Tuberkulose

Untersuchung eines Patienten mit Tuberkulose in Nukus, Usbekistan. Wie die Krankheit sich äußert und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, erfahren Sie in unserem Video.
Foto: Donald Weber/VII

Inhaltsübersicht

 

Was ist Tuberkulose und wie entsteht sie?

Mit zehn Millionen Neuinfektionen allein im Jahr 2018  gehört die Tuberkulose (TBC oder TB) zu den bedeutendsten Infektionskrankheiten weltweit. 1,5 Millionen Menschen sind 2018 daran verstorben. Jeder Dritte weltweit ist nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit dem Erreger infiziert.  So tragen etwa zwei Milliarden Betroffene die Tuberkulose-Keime in sich. Die meisten TB-Infizierten haben aber keine Symptome und in diesen Fällen droht keine Ansteckung.

Expert*innen sprechen dennoch von einer Tuberkulose-Epidemie. Sie ist durch eine veraltete Diagnose und Behandlung und das Fehlen eines wirksamen Impfstoffs schwer zu kontrollieren.  Allein mehr als zehn Millionen Menschen erkranken jährlich an einer aktiven TB. Von ihnen geht die Gefahr einer Ansteckung aus. Zudem entwickelten zum Beispiel 2018 fast eine halbe Million Menschen eine resistente, schwer behandelbare Tuberkulose.  Die meisten Infizierten haben gar keinen Zugang zu Diagnose oder Behandlung.

Wie erfolgt die Ansteckung mit Tuberkulose?

TB ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch Mykobakterien-Stämme verursacht wird – vornehmlich das sogenannte Mycobacterium tuberculosis. Die Ansteckung mit den Tuberkulose-Bakterien erfolgt über die Atemwege. Die Tuberkulosepartikel werden von Patient*innen als Tröpfchen abgehustet. Über die Luft gelangen sie in die Atemwege anderer Menschen. Es dauert sechs bis acht Wochen, bis das Immunsystem messbar auf die Ansteckung reagiert. Experten sprechen von Inkubationszeit.

TBC-Risikogruppen

Weltweit trägt jeder Dritte die Bakterien in sich. Die TB bricht aber nur bei etwa jedem zehnten bis zwanzigsten aus: Eine aktive Tuberkulose droht vor allem Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. Meist leben sie in Regionen, in denen Krieg herrscht oder die Gesundheitsversorgung und hygienischen Bedingungen schlecht sind. Besonders betroffen von einer aktiven TB sind zudem Patient*innen mit Mangelernährung oder einer HIV-Infektion. Ein erhöhtes Risiko für eine aktive Tuberkulose haben auch Kinder unter fünf Jahren, Ältere sowie Menschen in Gefängnissen, Flüchtlingslagern, Slums oder Regionen mit hoher TB-Rate.

Welche Symptome haben an Tuberkulose erkrankte Patient*innen?

Tuberkulose ist zunächst eine Lungenerkrankung. Die aktive Tuberkulose äußert sich durch Symptome wie:
•    anhaltender, hartnäckiger Husten
•    blutiger Auswurf
•    Brustschmerzen
•    Atemnot
•    Kurzatmigkeit

Zudem sind Betroffene stark geschwächt, verlieren Gewicht, haben Nachtschweiß und Fieber. TB kann prinzipiell jedes Organ befallen, so beispielsweise auch die Knochen oder das Nervensystem.

Kann man der Tuberkulose vorbeugen?

Die Ansteckung erfolgt über eine Tröpfcheninfektion durch die Luft. Jeder nahe Kontakt zu Betroffenen mit aktiver Tuberkulose birgt ein erhöhtes Risiko, nach der Inkubationszeit selbst eine latente Infektion ohne Symptome oder eine aktive TB zu entwickeln.

Typische Orte der Ansteckung mit einer aktiven TB sind:
•    überfüllte Räume in Gemeinschaftsunterkünften
•    Haushalte mit wenig Platz und schlechter Belüftung
•    gemeinsame Arbeitsplätze mit Patient*innen
•    Gesundheitseinrichtungen
•    Krankenhäuser

Wer einer Ansteckung vorbeugen will, sollte zum Beispiel nicht in einem Raum mit Patient*innen mit aktiver TB schlafen. Zudem schützen Operations- oder Schutzmasken, die Tuberkulosepartikel aus der Luft filtern. In Gesundheitseinrichtungen sollten Patient*innen mit Symptomen schnell diagnostiziert und behandelt werden. Das senkt das Risiko von Mitpatient*innen für eine Ansteckung. Außerdem sind effektive Belüftungssysteme in Krankenhäusern wichtig. Ärzte ohne Grenzen macht in fast allen Projekten Hausbesuche bei TB-Patient*innen, um ihnen Hinweise für eine angemessene Belüftung zu geben.

