Memento Preis 2014

Der Juryvorsitzende Prof. S. Kaufmann und Dr. M. Gertler (Ärzte ohne Grenzen) freuen sich mit den diesjährigen Preisträgerinnen A. Hübinger, Prof. G. Bretzel, Dr. M. Beißner und K. Roth (v. l. n. r.).

Memento Preis 2014 feierlich verliehen

Ärzte ohne Grenzen hat, zusammen mit der BUKO Pharma-Kampagne und der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, am 30. Januar 2014 zum ersten Mal den Memento Preis für vernachlässigte Krankheiten verliehen. Der Preis wurde in den Kategorien „Forschung und Entwicklung“ und „Politischer Wille“ vergeben und würdigt Aktivitäten und Forschungsarbeiten, die sich in verdienstvoller Weise der Bekämpfung von Krankheiten wie Dengue-Fieber, Tuberkulose oder Schlafkrankheit widmen, für die es keine hinreichenden Behandlungsmöglichkeiten gibt und in deren Erforschung kaum investiert wird.

Den Memento-Forschungspreis 2014 erhielten Prof. Dr. med. Gisela Bretzel und Dr. med. Marcus Beißner von der LMU München für ihre Forschung zu Lepra und Buruli-Ulkus. Er ist mit 5.000 Euro dotiert. Das Preisgeld wird von der Hermann-Kober-Stiftung bereitgestellt. Der Jury gehörten Prof. Stefan Kaufmann (Jury-Vorsitzender, Direktor am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie), Prof. Quarraisha Abdool-Karim (Südafrika) und Dr. Sodiomon Sirima (Burkina Faso) an.

Die Politikerinnen Karin Roth (SPD) und Anette Hübinger (CDU, MdB) wurden für ihr Engagement für mehr öffentliche Forschungsförderung ausgezeichnet. Beide Preisträgerinnen haben sich über Parteigrenzen hinweg dafür eingesetzt, dass sich die Forschungs-, die Entwicklungs- und die Gesundheitspolitik in Deutschland stärker an den Bedürfnissen der Menschen in armen Ländern orientiert. Dank Ihres Einsatzes fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) seit 2011 sogenannte Produktentwicklungspartnerschaften mit öffentlichen Mitteln.

Ärzte ohne Grenzen, die BUKO Pharma-Kampagne und die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe haben den Memento Preis ins Leben gerufen, um auf das Problem der vernachlässigten Krankheiten öffentlich aufmerksam zu machen. Milliarden Menschen sind von diesen Krankheiten betroffen, für die es entweder überhaupt keine geeigneten Diagnostika, Medikamente und Impfstoffe gibt oder diese veraltet und ungeeignet für den Gebrauch in infrastrukturschwachen Gegenden sind.

Tuberkulose - eine vernachlässigte Krankheit

Ein Beispiel dafür ist die Tuberkulose: Jährlich erkranken 8,6 Millionen Menschen an der gefährlichen Infektionskrankheit und  1,3 Millionen sterben an ihr. Zumeist leben die Betroffenen in ärmeren  Ländern, wo die Kaufkraft gering ist. Für die forschende Pharmaindustrie stellen diese Länder keinen lukrativen Absatzmarkt für ihre Produkte dar – zu Krankheiten, die fast ausschließlich in ärmeren Ländern auftreten, findet darum praktisch keine Forschung statt. So stammen etwa die zwei gängigsten Tuberkulose-Medikamente aus den Jahren 1952 bzw. 1963. Die Behandlung der einfachen Tuberkulose (TB) mit diesen beiden Medikamenten ist langwierig: sie dauert bis zu sechs Monaten.

Besonders schwierig ist die Behandlung von Patienten mit multiresistenter Tuberkulose, einer Form der TB, gegen die die beiden gängigen Medikamente nichts mehr ausrichten können. Die Behandlung dauert bis zu zwei Jahre, ist mit schmerzhaften Injektionen verbunden und geht mit extremen Nebenwirkungen einher, in manchen Fällen ruft sie zum Beispiel Taubheit oder Depressionen hervor.

Im letzten Jahr sind nun erstmals seit fünf Jahrzehnten zwei neue Medikamente gegen die TB zugelassen worden. Sie wecken die Hoffnung, dass die Behandlung der multiresistenten TB in Zukunft schneller geht. Allerdings sind diese neuen Medikamente in Kombination mit anderen Medikamenten noch nicht erprobt – einer Kombination, die jedoch notwendig ist. Auch hierin spiegelt sich die Vernachlässigung der TB durch die private Pharmaindustrie. Die Forschungslücke werden öffentliche Forschungsinstitute, Produktentwicklungspartnerschaften oder nationale Behandlungsprogramme füllen müssen.

Mit dem Memento Preis wollen Ärzte ohne Grenzen, die BUKO Pharma-Kampagne und die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe auf diese Missstände aufmerksam machen. In Zukunft soll der Preis für besonderes Engagement in der Bekämpfung von vernachlässigten Krankheiten regelmäßig verliehen werden.

 

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