Mitarbeiterporträt: Tobias Theilacker, Logistiker

Logistik Technik

Kurzprofil

Einsatzland: Bangladesch
Alter: 35

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Meinen Job als Konstruktions- und Entwicklungsingenieur bei der SICK AG habe ich nach 3 Jahren gekündigt, um nochmal vom Schreibtisch weg zu kommen. Dass es mit einem Einsatz bei Ärzte ohne Grenzen klappt, wusste ich damals noch nicht.

Ausbildung:

Ich habe an der RWTH Aachen ein Studium zum Diplomingenieur Maschinenbau absolviert.

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

2016 Demokratische Republik Kongo, Nord Kivu
2017 Demokratische Republik Kongo, Süd Kivu
2018 Bangladesch, Cox’s Bazaar

Sprachkenntnisse:

Ich spreche Englisch und Französisch. Im Kongo waren beide Sprachen notwendig, um mit internationalen und nationalen Kollegen und Kolleginnen zusammenzuarbeiten. Dabei haben mir meine Französischkenntnisse aus vorherigen Auslandsaufenthalten sehr geholfen. Auch die paar Worte Swahili, die ich in Kursen vor Ort gelernt habe, wurden sehr begrüßt. Leider ist davon in der Zwischenzeit wenig übriggeblieben.

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

„Born A Crime“ von Trevor Noah war leicht bekömmlich und gut zum Abschalten.

Musik, die ich gehört habe:

Ich habe gerne Ali Farka Touré gehört, aber auch elektronische Musik verschiedenster Künstler. Abends in der Runde mit den Kollegen und Kolleginnen wurde oft ein Mix aus allem gespielt. Techno kam leider nicht so gut an…

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Mein Alltag war sehr vielfältig. Das Projekt wurde erst ein paar Wochen vor meiner Ankunft eröffnet. Ich habe neue Mitarbeiter für das Logistikteam eingestellt und sie in ihre Aufgaben eingeführt. Dazu gehörte zum Beispiel, lokal verfügbare Materialien für den Bau des Krankenhauses zu beschaffen. Für die verschiedenen Baustellen im Krankenhaus mussten wir geeignete Handwerker finden. Kleinere Baustellen oder Reparaturen haben wir auch gerne selbst übernommen. Da wir uns nur mit dem eigenen Fuhrpark zwischen den Standorten bewegen durften, war eine der Hauptaufgaben, die Beförderung der Mitarbeiter zu koordinieren. Das war nicht immer einfach, da die Fahrer kaum Englisch sprachen.

Als immer mehr Patienten mit Verdacht auf Diphtherie eingeliefert wurden, wurde das Krankenhaus kurzer Hand in ein Diphtherie-Behandlungszentrum umfunktioniert. In enger Abstimmung mit den medizinischen Kollegen und Kolleginnen haben wir mit Zelten für ausreichend Behandlungsplätze gesorgt. Da sich das Krankenhaus noch im Bau befand, mussten wir improvisieren und schnell die nötigen Strukturen wie Sanitäranlagen, Isolationsstationen, Abwasser- und Abfallentsorgung aufbauen. So konnten wir unseren logistischen Beitrag leisten, die ansteckende Krankheit einzudämmen.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Die Freizeitaktivitäten waren zwar durch die abendliche Ausgangssperre und den Mangel an Freizeit begrenzt. Wir hatten aber die Möglichkeit freie Tage am Meer zu verbringen oder auf unserer Dachterrasse zu entspannen. Nach Feierabend saß ich oft mit KollegInnen zusammen, habe gelesen oder einen Film geschaut.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Die Zusammenarbeit im logistischen Team war großartig. Wir haben zusammen viel auf die Beine gestellt und so unseren Beitrag für die Behandlung der Patienten und Patientinnen geleistet. Die Stimmung war super und es hat einfach Spaß gemacht, draußen zu sein und etwas zu bewirken. Auch die sehr herzliche Gastfreundschaft, mit der mir im Alltag begegnet wurde, hat mich beeindruckt. Ich würde mir wünschen, dasselbe von meinen Landsleuten sagen zu können.

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Mir hat am meisten der Kontakt zum Freundeskreis gefehlt, der trotz moderner Kommunikationsmittel leidet.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Nach einer kurzen Verschnaufpause und Zeit mit Freunden und Familie will ich noch einmal mit Ärzte ohne Grenzen los. Noch ist offen, wohin. Der Bedarf an medizinischer Hilfe ist leider in vielen Regionen der Welt groß.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Ich habe sehr viele schöne Erinnerungen an die Zeit in den Projekten. Wenn Patienten gesund und glücklich aus dem Krankenhaus entlassen wurden, dann hat das auch bei mir etwas ausgelöst und mich in meiner Arbeit bestärkt. Vor allem eine sieben Monate junge Patientin, die mit starken Verbrennungen zu uns gebracht wurde und nach zwei Wochen wieder lachen und spielen konnte, werde ich so schnell nicht vergessen. Aber auch kleine Dinge wie ein spontanes Cricket-Match mit Mitarbeitern und Anwohnern im Sonnenuntergang nach Feierabend bleiben als sehr schöne Erinnerungen.