Tuberkulose

Jährlich erkranken bis zu 9,6 Millionen Menschen an Tuberkulose (TB) – und rund 1,5 Millionen starben 2014 an der Infektionskrankheit. Ein Ende der TB, das in den Nachhaltigen Entwicklungszielen der UN (Sustainable Development Goals) bis 2030 vorgesehen ist, liegt bislang noch in weiter Ferne. Das größte Hindernis zur erfolgreichen Bekämpfung der Erkrankung sind unzureichende Behandlungsregime und Diagnostika - gerade für resistente Formen der TB, bei denen die wichtigsten Antibiotika nicht wirken. Weiterhin ist keine angemessene Impfung gegen Tuberkulose verfügbar.

Ärmere Menschen besonders betroffen

Laut WHO-Schätzungen trägt ein Drittel der Weltbevölkerung Tuberkulose-Erreger in sich, hat also eine latente TB. Gemessen daran bricht die Krankheit nur in seltenen Fällen wirklich aus, besonders oft allerdings bei Menschen in ärmeren Ländern mit schwachen Gesundheitssystemen. Dort sind Diagnose und Behandlung schwieriger. Besonders gefährdet, an TB zu erkranken, sind Menschen, die eine schwache Immunabwehr haben, etwa durch Mangelernährung oder durch eine bestehende HIV-Infektion.

Mehr Resistenzen - weniger Heilungschancen

Resistente TB-Erreger entstehen durch inkorrekte Medikamenteneinnahme oder Behandlungsabbruch, können allerdings auch direkt übertragen werden. Ca. 480.000 neue Fälle multiresistenter TB treten jährlich auf. Wirken mindestens zwei wichtige Antibiotika der ersten Behandlungslinie nicht, spricht man von multiresistenter Tuberkulose (MDR-TB). Die Heilungschancen liegen hier bei nur noch etwa 50 Prozent. Wenn darüber hinaus auch Resistenzen gegen die sogenannten Zweitlinien-Medikamente bestehen, die zur Behandlung von MDR-TB eingesetzt werden, liegt extensiv-resistente TB (XDR-TB) vor. Mit fortschreitenden Resistenzen werden die Behandlungsmöglichkeiten immer geringer. Die Heilungswahrscheinlichkeit bei XDR-TB liegt bei nur noch 13 Prozent.

Unzureichende Diagnostika

Schon vor über 130 Jahren entdeckte Robert Koch das Mycobacterium tuberculosis. Grundlagen der von ihm entwickelten Methode zur Diagnostik werden auch heute noch zur Erkennung der Krankheit genutzt. Neue Diagnosemöglichkeiten, wie etwa molekulare Schnelltests, bieten zwar schnellere Analysen, auch zu Resistenzen, sind aber beispielsweise aufgrund ihrer Größe, ihres Gewichts, der notwendigen Versorgung mit Elektrizität oder Temperaturempfindlichkeit gerade in strukturschwachen Kontexten in ärmeren Ländern ebenfalls nicht zur direkten (der sogenannten point-of-care-) Diagnose geeignet.

Alte Medikamente mit starken Nebenwirkungen

Die Behandlung von resistenter Tuberkulose ist langwierig und oft mit zahlreichen Nebenwirkungen verbunden. MDR-TB- und XDR-TB-Patienten müssen häufig stationär im Krankenhaus Therapien von eineinhalb bis zwei Jahren ertragen und mindestens fünf Antibiotika und oft bis zu zwanzig Tabletten pro Tag einnehmen. Dieser Tablettencocktail kann zu schweren Nebenwirkungen wie Taubheit, Depressionen oder Psychosen sowie Nierenversagen führen. Allein schon die andauernde Übelkeit über Wochen und Monate bringt viele Patienten fatalerweise zum Abbruch der Therapie.

Neue Medikamente bleiben unerschwinglich

Nach fünfzig Jahren ohne neue Präparate gegen TB sind mit Bedaquilin und Delamanid vor Kurzem endlich zwei neue Medikamente gegen resistente Formen der Tuberkulose entwickelt worden. Jedoch sind die vielversprechenden Medikamente bis dato in vielen Ländern – gerade in denen mit der größten Anzahl an TB-Fällen – nicht registriert oder viel zu teuer. So haben mehr als zwei Jahre nach der Zulassung von Delamanid bislang gerade einmal 180 Menschen weltweit das Medikament erhalten. Während der Hersteller, das japanische Unternehmen Otsuka, den Zugang für einige ärmere Länder nun ausweiten möchte, ist der vorhergesehene Preise von 1.700 US-Dollar pro Behandlungszyklus viel zu hoch. Schon ohne dieses neue Medikament fallen Kosten zwischen 1.800 und 4.600 US-Dollar zur Behandlung von multiresistenter TB an. Ärzte ohne Grenzen fordert daher einen Richtpreis von 500 US-Dollar pro Behandlungszyklus inklusive aller notwendigen Medikamente.

Auch mit den neuen Präparaten bleibt die Behandlung gegen resistente TB aufwendig und strapaziös. Dabei sind nach wie vor die Preise für Medikamente und Diagnostika gerade für ärmere Länder deutlich zu hoch. Im Wettlauf gegen Resistenzen ist die fortwährende Entwicklung neuer und bezahlbarer Diagnose- und Therapiemöglichkeiten dringend erforderlich. Eine zunehmende dezentrale Versorgung der Patienten kann für den Behandlungserfolg eine wichtige Rolle spielen.

Publikationen zur Tuberkulose

22. März 2016

DR-TB Drugs Under the Microscope: Sources and Prices for Drug-Resistant Tuberculosis Medicines - 4th edition

Datei
PDF
Größe
632.62 KB
Herunterladen
02. Dezember 2015

Out of Step 2015 - TB Policies in 24 Countries: A survey of diagnostic and treatment practices

Datei
PDF
Größe
5.59 MB
Herunterladen

Seiten

Pressemitteilungen zur Tuberkulose

Artikel zur Tuberkulose

Seiten