Masern

Mit Masern-Impfkampagnen versuchen wir, den Ausbruch der ansteckenden Krankheit zu verhindern. Mehr Infos zur Ansteckung und Behandlung erfahren Sie in unserem Video.
Foto: Anna Surinyach

Inhaltsübersicht

 

Was sind Masern und wie entstehen sie?

Masern sind extrem ansteckend und stellen eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten dar, vor allem für Menschen in ärmeren Regionen. Die Virusinfektion ist in Ländern mit schwachen Gesundheitssystemen eine der häufigsten Todesursache. Allein im Jahr 2017 starben weltweit noch 110.000 Menschen an Masern. Besonders gefährdet sind Kinder jünger als fünf Jahre, die nicht geimpft und mangelernährt sind. Es gibt keine Behandlung gegen Masern. Der beste Schutz ist eine kostengünstige, wirksame und sichere Impfung. In Industrieländern erholen sich Infizierte meist innerhalb von zwei bis drei Wochen. 

Wie verbreiten sich Masern?

Masern werden durch ein Virus aus der Familie der Paramyxoviren verursacht. Die Erreger werden von Mensch zu Mensch übertragen. Die Ansteckung mit Masern erfolgt entweder durch den engen, persönlichen Kontakt. Oder wenn Infizierte ihr infiziertes Nasen- oder Rachensekret zum Beispiel beim Sprechen, Husten oder Niesen über Tröpfchen durch die Luft an andere Menschen weitergeben. Das Virus gelangt über die Atemwege in den Körper und breitet sich überall aus.

Die Erreger sind hochinfektiös, selbst in der Luft oder auf infizierten Oberflächen bleiben sie bis zu zwei Stunden aktiv und ansteckend. Die Inkubationszeit – also die Zeit von der Ansteckung mit dem Erreger bis zum Auftreten von Symptomen – beträgt neun bis zwölf Tage. Die Zeit, in der Infizierte die Krankheit auf andere übertragen können, beträgt etwa acht Tage: vier Tage vor und vier Tage nach Auftreten erster Symptome. Masern sind eine Erkrankung von Menschen, sie kommen bei Tieren nicht vor. Wer die Krankheit übersteht, ist meist lebenslang geschützt. 

Welche Symptome haben an Masern erkrankte Patient*innen?
Masern haben eine Inkubationszeit von neun bis zwölf Tagen. Dann treten erste Symptome auf. Zu den typischen Beschwerden zählen:
•    hohes Fieber für vier bis sieben Tage,
•    Schnupfen, 
•    trockener, bellender Husten,
•    rote und tränende Augen,
•    Bindehautentzündung,
•    Lidschwellung,
•    kleine, weißrötliche Flecken in Mund und im Rachen.

Nach etwa vier Tagen zeigt sich der typische Masern-Hautausschlag. Die rotvioletten, unregelmäßig begrenzten, größeren Flecken beginnen hinter den Ohren, am Hals und im Gesicht. Im Laufe von etwa drei Tagen breitet sich der Ausschlag über den Körper aus und erreicht schließlich die Hände und Füße. Der Hautausschlag tritt meist 14 Tage nach dem Kontakt mit dem Virus auf und hält dann fünf bis sechs Tage an.  

Komplikationen bei Masern

Vor allem bei Kleinkindern und Erwachsenen älter als 20 Jahren kann es durch Masern zu schweren Komplikationen kommen. Meist sind die Betroffenen schlecht ernährt, leiden unter Vitamin-A-Mangel oder haben durch HIV/Aids oder andere Krankheiten ein geschwächtes Immunsystem. Auch Schwangere haben ein hohes Risiko für Komplikationen – nicht selten endet die Schwangerschaft trotz Therapie der Symptome in einer Früh- oder Fehlgeburt. Komplikationen sind die häufigste Ursache, wenn Masern zum Tod führen. In Bevölkerungsgruppen, die mangelernährt sind und die unzureichend medizinisch und hygienisch versorgt werden, endet eine Erkrankung an Masern trotz Therapie der Beschwerden in zehn bis 20 Prozent tödlich.

Zu den Komplikationen zählen: 
•    schwere Atemwegsinfektionen, 
•    Lungenentzündung,
•    Erblindung, 
•    Mundgeschwüre,
•    Gehirnentzündung (Masernenzephalitis), 
•    schwerer Durchfall und damit verbundene Austrocknung (Dehydrierung), 
•    Ohrinfektionen.

Wie werden Masern diagnostiziert?

