Jemen

Mindestens zehn Kinder und eine Lehrkraft auf dem Schulweg getötet

Bei einem Angriff in der jemenitischen Stadt Tais wurden am Dienstag, 19. Januar 2016, mindestens zehn Kinder und eine Lehrkraft getötet und drei weitere Kinder verletzt. Die Schulgruppe war offenbar auf dem Nachhauseweg als sie von einem Luftschlag getroffen wurde. Das Team von Ärzte ohne Grenzen in Tais behandelte zwei der verletzten Kinder. Lesen Sie hier den Augenzeugenbericht von Michele Trainiti, unserem Projektkoordinator in Tais:

„Wir erreichten die Gegend Al Hurair, im Viertel Al Houban in Tais, am Dienstag, nachdem wir von einer Kontaktperson einen Anruf erhalten hatten. Man sagte uns, bei einem Luftschlag seien Kinder und eine Lehrkraft getroffen worden und bat uns um Hilfe bei der Versorgung der Verwundeten.

Wir eilten zum Unglücksort nahe der Frontlinie, um den Verletzten zu helfen. Die Mütter zweier verwundeter Mädchen und weitere Augenzeugen berichteten, dass bei einem Luftangriff, der vermutlich einem Panzer in Al Houban gegolten habe, zehn Kinder und eine Lehrkraft getötet und drei Menschen verletzt worden seien. Anscheinend waren die Kinder auf dem Weg von der Schule nach Hause als der Angriff begann.

Eine Mutter sagte: ‚Die Kinder liefen auf dem Heimweg an einem Panzer vorbei. Dann hörten sie das heulende Geräusch einer Bombe. Es gab eine starke Explosion, und die Kinder wurden in die Luft geschleudert. Meine Tochter Aisha kann sich nicht erinnern, was danach geschah.‘

In Al Hurair kommt es immer wieder zu schweren Gefechten. Bei unserem Eintreffen sahen wir, dass das Gelände unbebaut ist. Da war nur der brennende Panzer und überall lagen verbrannte Schulhefte und Papierfetzen. Anwohner sagten uns, man habe die verwundeten Kinder zur Klinik in Al Rufai gebracht.

Auf dem Weg zum Krankenhaus begegneten wir zwei Familien mit zwei verletzten Mädchen, die nach der Entlassung aus dem Krankenhaus auf dem Weg nachhause waren. Die Kinder hatten noch überall Blut. Sie waren bei der Explosion durch Splitter verletzt worden, hatten starke Schmerzen und eines der Mädchen stand unter Schock. Im Gespräch mit den Familien stellte sich heraus, dass die Kinder keine Tetanus-Impfung erhalten hatten. Daher entschieden wir, die beiden verletzten Mädchen in das Mutter-Kind-Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Tais zu überweisen.

Die Mädchen blieben zur Beobachtung über Nacht im Krankenhaus und wurden dann in das Golf-Krankenhaus überwiesen, das eine gute chirurgische Abteilung hat. Die 13-jährige Aisha hat eine Fraktur am Fuß und muss operiert werden, um die Blutungen im linken Bein zu stoppen. Die 7-Jährige Ashjan hatte einen großen Fremdkörper im Knie, der über die Rückseite des Oberschenkels eingedrungen ist und operativ entfernt werden musste. Die Mütter sind sehr besorgt über den Zustand ihrer Töchter. Ein weiteres trauriges Beispiel für das Leiden Unschuldiger in einem rücksichtlos geführten Krieg.“