Leben und Arbeiten im Projekt

Die Aufgaben, die es in unseren Projekten zu bewältigen gibt, stellen große Herausforderungen an die Mitarbeitenden. Jedoch sind diese auch bereichernd und erweitern den persönlichen und beruflichen Horizont. Neben fachlichen Kenntnissen sind Engagement und verantwortungsbewusstes Handeln gefragt.

Arbeit im internationalen, multidisziplinären Team

In Ihrem Projekt arbeiten und leben Sie mit Menschen, die aus unterschiedlichsten Ländern, Kulturen und beruflichen Disziplinen kommen. Ungewohnte Arbeitsbelastungen und Lebensumstände erfordern ein hohes Maß an Gelassenheit, Teamgeist und Flexibilität im Umgang mit neuen Situationen.

Einen Eindruck davon erhalten Sie auch im Interview mit der ehemaligen Abteilungsleiterin Helen O´Neill.

Wichtige Fakten zur Arbeit im Ausland vor Ort

Bevor Sie sich bewerben, überprüfen Sie bitte Ihre persönlichen Beweggründe. Haben Sie idealisierte Vorstellungen was die Arbeit in der humanitären medizinischen Nothilfe betrifft? Waren Sie bereits auf einer Informationsveranstaltung, wo Mitarbeitende von Ihren Erfahrungen berichtet haben? Als Mitarbeitender von Ärzte ohne Grenzen leben und arbeiten Sie in ungewohnter Umgebung, unter extrem schwierigen, oftmals enorm stressigen Bedingungen.

Bitte lesen Sie die untenstehenden Informationen aufmerksam durch und beantworten Sie für sich die anschließenden Fragen, bevor Sie sich zu einer Bewerbung entschließen.

von
  • Ärzte ohne Grenzen leistet humanitäre medizinische Hilfe für notleidende Menschen in Regionen, wo mitunter

    • eklatante Menschenrechtsverletzungen gegen Einzelpersonen oder bestimmte Bevölkerungsgruppen stattfinden
    • Homosexualität strafrechtlich verfolgt wird
    • Vergewaltigung als Kriegsmittel eingesetzt wird
    • Menschen keinen Zugang zu essentiellen Medikamenten haben
    • Infektiöse Krankheiten oder Epidemien verbreitet sind
    • Gesundheitseinrichtungen Ziele von Angriffen sein können
  • Wie gehen Sie mit eigener Hilflosigkeit um? Was bedeutet es für Sie, keine Kontrolle über Ihre Umwelt zu haben?

    Was denken Sie, bedeutet es für Ihre nahen Angehörigen, dass Sie sich freiwillig dafür melden, in ein potentielles Krisengebiet entsandt zu werden?

     

  • Die Lebensbedingungen im Projekt unterscheiden sich stark von der gewohnten heimatlichen Umgebung, rechnen Sie mit

    • Unterbringung in einem Zelt, einer einfachen Lehmhütte oder einem Haus mit internationalen Teammitgliedern, die Sie sich nicht ausgesucht haben
    • Einschnitten in die Privatsphäre: kein eigenes Bad, Ausgangssperren
    • Unzureichender Stromversorgung, eingeschränktem Zugang zu Internet, fehlendem fließenden Wasser
    • anderen Wetter und Klimaverhältnissen: extremer Hitze/Kälte, hohe Luftfeuchtigkeit, Regenphasen, Mücken/Insekten
    • einseitiger Ernährung, Mangel an frischem Obst und Gemüse, Vegetarisch/Vegane Ernährungsweise kann herausfordernd sein
    • reduzierten Freizeit- und Sportaktivitäten
  • Haben Sie bereits Erfahrung damit, in einem kulturellen Umfeld zu leben, dass sich sehr stark vom eigenen unterscheidet? 

    Wie schätzen Sie ihre Belastbarkeit ein, über einen längeren Zeitraum mit Einschränkungen und unter schwierigen Bedingungen zu leben?

  • Humanitäre Nothilfe in einer Krisenregion zu leisten ist belastend. Zahlreiche Faktoren beeinflussen das Wohlbefinden und erzeugen Stress, z.B.

    • hohe Arbeitsbelastung und lange Arbeitstage
    • Konfrontation mit Ungerechtigkeit und menschlichem Leid
    • Teamkonflikte, herausfordernde Beziehungen mit den lokalen Autoritäten, Korruption
    • Gesundheitsprobleme (z.B. durch Klima, Ernährung, mangelnden Ausgleich)
    • Distanz zu oder unregelmäßige Kommunikation mit Freunden, Familie und Verwandten
    • eine instabile politische Lage, Sicherheitsrisiken, eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten
  • Wie gehen Sie mit Stress um? Wie mit Konflikten? Haben Sie bereits längere Zeit in fremder Umgebung verbracht?

    Ein Auslandseinsatz ist nicht dazu geeignet, persönlichen Problemen zu entfliehen.

  • In der humanitären Hilfe zu arbeiten bedeutet, dass man auf enge Vertraute, Partnerinnen und Partner, sowie Freunde über einen längeren Zeitraum verzichten muss. Einen Auslandseinsatz zu absolvieren ist aufregend und bereichernd. Es kann aber auch zu traumatischen Erlebnissen kommen, oder Sie sammeln Erfahrungen, die für Freunde und Verwandte nicht leicht nachzuvollziehen sind.

  • Haben Sie sich überlegt was es bedeutet, für bis zu einem Jahr nicht am Leben der für Sie wichtigsten Menschen in der Heimat teilzuhaben?

    Was bedeutet es für Sie – und für die Menschen, die Ihnen zuhause wichtig sind – wenn Sie für ein bestimmten Zeitraum keinen oder nur unregelmäßig Kontakt halten können?

    Können Sie sich vorstellen wie es sich für Angehörige anfühlt, wenn sie beunruhigende Nachrichten aus dem Land hören, in dem wir Sie eingesetzt haben?

  • Die vorherigen Fragen sind essentiell für Ihre ganz persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema Auslandseinsatz. Wir legen Ihnen nahe, diesen „Reality Check“ ernst zu nehmen und Zweifel vor oder spätestens während des Bewerbungsprozesses anzusprechen.

  • Gleichzeitig möchten wir Sie ermutigen: Während der vergangenen Jahrzehnte sind Tausende Mitarbeitende mit Ärzte ohne Grenzen im Auslandseinsatz gewesen – ein Großteil davon mehrmals. Zu Beginn standen alle vor den gleichen Fragen wie Sie. Die meisten dieser Mitarbeitenden blicken aber nach ihrem Einsatz auf eine sehr herausfordernde, aber auch unvergleichlich bereichernde, lohnende und oftmals lebensverändernde Erfahrung zurück.

  • Ein Auslandseinsatz mit Ärzte ohne Grenzen ist weit mehr als ein Abenteuer oder „nur“ ein Job: Sie engagieren sich als Profi in ihrem Berufsfeld mit ihrer ganzen Person an Orten dieser Welt, an denen ihr Einsatz für Menschen in Not viel bewirken kann.

    Es ist der Einsatz dessen, was man am besten kann -  an den Orten, an denen es am meisten gebraucht wird.

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