Tuberkulose

Ein Patient auf dem Weg in die Gesundheitsstation von Ärzte ohne Grenzen in Kirgisistan, wo er ambulant gegen multiresistente Tuberkulose behandelt wird.

Jährlich erkranken Millionen Menschen an Tuberkulose. Bis 2030 soll die Krankheit laut den Nachhaltigen Entwicklungszielen der UN besiegt sein. Doch dem stehen mehrere große Hindernisse im Weg, die dringend überwunden werden müssen.

Weit verbreitet, schlecht zu behandeln: 2015 erkrankten 10,4 Millionen Menschen weltweit an Tuberkulose (TB). 1,8 Millionen Erkrankte starben daran. Die Nachhaltigen Entwicklungsziele der UN (Sustainable Development Goals) sehen ein Ende der Tuberkulose bis 2030 vor. Ohne intensivere Forschungsanstrengungen für bessere und effektivere Medikamente und Diagnostika – besonders für resistente Formen der TB – scheint dies jedoch kaum erreichbar zu sein. Bislang existiert ein nur extrem eingeschränkt wirksamer Impfstoff gegen Lungen-Tuberkulose – mehrere Impfstoffe sind in frühen Entwicklungsstadien, ob und wann sie erhältlich sein werden, ist noch unklar. 

Besonders ärmere Menschen sind betroffen

Laut WHO-Schätzungen trägt ein Drittel der Weltbevölkerung Tuberkulose-Erreger in sich. Doch nur bei einem Bruchteil bricht die Krankheit wirklich aus. Betroffen sind besonders Menschen in ärmeren Ländern mit schwachen Gesundheitssystemen, wo Diagnose und Behandlung deutlich schwieriger sind. Menschen, die aufgrund von Mangelernährung oder einer HIV-Infektion nur eine schwache Immunabwehr haben, sind besonders gefährdet.

Mehr Resistenzen bedeuten weniger Heilungschancen

Durch falsche Einnahme von Medikamenten, Behandlungsabbruch oder direkte Übertragung können sich resistente Formen der TB ausbreiten. Wirkt eines der gängigen Medikamente nicht mehr, spricht man von resistenter Tuberkulose (DR-TB). Formen der Tuberkulose, bei denen Resistenzen gegen Isoniazid und Rifampicin, die gegenwärtig stärksten TB-Medikamente, auftreten, werden als multiresistente Tuberkulose (MDR-TB) klassifiziert. Etwa 480.000 neue Fälle multiresistenter Tuberkulose treten jährlich auf. Wenn darüber hinaus auch Resistenzen gegen weitere Medikamente bestehen, die zur Behandlung von MDR-TB eingesetzt werden, handelt es sich um extensiv-resistente TB (XDR-TB).

Die Behandlung von resistenten Formen der Tuberkulose ist extrem langwierig, kann einen Krankenhausaufenthalt von bis zu 2 Jahren bedeuten und ist oft mit starken Nebenwirkungen wie Depressionen, Psychosen oder Nierenversagen verbunden. Häufig ist eine Nebenwirkung sogar Taubheit. Die Monate andauernde Übelkeit allein bringt viele Patienten zum fatalen Abbruch der Therapie. Hinzukommt, dass die Heilungschancen bei MDR-TB weltweit im Durchschnitt bei lediglich 52 Prozent, bei XDR-TB sogar nur bei 28 Prozent liegen.

Neue Medikamente bleiben unerschwinglich

Fünfzig Jahre lang gab es keine neuen Präparate gegen Tuberkulose. Mit Bedaquilin und Delamanid sind vor wenigen Jahren endlich zwei neue Medikamente gegen resistente Formen der Tuberkulose entwickelt und durch die WHO präqualifiziert , (d.h. auf Qualität, Sicherheit und Effektivität geprüft und zur Anwendung empfohlen) worden. Die vielversprechenden Medikamente sind in vielen Ländern bis dato allerdings noch nicht registriert und wenn ja, oft viel zu teuer: Nach langen Protesten erklärte sich Otsuka, der Hersteller von Delamanid, dazu bereit, den Preis für einen Behandlungszyklus auf 1.700 US-Dollar zu senken – was weiterhin viel zu viel ist. Auch Johnson & Johnson, der Hersteller von Bedaquilin, muss deutlich nachbessern: So ist u.a. eine schnellere Registrierung des Medikaments in besonders stark betroffenen Ländern sowie eine generelle Preissenkung für alle ärmeren Länder dringend nötig.
 

