Tuberkulose

Nur zwei Prozent der rund 150.000 Patienten mit resistenten Formen von Tuberkulose erhalten derzeit die bestmögliche Therapie mit neuen Medikamenten. Diese Medikamente müssen für mehr Menschen bezahlbar und verfügbar gemacht werden.

 

Jährlich erkranken Millionen Menschen an Tuberkulose. Bis 2030 soll die Krankheit laut den Nachhaltigen Entwicklungszielen der UN besiegt sein. Doch dem stehen mehrere große Hindernisse im Weg, die dringend überwunden werden müssen.

Weit verbreitet, schlecht zu behandeln: 2017 erkrankten 10 Millionen Menschen weltweit an Tuberkulose (TB). 1,6 Millionen Erkrankte starben daran. Die Nachhaltigen Entwicklungsziele der UN (Sustainable Development Goals) sehen ein Ende der Tuberkulose bis 2030 vor. Ohne intensivere Forschungsanstrengungen für bessere und effektivere Medikamente und Diagnostika – besonders für resistente Formen der TB – scheint dies jedoch kaum erreichbar zu sein. Bislang existiert ein nur extrem eingeschränkt wirksamer Impfstoff gegen Lungen-Tuberkulose – mehrere Impfstoffe sind in frühen Entwicklungsstadien, ob und wann sie erhältlich sein werden, ist noch unklar. 

Besonders ärmere Menschen sind betroffen

Laut WHO-Schätzungen trägt ein Drittel der Weltbevölkerung Tuberkulose-Erreger in sich. Doch nur bei einem Bruchteil bricht die Krankheit wirklich aus. Betroffen sind besonders Menschen in ärmeren Ländern mit schwachen Gesundheitssystemen, wo Diagnose und Behandlung deutlich schwieriger sind. Menschen, die aufgrund von Mangelernährung oder einer HIV-Infektion nur eine schwache Immunabwehr haben, sind besonders gefährdet.

Mehr Resistenzen bedeuten weniger Heilungschancen

Durch falsche Einnahme von Medikamenten, Behandlungsabbruch oder direkte Übertragung können sich resistente Formen der TB ausbreiten. Wirkt eines der gängigen Medikamente nicht mehr, spricht man von resistenter Tuberkulose (DR-TB). Formen der Tuberkulose, bei denen Resistenzen gegen Isoniazid und Rifampicin, die gegenwärtig stärksten TB-Medikamente, auftreten, werden als multiresistente Tuberkulose (MDR-TB) klassifiziert. Etwa 580.000 neue Fälle multiresistenter Tuberkulose treten jährlich auf. Wenn darüber hinaus auch Resistenzen gegen weitere Medikamente bestehen, die zur Behandlung von MDR-TB eingesetzt werden, handelt es sich um extrem resistente TB (XDR-TB).

Die Behandlung von resistenten Formen der Tuberkulose ist extrem langwierig, kann einen Krankenhausaufenthalt von bis zu 2 Jahren bedeuten. Bisher war eine Behandlung oft mit starken Nebenwirkungen wie Depressionen, Psychosen oder Nierenversagen verbunden. Häufig war eine Nebenwirkung sogar Taubheit. Die Monate andauernde Übelkeit allein brachte viele Patient*innen zum fatalen Abbruch der Therapie. Hinzukommt, dass die Heilungschancen bei MDR-TB weltweit im Durchschnitt bei lediglich 55 Prozent, bei XDR-TB sogar nur bei 28 Prozent liegen.