Medikamentöse Prävention der TB

Für abwehrgeschwächte Patient*innen lohnt eine vorbeugende medikamentöse Behandlung. Betroffene erhalten für drei bis sechs Monate die sogenannte Isoniazid-Präventionstherapie (IPT). Obwohl viel mehr Patient*innen von der IPT profitieren könnten, haben bisher zu wenige Zugang.

Die IPT eignet sich für:
•    Menschen mit HIV ohne aktive TB,
•    für Schwangere,
•    für Mitbewohner von TB-Patient*innen,
•    für Kleinkinder in Haushalten mit TB-Kranken,
•    für Personal, das mit TB-Kranken arbeitet.

In der Projektarbeit in Tadschikistan versucht Ärzte ohne Grenzen zurzeit, solche Menschen möglichst früh in ihrem Umfeld ausfindig zu machen und zu behandeln, bevor sie Symptome entwickeln.

Wie wird Tuberkulose diagnostiziert?

In ärmeren Ländern wird die aktive Tuberkulose meist mit einem Test diagnostiziert, der nach Erregern in dem schleimigen Sekret der Atemwege unter dem Mikroskop oder in einer Bakterienkultur sucht. Der veraltete Test dauert bis zu acht Wochen, braucht geschultes Fachpersonal und ein Labor.  Bei Kindern und HIV-Infizierten reicht oft das Sputum nicht. Der Test erfasst weniger als die Hälfte aller Fälle.

Treffsicherer und innerhalb von zwei Stunden liefert die Diagnose ein neuer molekularer Test namens GeneXpert MTB/RIF. Er weist auch bestehende Resistenzen nach. Ärzte ohne Grenzen setzt den molekularen Test in den meisten Projekten ein. Er ist sehr teuer und braucht eine zuverlässige Stromversorgung und ausreichend Sputum der Patient*innen. Kombiniert mit einem Urintest kann er TB bei HIV-Patient*innen diagnostizieren.

Wie sieht die Tuberkulose-Behandlung aus?

Im Jahr 2018 behandelte Ärzte ohne Grenzen rund 19.400 TB-Patient*innen. Die medikamentenempfindliche TB-Therapie dauert mindestens sechs Monate. Die meisten Arzneimittel sind jedoch veraltet und schlecht verträglich. Die herkömmliche Behandlung kann nur rund jeden Zweiten heilen.  

Resistenzen gegen Antibiotikatherapie

Zudem treten immer mehr Resistenzen auf:
1.    Wenn Patient*innen gegen zwei der Antibiotika der ersten Therapielinie resistent sind, gelten sie als multiresistente TB-Fälle (MDR-TB).
2.    Die Behandlung der MDR-TB kann bis zu zwei Jahre dauern und schwere Nebenwirkungen wie Depressionen, Psychosen oder Nierenversagen verursachen.  
3.    Entwickeln Patient*innen neben der MDR-TB auch Resistenzen gegen die Medikamente der zweiten Therapielinie, spricht man von einer extrem resistenten Tuberkulose (XDR-TB). Die Therapieoptionen sind sehr begrenzt.

Seit wenigen Jahren gibt es drei neue, besser verträgliche Medikamente.:
•    Bedaquilin
•    Delamanid
•    Pretomanid

Bisher erhalten jedoch zu wenige Menschen die lebensrettende Behandlung: 2016 bekam zum Beispiel nur etwa jeder achte MDR-TB-Betroffene die Arzneien Bedaquilin und Delamanid. Seit 2018 werden beide Wirkstoffe von der WHO für die Behandlung von resistenten TB-Formen empfohlen.

Was tut Ärzte ohne Grenzen gegen Tuberkulose?

2018 behandelte Ärzte ohne Grenzen in 25 Ländern Betroffene mit Tuberkulose. Schwerpunkt der Arbeit lag auf Ländern mit einer hohen TB-Verbreitung wie Indien, der Russischen Föderation und Südafrika sowie auf Regionen mit eingeschränktem Zugang wie beispielsweise Papua-Neuguinea. Die Strategie besteht darin, möglichst viele Menschen einfach und rechtzeitig zu diagnostizieren und zu behandeln. Statt Patient*innen stationär in Kliniken einzuweisen, werden möglichst viele TB-Kranke ambulant und in gemeindebasierten Projekten betreut. Ziel ist der Zugang auch für Menschen in:
•    chronischen Konfliktzonen
•    Flüchtlingslagern
•    Slums
•    Gefängnissen
•    abgelegenen Gebieten

Zudem setzt sich Ärzte ohne Grenzen dafür ein, dass:
•    in klinischen Studien neue Medikamente kombiniert werden,
•    Therapien verträglicher werden,
•    mehr Menschen Zugang zu der neuen Behandlung haben,
•    die Kosten der Behandlung gesenkt werden.

Tuberkulose gehört zu den vernachlässigten Krankheiten, in deren Erforschung unzureichend investiert wird, da sie hauptsächlich Menschen in ärmeren Ländern betrifft. Die Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen setzt sich für eine Veränderung dieser Situation ein.

In welchen Einsatzländern behandelt Ärzte ohne Grenzen Tuberkulose?