Mehr Forschung ist dringend erforderlich

Einzelne neu entwickelte Medikamente wie Bedaquilin und Delamanid sind sehr wichtig, aber ein neues Medikament ist eben nur eins von mindestens vier, die in Kombination verabreicht werden müssen. Es muss stärker darum gehen, ganze neue Behandlungsregime zu entwickeln. Trotz neuer Präparate bleibt die Behandlung gegen resistente Formen der Tuberkulose auch weiterhin aufwendig und strapaziös. Im Wettlauf gegen Resistenzen ist die ständige Entwicklung neuer und bezahlbarer Methoden zur Diagnose und Therapie sowie eines wirksamen Impfstoffes dringend erforderlich. Um dies zu erreichen, wären deutlich mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung notwendig. Nach Angaben der WHO gab es im Jahr 2016 eine Finanzierungslücke von einer Milliarde US-Dollar   allein für Forschung und Entwicklung (F&E) zu TB. Da primär ärmere Menschen von TB betroffen sind, die keine große Kaufkraft haben, ist die F&E zu TB für kommerzielle Pharmaunternehmen nicht interessant, weil es nicht genug Profit abwirft – obwohl gleichzeitig ein dringender Bedarf besteht. Man spricht hier von einem Marktversagen im Innovationssystem. Und so geht es Tuberkulose wie vielen anderen sogenannten vernachlässigten und armutsassoziierten Krankheiten für die es eine massive Forschungslücke gibt.
 

Investionen aus öffentlicher Hand benötigt

Da die benötigten Investionen in die F&E zu TB von Privatunternehmen nicht ausreichen, muss die öffentliche Hand hier einen Ausgleich schaffen. Deutschland bleibt dabei bislang jedoch weit hinter den Erwartungen zurück und stellte als größte Volkswirtschaft in Europa etwa 2015 mit 10,56 Mio. US-Dollar (exkl. EU-Mittel) im Vergleich zu Großbritannien gerade einmal ein Drittel der finanziellen Ressourcen bereit.
 

Innovative Forschungsförderung unterstützen

Um dem Marktversagen der biomedizinischen Forschung zu TB zu begegnen, müssen alternative Mechanismen der Forschungsförderung eingesetzt werden, die dem sogenannten de-linkage Konzept entsprechen. Das bedeutet, dass die Forschungskosten von den  Verkaufspreisen und Absatzmengen entkoppelt werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass dringend benötigte Forschung auch tatsächlich stattfindet, wenn es keinen großen Profit gibt und die Endprodukte auch bezahlbar sind. Einen spezifischen Ansatz zur Förderung der F&E für TB-Medikamente stellt das 3P-TB-Projekt  dar: Dabei geht es um einen offenen kollaborativen Ansatz, der mit finanzieller Förderung Forschung anstößt, Resultate mit Forschungsprämien belohnt und Forschungsdaten und geistige Eigentumsrechte mit anderen Forschungseinrichtungen und Firmen teilt, um die Forschung voranzubringen. Ziel ist eine schnelle und effektive TB-Therapie, die gegen alle Formen der TB wirkt – und zwar innerhalb eines Monats.
 

 

Publikationen zur Tuberkulose

06. Juli 2017

Out of Step 2017: TB Policies in 29 Countries

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A survey of prevention, testing and treatment policies and practices
22. März 2016

DR-TB Drugs Under the Microscope: Sources and Prices for Drug-Resistant Tuberculosis Medicines - 4th edition

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