Neue Medikamente bleiben unerschwinglich

Fünfzig Jahre lang gab es keine neuen Präparate gegen Tuberkulose. Mit Bedaquilin, Delamanid und Pretomanid sind vor wenigen Jahren endlich drei neue Medikamente gegen resistente Formen der Tuberkulose auf den Markt gekommen. Seit 2018 werden sowohl Bedaquilin als auch Delamanid von der WHO für die Behandlung von resistenten Formen von Tuberkulose empfohlen. Die Medikamente ermöglichen eine Behandlung, die weniger Nebenwirkungen als bisher verursachen und die Heilungschancen für Betroffene deutlich steigern. Sie sind jedoch in vielen Ländern bisher noch nicht registriert oder für die meisten Patient*innen unerschwinglich. Wir fordern den Hersteller von Bedaquilin, Johnson & Johnson, daher auf, den Preis für das Medikament deutlich zu senken. Der Pharmakonzern sollte den Preis weltweit auf einen US-Dollar pro Patient*in senken, damit alle, die das neue Präparat dringend brauchen, es auch bekommen.

Mehr Forschung ist dringend erforderlich

Einzelne neu entwickelte Medikamente wie Bedaquilin, Delamanid und Pretomanid sind sehr wichtig, aber ein neues Medikament ist eben nur eins von mindestens vier, die in Kombination verabreicht werden müssen. Es muss stärker darum gehen, ganze neue Behandlungsregime zu entwickeln. Trotz neuer Präparate bleibt die Behandlung gegen resistente Formen der Tuberkulose auch weiterhin aufwendig und strapaziös. Im Wettlauf gegen Resistenzen ist die ständige Entwicklung neuer und bezahlbarer Methoden zur Diagnose und Therapie sowie eines wirksamen Impfstoffes dringend erforderlich. Um dies zu erreichen, wären deutlich mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung notwendig. Allein im Jahr 2018 gab es eine Finanzierungslücke von 3,5 Milliarden US-Dollar allein für Forschung und Entwicklung (F&E) zu TB. Da primär ärmere Menschen von TB betroffen sind, die keine große Kaufkraft haben, ist die F&E zu TB für kommerzielle Pharmaunternehmen nicht interessant, weil es nicht genug Profit abwirft – obwohl gleichzeitig ein dringender Bedarf besteht. Man spricht hier von einem Marktversagen im Innovationssystem. Und so geht es Tuberkulose wie vielen anderen sogenannten vernachlässigten und armutsassoziierten Krankheiten für die es eine massive Forschungslücke gibt.

Investitionen aus öffentlicher Hand benötigt

Da die benötigten Investitionen in die F&E zu TB von Privatunternehmen nicht ausreichen, muss die öffentliche Hand hier einen Ausgleich schaffen. An diese öffentlichen Forschungsgelder müssen allerdings strikte Bedingungen geknüpft werden. Es muss sichergestellt sein, dass die entwickelten Medikamente für alle Menschen, die sie dringend benötigen, bezahlbar und erhältlich sind. Auch in die Entwicklung von Bedaquilin flossen öffentliche Gelder. Noch ein Grund mehr, warum das neue Medikament zu einem bezahlbaren Preis erhältlich sein muss.

Innovative Forschungsförderung unterstützen

Um dem Marktversagen der biomedizinischen Forschung zu TB zu begegnen, müssen alternative Mechanismen der Forschungsförderung eingesetzt werden, die dem sogenannten de-linkage Konzept entsprechen. Das bedeutet, dass die Forschungskosten von den Verkaufspreisen und Absatzmengen entkoppelt werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass dringend benötigte Forschung auch tatsächlich stattfindet, wenn es keinen großen Profit gibt und die Endprodukte auch bezahlbar sind.

 

Publikationen zur Tuberkulose

06. Juli 2017

Out of Step 2017: TB Policies in 29 Countries

Datei
PDF
Größe
3.57 MB
Sprache
Englisch
Herunterladen
Inhalte anzeigen
A survey of prevention, testing and treatment policies and practices
22. März 2016

DR-TB Drugs Under the Microscope: Sources and Prices for Drug-Resistant Tuberculosis Medicines - 4th edition

Datei
PDF
Größe
632.62 KB
Sprache
Englisch
Herunterladen

Seiten

Pressemitteilungen zur Tuberkulose

Artikel zur Tuberkulose

Seiten