Die Diagnose Masern stellen Experten klinisch, das heißt anhand der Symptome. Die Patienten müssen während drei Tagen Fieber haben und mindestens eines der drei „K-Symptome“ aufweisen: 
•    Husten, Schnupfen (Katarrh), 
•    Augenentzündung (Konjunktivitis)  
•    weiße, kalkspritzerartige Flecken im Mund und Rachen (Koplik-Flecken)

Der Nachweis eines Masern-Ausbruchs erfordert eine Laborbestätigung. Dabei werden spezifische Antikörper gegen das Masern-Virus nachgewiesen. Da die Masern-Erreger hoch infektiös sind und sich so schnell ausbreiten, gilt in überfüllten oder geschlossenen Einrichtungen wie Flüchtlings- und Vertriebenenlagern oder Waisenhäusern bereits ein einziger bestätigter Masernfall als Ausbruch.

Sind Masern eine Kinderkrankheit?

Masern können jeden treffen, der nicht geimpft ist oder der die Erkrankung noch nicht durchgemacht hat. Das Alter spielt keine Rolle, sowohl Kinder als auch Jugendliche oder Erwachsene ohne Immunität bekommen Masern. Da das Virus jedoch hoch ansteckend ist, erkrankten früher die meisten Betroffenen bereits im Kindesalter daran. In den Industrienationen werden Masern daher bis heute häufig als Kinderkrankheit bezeichnet. In den Industrienationen sind heute die meisten Kinder gegen Masern geimpft, daher stecken sich hier eher Jugendliche und Erwachsene an. In ärmeren Regionen mit schwachen Gesundheitssystemen sind vor allem mangelernährte Kleinkinder durch Masern und die damit einhergehenden Komplikationen gefährdet.   

Gibt es eine Behandlung bei Masern?

Es gibt keine spezifische antivirale Behandlung für Masern. Patient*innen werden symptomatisch behandelt. Die Therapie besteht darin, dass die erkrankten Betroffenen Medikamente gegen ihre Beschwerden erhalten. 
•    Fieber und virale Entzündungen zum Beispiel im Mund werden mit Schmerz- und Fiebersenkern gelindert.
•    Menschen mit Eiweißmangel erhalten Eiweißinfusionen. 
•    Menschen mit Flüssigkeitsmangel (Dehydrierung) erhalten Flüssigkeit und Lösungen mit lebenswichtigen Substanzen, die bei Durchfall oder Erbrechen verlorengehen.
•    Augen-, Ohren- und Lungenentzündung behandeln Experten mit Antibiotika.
•    Erkrankte Kinder in ärmeren Ländern erhalten Vitamin-A-Zusätze. Die Präparate verhindern Augenschäden und Blindheit und können die Zahl der Todesfälle durch Masern deutlich reduzieren.
•    Eine gute Ernährung und ausreichend Flüssigkeit unterstützen die Therapie der Komplikationen.

Besondere Risikogruppen

Prinzipiell kann sich jeder Mensch mit Masern anstecken, der noch nicht gegen das Virus geimpft ist oder noch keine Masern hatte. In Industrieländern sind viele Menschen geimpft – die Krankheit tritt nur noch selten auf. Masern sind aber auch hier nicht verschwunden. In ärmeren Regionen wie beispielsweise in Teilen Afrikas und Asiens sind Masern hingegen weit verbreitet. Dort
•    ist die medizinische Versorgung oft unzureichend. Eine routinemäßige Impfung wird oft gestört.
•    herrschen Krieg, Vertreibung oder Naturkatastrophen. In überfüllten Flüchtlingslagern, Kliniken oder Gemeinschaftshaushalten ist das Infektionsrisiko erhöht.
•    ist Mangelernährung an der Tagesordnung.

Ein Masern-Ausbruch kann unter diesen Umständen besonders gefährlich sein. 95 Prozent der Todesfälle treten in Ländern mit niedrigem Pro-Kopf-Einkommen und schwacher Gesundheitsinfrastruktur auf. Besonders gefährdet für Masern und die damit einhergehenden Komplikationen sind ungeimpfte Kleinkinder und ungeimpfte Schwangere sowie Menschen, deren Immunabwehr zum Beispiel durch Vitamin-A-Mangel, Mangelernährung oder HIV geschwächt ist. 

Schützt eine Impfung vor Masern?

Der beste Schutz vor Masern ist eine Impfung. Der Impfstoff ist seit mehr als 50 Jahren zugelassen. Es gibt ihn als Einzelimpfstoff oder kombiniert mit der Röteln- und Mumpsimpfung (MMR). Die Masern-Impfung ist wirksam, sicher und preiswert: Pro Kind kostet sie etwa einen US-Dollar. 

