Impfungen

Impfungen tun kurz weh, können aber Leben retten. Insbesondere bei Babys und Kindern wie diesem hier in Goma in der Demokratischen Republik Kongo, das unser Mitarbeiter gegen Masern impft.

Inhaltsübersicht

 

Warum sind Impfungen wichtig und wie wird geimpft?

Impfungen zählen zu den einfachsten und wirksamsten medizinischem Maßnahmen, um Millionen Babys, Kinder und Erwachsene vor potentiell tödlichen Krankheiten zu schützen. Vor allem für Menschen in ärmeren Ländern, in denen es immer wieder zu Ausbrüchen und Epidemien hoch ansteckender Infektionskrankheiten kommt, sind preisgünstige Impfungen überlebenswichtig. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge wurden 2016 rund 116,5 Millionen Kinder geimpft.  

Wichtig ist, dass möglichst alle Kinder in den ersten zwei Jahren, spätestens bis zum fünften Geburtstag geimpft werden. Experten sprechen von Grundimmunisierung. Es gibt Einzel- und Kombinationsimpfstoffe. Um den aufgebauten Impfschutz langfristig zu gewähren, müssen viele Impfungen nach rund zehn Jahren „aufgefrischt“ werden. Denn gerade sogenannte „Kinderkrankheiten“ wie beispielsweise Masern können bei Erwachsenen schwer verlaufen. 

Geschätzt sterben jährlich etwa zwei Millionen Kinder an Krankheiten, die durch Impfungen verhindert werden können. Impfstoffe gegen folgende Krankheiten können dazu beitragen, die hohe Kindersterblichkeit zu senken:
•    Tuberkulose 
•    Polio
•    Diphtherie
•    Tetanus
•    Keuchhusten
•    Hepatitis B
•    Haemophile Influenzae Typ B (Hib)
•    Pneumokokken 
•    Rotaviren
•    Masern
•    Gelbfieber 
•    Humane Papillomviren (HPV) 

Indirekter Schutz durch Impfungen für Kinder und ältere Menschen

Ein ausreichender Impfschutz ist nicht nur für den geimpften Einzelnen wichtig. Impfungen schützen immer auch indirekt Kinder und ältere Menschen, die wegen Allergien oder chronischen Erkrankungen nicht geimpft werden dürfen. Je mehr Menschen geimpft sind, desto geringer das Risiko, dass die Krankheit ausbricht. Dann nämlich findet der Erreger nicht mehr genug Ungeimpfte, die er noch anstecken könnte – die Krankheit verbreitet sich nicht weiter. Vor allem in ärmeren Ländern sind hohe Impfquoten ein wirksamer Schutz vor Epidemien. 

Nutzen und Risiken von Impfungen

Jedes Arzneimittel hat Wirkungen und Nebenwirkungen. So gibt es auch bei manchen Impfstoffen Risiken. Viele Menschen hierzulande sehen Impfungen daher kritisch. Ärzte ohne Grenzen spricht sich dagegen aus, alle Impfstoffe pauschal zu beurteilen. Durch die langjährigen Erfahrungen geht Ärzte ohne Grenzen davon aus, dass die Vorteile von Impfungen die Risiken deutlich überwiegen – vor allem auch in den ärmeren oder von Konflikten betroffenen Ländern, in denen die Teams arbeiten. Und zwar schon deswegen, weil die meisten Kinder im Falle einer Erkrankung keinen Zugang zu medizinischer Versorgung hätten. Außerdem sind Impfungen dort besonders wichtig, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenleben müssen. Dies ist in vielen Kontexten der Fall, in denen Ärzte ohne Grenzen arbeitet, z.B. in Flüchtlings- oder Vertriebenenlagern.  

Welche Schutzimpfungen gibt es?

Schutzimpfungen sind mit die wichtigsten Maßnahmen für eine Gesellschaft, um eine Reihe von Krankheiten in den Griff zu bekommen. Sie helfen zum Beispiel gegen

Impfung gegen Masern

Masern sind eine hoch ansteckende Viruserkrankung, für die es keine Behandlung gibt. Die einzige Möglichkeit, die Verbreitung von Masern zu verhindern, sind Impfungen. Eigentlich sollte die Infektionskrankheit bis 2020 ausgerottet sein. Doch die Zahlen der Erkrankten sind weltweit wieder deutlich gestiegen: Der WHO zufolge wurden allein im ersten Halbjahr 2019 in 182 Ländern fast 365.000 Masernfälle registriert. Damit gab es global gesehen die höchste Zahl an gemeldeten Masernfällen seit 2006 im gleichen Zeitraum.* 

Grund für die steigenden Zahlen auch in europäischen Ländern ist eine mangelnde Impfquote. Um Ausbrüche zu verhindern, müssten 95 Prozent der Bevölkerung immunisiert sein. Doch selbst in Deutschland ist die Masernimpfrate mit rund 92 Prozent nicht hoch genug. Vor allem in afrikanischen Ländern kann sich die Krankheit durch Mangelernährung und Lücken in der Gesundheitsversorgung weiter ausbreiten. Mit Impfkampagnen schützt Ärzte ohne Grenzen Babys und Kinder, die in ärmeren oder von Konflikten betroffenen Ländern leben und meist keinen Zugang zu einer dauerhaften medizinischen Versorgung haben. 

