere Einsätze mit Ärzte ohne Grenzen machen, mir gefällt es, immer wieder neue Menschen der gleichzeitig so großen und so kleinen „Ärzte ohne Grenzen-Familie“ kennenzulernen. Mir macht es auch Freude, in Ländern, zu denen man sonst kaum Zugang hat, Menschen näher zu kommen.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Ich habe erneut die Erfahrung gemacht, dass ich mit meinen (diesmal afghanischen) Kolleginnen und Hebammen für die Frauen gut zusammenarbeiten konnte. Wir haben uns sehr interessant über „ihre“ und „meine“ Kultur austauschen können und dabei auch sehr gern zusammen gelacht.

Schön war auch das Kompliment eines afrikanischen Teamkollegen, der schon mit sehr vielen internationalen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in seinem Heimatland zusammengearbeitet hatte. Ihm hat gefallen, dass ich interessiert Anteil genommen habe, daran, wie es ihm geht – das hat mich sehr berührt.