Nebenwirkungen der Masern-Impfung

Die Impfung gegen Masern ist gut verträglich. Das körpereigene Immunsystem reagiert auf den Impfstoff, indem es Antikörper bildet. An der Einstichstelle kann es daher kurz nach der Impfung vorübergehend zu Schmerzen, einer Rötung oder Schwellung kommen. Mitunter kommt es in den ersten drei Tagen nach der Impfung kurzfristig zu:
•    Kopfschmerzen
•    Fieber
•    Frösteln
•    Mattigkeit
•    Magen-Darm-Beschwerden

Der Masern-Impfstoff enthält abgeschwächte lebende Masern-Viren. Bei zwei bis fünf von 100 Geimpften treten daher eine bis vier Wochen nach der Impfung die sogenannten „Impfmasern“ auf. Impfmasern sind nicht ansteckend. Sie können zu folgenden Beschwerden führen:
•    Masernähnlicher Hautausschlag,
•    Schwellung der Ohrspeicheldrüse,
•    Schwellung der Hoden,
•    Schmerzen in den Gelenken.

Schwere Nebenwirkungen wie zum Beispiel allergische Reaktionen sind selten. In Einzelfällen wurden Gehirnentzündungen nach der Impfung festgestellt. Bisher konnte aber kein Zusammenhang mit der Impfung nachgewiesen werden. Die Risiken der Impfung sind deutlich geringer als die der Masernerkrankung selbst. 

Impfkampagnen gegen Masern

Vor allem mangelnährte, nicht geimpfte Kleinkinder in ärmeren Regionen sind durch Masern und deren Komplikationen gefährdet. Die routinemäßige Impfung von Kindern sowie Massenimpfkampagnen zählen daher zu den wichtigsten und wirksamsten Strategien des öffentlichen Gesundheitswesens, um die weltweiten Todesfälle durch Masern zu reduzieren. Durch groß angelegte Impfkampagnen konnte die Zahl der Erkrankungen und Todesfälle deutlich verringert werden: 
•    Im Jahr 2000 wurden weltweit rund 73 Prozent aller Kinder jünger als ein Jahr gegen Masern geimpft. Es starben 651 600 Menschen an den Folgen von Masern. 
•    2015 wurden schon 85 Prozent aller Kleinkinder gegen Masern geimpft. Die Todesfälle konnten in diesem Zeitraum um 79 Prozent gesenkt werden, es starben 134 200 Menschen
•    Die Impfung hat im Zeitraum von 2000 bis 2015 somit geschätzt 20,3 Millionen Menschen vor dem Tod bewahrt. 
•    Zum Vergleich: Allein im Jahr 1980 – als die Impfung noch nicht so weit verbreitet war – gab es jährlich geschätzt 2,6 Millionen Todesfälle durch Masern. 

Wie entstehen Masern-Ausbrüche?

Es gibt eine sichere, wirksame und günstige Impfung gegen das Masernvirus. Großangelegte Impfkampagnen in ärmeren Ländern haben damit die Anzahl der Kranken und Todesfälle drastisch verringert. Dennoch sind immer noch Millionen Menschen dem Erreger ausgeliefert, weil sie nicht geimpft sind. Vor allem in ärmeren Regionen mit schwachen Gesundheitssystemen kommt es immer wieder zu Masern-Ausbrüchen. Die Folge der rasanten Ausbreitung des Virus führt zu regelrechten Epidemien mit vielen Todesfällen. Gefährdet dafür sind vor allem mangelernährte, nicht geimpfte Kinder jünger als fünf Jahre und nicht geimpfte Schwangere.

So schätzt beispielsweise die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass die Masern-Fälle allein zwischen den Jahren 2018 und 2019 wieder um 700 Prozent zugenommen haben. Die deutliche Zunahme an Masern liegt unter anderem daran, dass die Impfkampagnen zum Beispiel in Ländern wie Tschad, Niger und Nigeria beeinträchtigt worden sind – und es so zu erneuten Masern-Ausbrüchen kommen konnte. 

Um Masern-Ausbrüche zu verhindern, müssen mindestens 95 Prozent der Bevölkerung immun sein. Das heißt, sie müssen geimpft sein oder die Erkrankung durchgemacht haben. Dann können sich die Erreger nicht weiter ausbreiten. So werden auch zum Beispiel Babys, die noch zu jung sind für eine Impfung oder chronisch Kranke, die nicht geimpft werden dürfen, ohne eigene Impfung vor Masern geschützt. Experten sprechen von Herdenimmunität.

