Kala-Azar

Kala-Azar wird durch einen Parasiten verursacht, den die Schmetterlingsmücke überträgt. Im Projekt in Bihar, Indien behandelt Ärzte ohne Grenzen die Erkrankung und klärt über Präventionsmöglichkeiten auf.

Inhaltsübersicht

 

Was ist Kala Azar?

Kala Azar ist eine Infektionskrankheit, die durch Parasiten ausgelöst wird. Der Name kommt aus dem indischen Hindi und heißt übersetzt „Schwarzes Fieber“. Experten nennen die Krankheit auch viszerale Leishmaniose. Die viszerale Leishmaniose ist die häufigste, es gibt zwei seltenere Formen der Leishmaniose. Jährlich treten geschätzt 700.000 bis eine Million neue Fälle und etwa 26.000 bis 65.000 Todesfälle auf.*  Unbehandelt verläuft die Leishmaniose meist innerhalb von vier Monaten tödlich.

Die Leishmaniose tritt vor allem auf in Ländern wie:  

Ursachen von Kala Azar

Die Leishmaniose wird durch einzellige Parasiten verursacht. Es gibt mehr als 20 Parasitenarten. Die Erreger werden durch den Biss von infizierten weiblichen Aderhaut-Sandfliegen von Mensch zu Mensch übertragen, manchmal auch von Tier zu Mensch. Es gibt bis zu 90 verschiedene Sandfliegen. Alle ernähren sich von Blut, um Eier zu produzieren. Sind die Parasiten in den menschlichen Körper eingedrungen, vermehren sie sich und greifen das Immunsystem an.  

Zusätzliche Risiken

Die Leishmaniose ist eine Krankheit der ärmsten Menschen der Welt. Es gibt diverse Faktoren, die das Risiko für die Kala Azar-Symptome erhöhen:
•    Mangelernährung mit Mangel an Protein, Eisen, Vitamin A und Zink
•    Vertreibung
•    schlechte Wohnverhältnisse
•    schwaches Immunsystem
•    fehlende Abfallwirtschaft
•    offene Kanalisation
•    Schlafen im Freien oder auf dem Boden

Zusätzlich scheinen Umweltveränderungen die Wahrscheinlichkeit für eine Infektion mit Leishmania-Parasiten zu erhöhen:
•    Abholzung
•    Bau von Dämmen
•    Bewässerungssysteme
•    Verstädterung

Welche Symptome haben Patient*innen, die an Kala Azar erkrankt sind?

Die viszerale Leishmaniose und die beiden selteneren Formen der Leishmaniose haben verschiedene, teils unspezifische Symptome:
1.    hohes Fieber
2.    starker Gewichtsverlust
3.    Gelenkschmerzen
4.    vergrößerte Leber und Milz
5.    Blutarmut
6.    Hautläsionen wie Geschwüre oder dunkle Stellen (daher der Name „Schwarzes Fieber“)
7.    Läsionen der Nasen-, Mund- und Rachenschleimhäute

Der Tod tritt oft durch Begleiterkrankungen wie Lungenentzündung oder Durchfall auf, da die Immunabwehr der Patient*innen schwer geschwächt ist. Besonders gefährdet sind mangelernährte Menschen und HIV-Infizierte.

Wie wird Kala Azar festgestellt?

Die Diagnose der Leishmaniose ergeben die klinischen Symptome kombiniert mit verschiedenen (Schnell-)Testverfahren:
1.    direkter mikroskopischer Nachweis der Erreger aus dem Blut oder Knochenmark (parasitologischer Test)
2.    indirekter Nachweis von gebildeten Antikörpern (serologischer Test)

Vorbeugung der Leishmaniose

Wer die Übertragung der viszeralen Leishmaniose verhindern will, muss der weiteren Ausbreitung der Parasiten entgegenwirken. So lässt sich zum Beispiel die Zahl der Sandfliegen reduzieren durch
•    eine frühe Diagnose und eine frühe wirksame Behandlung,
•    den Einsatz von Insektizidsprays und Insektizid behandelten Netzen,
•    die wirksame Krankheitsüberwachung nach Ausbruch der Leishmaniose,
•    die Aufklärung der Bevölkerung über die Verbreitung der Parasiten.

Wie wird die Leishmaniose behandelt?

Die Leishmaniose behandeln Expert*innen medikamentös. Erhielten Patient*innen früher vor allem Medikamente vorwiegend aus den 1940er Jahren, haben sich die Möglichkeiten der Leishmaniose-Behandlung inzwischen deutlich verbessert.
1)    Das Medikament der ersten Wahl heißt Liposomales Amphotericin B. Es ist sicher und wird in fünf Einzeldosen verabreicht. Die Arznei wird als Infusion gegeben, sie läuft also über einen Tropf über zwei Stunden direkt in die Vene.
2)    Oft wird es mit einem zweiten Medikament namens Miltefosin kombiniert. Die Arznei nehmen die Patient*innen als Kapsel ein.
3)    Zudem gibt es weitere Medikamente wie zum Beispiel Antibiotika. Sie gelten als Reservearzneien.
4)    Expert*innen warten auf neue und einfache Möglichkeiten für die Leishmaniose Behandlung. Derzeit sind jedoch alle potentiellen Präparate Gegenstand der Forschung.**  

Was tut Ärzte ohne Grenzen gegen Kala Azar?

2018 behandelte Ärzte ohne Grenzen 9.900 Patient*innen mit viszeraler Leishmaniose.

Kala Azar gehört zu den vernachlässigten Krankheiten, in deren Erforschung unzureichend investiert wird, da sie hauptsächlich Menschen in ärmeren Ländern betrifft. Die Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen setzt sich für eine Veränderung dieser Situation ein.

 

Quelle:
*Fact Sheet der WHO zu Leishmaniasis
** Leitlinie zur Behadlung von Kala Azar der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit

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