Schlafkrankheit

Unbehandelt verläuft die Schlafkrankheit (Trypanosomiasis) tödlich. Hier testen unsere Mitarbeiter einen Mann im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo.

Inhaltsübersicht

 

Was ist die Schlafkrankheit?

Die afrikanische Schlafkrankheit, auch als Westafrikanische Schlafkrankheit bezeichnet, ist eine infektiöse Tropenerkrankung. Expert*innen sprechen von „Humane Afrikanische Trypanosomiasis“ (HAT). Die Erreger werden durch den Stich der Tsetsefliege übertragen. Die Schlafkrankheit betrifft vor allem das Lymph- und Nervensystem. Unbehandelt verläuft sie tödlich. In den letzten 20 Jahren sind immer weniger Menschen erkrankt, die Erkrankungszahlen sanken um 95 Prozent: von 28.000 im Jahr 1999 auf 1.450 im Jahr 2017.*

Wie steckt man sich mit der Schlafkrankheit an?

Die Erreger der Schlafkrankheit werden durch die tagaktive, blutsaugende Tsetsefliege auf den Menschen übertragen. Die Tsetsefliege kommt in Feuchtgebieten wie Flussläufen oder Sümpfen und seltener in trockenen Savannenlandschaften vor. Ihre Stiche sind schmerzhaft und gehen durch die Kleidung. Pro Stich überträgt das Insekt mehrere tausend Erreger.

Die Ursache der Schlafkrankheit

Die Ursache der Schlafkrankheit sind einzellige Parasiten namens Trypanosoma. Es gibt, je nach Region, zwei Unterarten: In West- und Zentralafrika überträgt der Parasit Trypanosoma brucei gambiense die Schlafkrankheit, in Ostafrika ist es der Trypanosoma brucei rhodesiense. Sind die Parasiten erst einmal im menschlichen Körper, verteilen sie sich über den Blutkreislauf und vermehren sich. Das Immunsystem kann die Fremdlinge schwer erkennen und bekämpfen, denn die Parasiten verändern ständig ihre Oberfläche.

Welche Symptome haben Patient*innen mit der Schlafkrankheit?

Die Symptome der Schlafkrankheit sind, je nach Phase, unterschiedlich. Die Phase 1 ist durch unspezifische Symptome gekennzeichnet:

  • Fieber
  • Schwäche
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Lymphknotenschwellungen

In der Phase 2 greifen die Erreger vor allem das Nervensystem an. Das äußert sich in Form von:

  • Schlafstörungen
  • Krampfanfällen
  • Erschöpfung
  • Verwirrung

In der Phase 3 erreichen die Parasiten das Gehirn und Rückenmark. Es folgen:

  • schwere neurologische Schäden
  • schwere Schlafstörungen
  • Umkehr des Schlaf-Wachrhythmus
  • ein Dämmerzustand ähnlich einem Koma

Wie erfolgt die Diagnose der Schlafkrankheit?

Die Diagnose der Trypanosomiasis stellen Ärzt*innen durch den mehrfachen Labornachweis der Parasiten im menschlichen Körper. Das Probenmaterial gewinnen sie aus

  • Blutabnahmen,
  • Einstichstellen,
  • Gehirnwasser, gewonnen durch die Punktion des Rückenmarkkanals.

Verbreitung der Schlafkrankheit

Die Schlafkrankheit tritt vor allem in der Subsahara in Afrika auf – betroffen sind besonders die Menschen in Feuchtgebieten und Savannen in Ost- und Südafrika. Insgesamt sind rund 77 Millionen Menschen gefährdet. Die Schlafkrankheit zeigt sich beispielsweise in Ländern wie:

  • Zentralafrikanische Republik
  • Elfenbeinküste
  • Demokratische Republik Kongo
  • Guinea
  • Tansania
  • Uganda
  • Tschad
  • Malawi

Wie wird die Schlafkrankheit behandelt?

Die Schlafkrankheit kann weder geheilt werden noch kann man ihr vorbeugen. Ärzt*innen behandeln die Symptome medikamentös:

  • Bis 2009 erhielten Patient*innen aus Mangel an Alternativen das arsenhaltige Medikament Melarsoprol.
  • Seit 2009 gibt es eine Kombinationstherapie aus Nifurtimox und Eflornithin (NECT). NECT ist von Ärzte ohne Grenzen, Drugs for Neglected Diseases Initiative (DNDi) und Epicentre entwickelt worden.
  • Seit 2018 ist der von DNDi entwickelte Wirkstoff Fexinidazol zugelassen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur empfiehlt Fexinidazol als erste rein orale Behandlung, die also über Tabletten funktioniert.
  • Ab 2021 erwarten Expert*innen die Einreichung des Zulassungsdossiers eines weiteren oralen Wirkstoffs Acoziborol bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur.* Ärzte ohne Grenzen gehört zu den Gründungspartnern von DNDi.

Was tut Ärzte ohne Grenzen gegen die Schlafkrankheit?

Im Jahr 2018 hat Ärzte ohne Grenzen 80 Menschen mit Schlafkrankheit behandelt. Mobile Teams reisten dazu unter anderem in abgelegene Dörfer, um Patient*innen ausfindig zu machen und rechtzeitig medikamentös zu behandeln.

Die Schlafkrankheit gehört zu den vernachlässigten Krankheiten, in deren Erforschung unzureichend investiert wird, da sie hauptsächlich Menschen in ärmeren Ländern betrifft. Die Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen setzt sich für eine Veränderung dieser Situation ein.

In welchen Einsatzländern bekämpft Ärzte ohne Grenzen die Schlafkrankheit?

 

Quelle:
* Drugs for neglected diseases initiative - Bericht zur Behandlung der Schlafkrankheit