Mitarbeiterporträt: José Mácio Cavalcante de Sousa, Logistiker

Der Logistiker José Mácio Cavalcante (3. v.r.) mit seinem Team in der Demokratischen Republik Kongo.
Logistik Technik

Kurzprofil

Alter: 43

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Forschungs- und Innovationszentrum von BMW, München

Ausbildung:

Promovierter Werkstoffwissenschaftler

Projekte mit Ärzten ohne Grenzen:

2016 Guinea-Bissau
2017 Demokratische Republik Kongo
2018 Venezuela

Sprachkenntnisse:

Da ich in Brasilien geboren und aufgewachsen bin, ist Portugiesisch meine Muttersprache. Portugiesisch war entscheidend für meinen ersten Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen in Guinea-Bissau. Deutsch ist meine Zweitsprache geworden, seitdem ich nun bereits mehrere Jahre in Deutschland lebe. Englisch habe ich in der Schule gelernt und durch mein Leben in einem sehr internationalen Umfeld weiter verbessert. Spanisch ähnelt dem Portugiesischen sehr. Deshalb konnte ich es schnell erlernen. Während meines letzten Einsatzes in Venezuela kam ich gut damit zu Recht.

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

„Ermites dans la täiga“ von Vassili Peskov.

Es geht um eine Familie, Anfang der 80er Jahre, die in der russischen Taiga lebt. Aus religiösen Gründen sind sie vor dem stalinistischen Regime geflohen.

Damit ich nicht aus der Übung komme, versuche ich immer in verschiedenen Sprachen zu lesen. Man weißt ja nicht, mit welcher Sprache man im nächsten Einsatz unterwegs sein wird. Also, sehr wichtig: Diesmal war Französisch dran.

Musik, die ich gehört habe:

Ich bin immer dabei, etwas Neues zu entdecken, was Musik betrifft. Während meines letzten Einsatzes habe ich sehr oft die Alben „Chaos and the Calm“ von James Bay und „Human“ von Rag`n`Bone Man gehört.

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Wir waren in einer sehr kleinen und abgelegenen Stadt am Rand der Autobahn, die Venezuela mit Brasilien verbindet. Sie heißt Las Claritas. Die Region ist ein Bergbaugebiet mit vielen Flüssen und stehenden Seen. Deshalb gibt es dort sehr viele Menschen, die an Malaria erkranken.

Unser Tag fing damit an, dass wir das gesamte Team mit den Autos zu den Projektstandorten fuhren: Mit den medizinischen Kolleginnen und Kollegen fuhren wir ins Gesundheitszentrum und zu den kleineren Gesundheitsposten, wo wir dezentral Malaria-Diagnose anbieten. Mit den Gesundheitsberatern fuhren wir in die Gemeinden, wo sie über die Risiken von Malaria und unsere Hilfe sprachen. Die Wasserspezialisten fuhren wir in die Ureinwohnergemeinde und ins Bergbaugebiet, wo sie sich unter anderem ums Besprühen der Häuser mit Insektizid gegen die Malaria-Moskitos kümmerten. Manchmal fuhren wir auch über die Grenze nach Brasilien, um dort Medikamente zu holen oder sonstiges Material zu kaufen. Danach ging es zum Meeting mit dem Logistik-Team, um den Tagesablauf zu planen und die Prioritäten zu definieren.

Mein „normaler“ Tagesablauf war sehr bunt gemischt: E-Mails checken und beantworten, Besprechungen mit Dienstleistern, Medikamente an unsere medizinischen Teams liefern, die Lagerbestände prüfen, neue Bestellungen (sowohl über nationale als auch über internationale Bestellwege), unsere Kommunikationsmittel wie Internet und Telefon via Satelliten instand halten und vieles mehr. Ich musste neue Kolleginnen und Kollegen im Projekt begrüßen und einarbeiten. Auch das Reparieren und Instandhalten der Autos gehörte zu meinen Aufgaben als Logistiker. Wie man sehen kann, handelt es sich also um ein sehr vielfältiges Jobprofil.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Manchmal haben wir etwas zusammen gekocht oder gegrillt, aber das Beste für mich war, wenn ich in Santa Lucia de Inaway im Fluss schwimmen gehen konnte. Das liegt im Regenwald, wo auch Ureinwohner leben. Manchmal spielten wir auch in Araimatepui Volleyball.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Im Allgemeinen war es eine tolle Erfahrung, in Venezuela zu arbeiten. Als gebürtiger Südamerikaner hat es sich besonders angefühlt, dass ich zum ersten Mal in einem anderen lateinamerikanischen Land, außerhalb Brasiliens, gearbeitet habe und vielen notleidenden Menschen dort helfen konnte.

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Ich gehe sehr gerne ins Kino. Manchmal hat mir das gefehlt. Es war nichts Schlimmes, aber manchmal kam mir der Gedanke. Wir mussten in die nächste große Stadt fahren, um dort mehr Möglichkeiten zu haben – in Puerto Ordaz zum Beispiel, das liegt acht Stunden Autofahrt entfernt.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Momentan will ich weiterhin mit Ärzte ohne Grenzen in Hilfsprojekten arbeiten. Bei meinem nächsten Projekt würde ich gerne einen Not-Einsatz mitmachen. Bisher habe ich in so einer Situation noch nicht mitgeholfen und es reizt mich sehr.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Ganz klar: als Carlos aus dem Koma erwachte. Carlos war ein Patient mit sehr schwerer Malaria, die sein Gehirn angegriffen hatte. Er lag im Koma, als er zu uns ins Gesundheitszentrum gebracht wurde. Das war an einem Sonntag. Niemand kannte ihn oder hatte Kontakt zu irgendwelchen Verwandten. Sein Zustand war sehr schlecht, aber unsere Ärzte kämpften um ihn, und nach sechs Tagen schafften sie es, ihn aus dem Koma zu holen. Wir konnten seine Familie auffinden und ihn nach Hause bringen. Carlos wird uns allen immer in Erinnerung bleiben.