Impfung gegen Gelbfieber 

Gelbfieber ist eine Viruserkrankung, die von weiblichen Aedes-Mücken übertragen wird. Die Krankheit ist weder behandel- noch heilbar. Es gibt aber einen hochwirksamen Impfstoff. Eine einzige Dosis schützt lebenslang. Bei mangelndem Vorrat ist nachweislich schon ein Fünftel der üblichen Impfdosis wirksam. Vor allem in Afrika südlich der Sahara kommt es – wegen unzureichender Impfraten – immer wieder zu Ausbrüchen der potentiell tödlichen Erkrankung. Jedes Jahr sterben geschätzt 30.000 bis 60.000 Menschen an Gelbfieber.

Impfung gegen Cholera

Cholera ist eine akute Magen-Darm-Infektion, die durch Bakterien ausgelöst wird. Die Erreger übertragen sich durch:
•    verunreinigtes Wasser
•    kontaminierte Nahrung
•    verschmutze Oberflächen
•    Schmierinfektionen
Vor allem für abwehrgeschwächte oder mangelernährte Menschen sowie für Kinder kann die Cholera lebensbedrohlich verlaufen. Die Erkrankung kann sich schnell ausbreiten und zu Epidemien führen. Impfungen können tödliche Cholera-Epidemien wirksam eindämmen oder verhindern. Ärzte ohne Grenzen behandelte im Jahr 2016 insgesamt 26.000 Cholera-Patient*innen

Impfung gegen Meningitis

Bei der Meningitis sind die Hirnhäute entzündet, verantwortlich können Viren und Bakterien sein. Im sogenannten „Meningitis-Gürtel“ in Afrika verursachen Meningokokken regelmäßig Epidemien. Seit 2010 gibt es einen neuen Impfstoff gegen den häufigsten dieser Bakterientypen. Bis November 2017 wurden damit mehr als 280 Millionen Menschen in 21 Ländern geimpft. Die Zahl der Neuerkrankungen ging zurück, das Risiko von Epidemien konnte reduziert werden. Expert*innen warten auf die Einführung eines neuen Impfstoffs, der gegen weitere Meningokokken-Typen wirksam ist.

Impfung gegen Pneumokokken

Lungenentzündungen sind eine der häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren. Häufig sind sie durch Bakterien namens Pneumokokken verursacht. Jedes Jahr versterben etwa eine Million Kinder an der Infektion. Das müsste nicht sein – denn es gibt zwei sehr wirksame Impfstoffe. Hergestellt werden sie von den US-amerikanischen Pharmafirmen Pfizer und GlaxoSmithKline (GSK). Da die Impfstoffe jedoch sehr teuer sind, werden mehr als 55 Millionen Kinder nicht gegen Pneumokokken-Infektionen geimpft. Seit kurzem gibt es einen alternativen, günstigeren Impfstoff. Die Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen setzt sich seit zehn Jahren dafür ein, dass es einen Impfstoff zu erschwinglichen Preisen gibt, mit dem mehr Kinder geimpft werden können.** 

Wo und wen impft Ärzte ohne Grenzen?

1.    Ärzte ohne Grenzen  impft Kinder unter fünf Jahren in Basisgesundheitsprogrammen in Ländern mit niedrigen Impfraten: 2018 impften die Teams routinemäßig 412.300 Babys und Kleinkinder.
2.    Nach Ausbrüchen von Masern, Cholera, Gelbfieber und Meningitis impfen die Teams Menschen in großen Impfkampagnen, um die weitere Übertragung einzudämmen.
3.    In humanitären Notsituationen durch Vertreibung oder bei unzureichend medizinischer Versorgung impfen die Teams ebenso in großen Impfkampagnen teils Hunderttausende Menschen.
4.    Die Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen setzt sich auf politischer Ebene dafür ein, dass Menschen in ärmeren Ländern Zugang zu kostengünstigen Impfstoffen haben.

 

Quellen:
* Spiegel-Bericht über Verbreitung der Masern
** Pressemitteilung Ärzte ohne Grenzen