Noma

Ein Mann bedeckt sein Gesicht mit einem Tuch, um Gewebeschäden zu verdecken, die von Noma verursacht wurden.

Noma ist eine Krankheit, die weitgehend unbekannt ist. Sie tritt vor allem in der afrikanischen Sahel-Zone bei Menschen auf, die von extremer Armut betroffen sind. Die bakterielle Erkrankung ist nicht ansteckend. Sie beginnt mit einer Entzündung des Zahnfleisches und breitet sich von dort innerhalb kürzester Zeit auf Wangen und Kieferknochen aus. Dabei wird Haut- und Knochengewebe unwiederbringlich zerstört. Abhängig vom Ausgangspunkt der Entzündung können in der Folge Lippen, Kieferknochen, Nase und manchmal auch die Augen betroffen sein. Die so entstehenden Gewebeschäden können Nahrungsaufnahme, Sprechen, Sehen und Atmen erheblich beeinträchtigen.

Krankheit der Armen

Noma ist unbehandelt lebensgefährlich. Am häufigsten erkranken Kinder unter fünf Jahren, die in Armut und unter unzureichenden hygienischen Bedingungen leben. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind jährlich etwa 140.000 Kinder betroffen. Die Sterblichkeitsrate wird auf 90 Prozent geschätzt. Überlebende müssen für immer mit den schlimmen psychischen und sozialen Folgen dieser Krankheit leben: Die unübersehbaren Spuren von Gewebeschäden im Gesicht rufen bei Mitmenschen vielfach Ablehnung und Angst hervor. Menschen, die Noma überlebt haben, bleibt daher oft keine andere Wahl als sich komplexen chirurgischen Eingriffen zu unterziehen. 

Dabei ist Noma eine Krankheit, die leicht behandelt werden kann. Wenn sie rechtzeitig erkannt wird, lässt sie sich erfolgreich mit Antibiotika stoppen. Doch in den afrikanischen Ländern, in denen die Krankheit heute noch vorkommt, geschieht dies aus verschiedenen Gründen in den wenigsten Fällen. In den meist abgelegenen Regionen weiß man zu wenig über diese Krankheit und wie man sie behandeln kann. Oft leben Betroffene viele Kilometer von der nächsten medizinischen Einrichtung entfernt. Und selbst wenn Noma diagnostiziert werden kann, ist es für viele unmöglich, die Medikamente zu bezahlen. 

Seit 2014 unterstützt Ärzte ohne Grenzen die Kinderklinik in Sokoto im Nordwesten von Nigeria. Die Einrichtung ist eines der wenigen Krankenhäuser weltweit, das sich ausschließlich der Behandlung von Noma widmet. Betroffene erhalten dort kostenlose Hilfe. Von dort aus koordinieren unsere Teams vielfältige Aktivitäten in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium. Wir informieren die Menschen in den Gemeinden über Noma, suchen mit mobilen Teams gezielt nach Erkrankten und bieten psychologische Hilfe für Betroffene und ihre Familien an. Viermal jährlich entsenden wir Spezialistinnen und Spezialisten für Gesichts-, Kiefer- und plastische Chirurgie und Anästhesie sowie Pflegepersonal in die Klinik. 2017 haben wir in Sokoto 243 Patientinnen und Patienten insgesamt 301-mal operiert.