Gründe für anhaltende Masern-Ausbrüche

Es gibt mehrere Gründe, warum die Impfraten in vielen Ländern mit schwachem Gesundheitssystem unzureichend sind, obwohl es einen sicheren, wirksamen und selbst für ärmere Regionen erschwinglichen Impfstoff gibt – und es folglich immer wieder zu Ausbrüchen kommt:
1.    Es fehlen medizinische Frühwarnsysteme, um bei einem Ausbruch frühzeitig zu reagieren und die Ausbreitung des Virus einzudämmen.
2.    Nicht selten gibt es Engpässe bei den Lagerbeständen des Masernimpfstoffs sowie logistische Probleme bei der Auslieferung.
3.    Der Impfstoff muss solange gekühlt werden, bis er den Menschen verabreicht wird. In Ländern mit heißem Klima ist durch logistische Probleme oft die Kühlkette unterbrochen.
4.    Der Impfstoff muss den Menschen gespritzt werden. Oft gibt es dazu jedoch zu wenig geschultes Gesundheitspersonal. 
5.    Für eine lebenslange Immunität empfehlen Experten zwei Impfdosen. Nicht selten wird jedoch nur eine Dosis verabreicht. Betroffene sind dann nicht vollständig gegen Masern immun.
6.    Babys dürfen frühestens ab dem sechsten Monat geimpft werden. Leben sie in Vertriebenenlagern, mit HIV oder sind einem Ausbruch ausgesetzt, sollten die Säuglinge mit sechs Monaten jedoch unbedingt die erste Dosis erhalten.
7.    Bewaffnete Konflikte und Vertreibungen führen dazu, dass Gesundheitssysteme in manchen Regionen komplett lahmgelegt sind. Die routinemäßige Impfung kommt dann zum Erliegen.
Was tut Ärzte ohne Grenzen gegen Masern?

Großangelegte und rechtzeitige Impfkampagnen zählen in ärmeren Regionen zu den wirksamsten Maßnahmen, um die Zahl der Erkrankungen, der Komplikationen und Todesfälle durch Masern drastisch zu reduzieren. Denn die Impfung ist der beste Schutz gegen Masern. Eine wirksame, spezifische Behandlung gibt es nicht. Selbst wenn sich die Erreger in einer Region bereits ausgebreitet haben und bereits viele Menschen an Masern erkrankt sind, können besonders gefährdete Risikogruppen noch durch eine Immunisierung geschützt werden – und die Zahl der Infektionen und deren Folgen effektiv verringert werden. Ärzte ohne Grenzen begegnet der Gefahr von Masern-Ausbrüchen und nachfolgenden Epidemien seit vielen Jahren. Die Teams 

•    impfen gefährdete Kinder während Massenkampagnen. 
•    impfen während Massenkampagnen in Gebieten, in denen die Durchimpfungsrate gering und die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs hoch ist.
•    stellen in Ländern mit akuten Konflikten, in denen die Gesundheitsversorgung gestört ist, die Durchimpfungsraten fest und unterstützen routinemäßige Impfungen als auch Impfkampagnen.
•    impfen Kinder im Rahmen der kinderärztlichen Versorgung routinemäßig.
•    pflegen und betreuen bei Ausbrüchen an Masern erkrankte Kinder, um zu verhindern, dass diese an schweren Komplikationen sterben.
•    kontrollieren bei Epidemien die Ansteckung mit dem Erreger und entsenden Teams in neue Gebiete, um die weitere Ausbreitung der hoch ansteckenden Krankheit einzudämmen. 
•    impfen Kinder bis 15 Jahre nach, die anders als empfohlen nicht vollständig durch zwei Impfdosen gegen Masern geimpft sind.
•    behandeln bei Ausbrüchen die an Masern erkrankten Kinder medizinisch in mobilen Kinderambulanzen und -kliniken.
•    versorgen betroffene Kinder mit Flüssigkeit, senken das Fieber und behandeln Komplikationen wie Entzündungen der Augen, Ohren und der Atemwege antibiotisch. 
•    versorgen Kinder mit Vitamin-A-Zusätzen. Die Präparate können Studien zufolge Todesfälle durch Masern um die Hälfte reduzieren.

Im Jahr 2019 hat Ärzte ohne Grenzen allein in der Demokratischen Republik Kongo mehr als 361.000 Kinder gegen Masern geimpft und 15.000 Patient*innen medizinisch versorgt. 
2018 haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen insgesamt 1.479.800 Menschen gegen Masern geimpft Seit 2006 hat Ärzte ohne Grenzen insgesamt fast 26 Millionen Kinder gegen Masern geimpft. 

In welchen Einsatzländern bekämpft Ärzte ohne Grenzen Masern?