HIV/Aids

Unsere Krankenpflegerin Deborah prüft, ob Esther, die auf der Frauenstation des Bezirkskrankenhauses Nsanje in Malawi mit HIV diagnostiziert wurde, ihre Medikamente eingenommen hat.

Inhaltsübersicht

 

Was ist HIV, wie entsteht die Infektion?

HIV/Aids ist eine Infektionskrankheit, die durch das humane Immundefizienz-Virus (HIV) ausgelöst wird. Nach der HIV-Ansteckung verbleiben die Viren oft lange unentdeckt im Körper der Infizierten. Allmählich schwächen sie das Immunsystem. Innerhalb von etwa drei bis 15 Jahren entwickelt sich das sogenannte „erworbene Immundefektsyndrom“ (Acquired Immune Deficiency Syndrome, AIDS). Die Krankheit ist nicht heilbar, aber gut behandelbar.

•    Insgesamt leben weltweit fast 38 Millionen Menschen mit HIV, die meisten südlich der Sahara.
•    Pro Jahr haben zwei Millionen Menschen eine neue HIV-Infektion.
•    13 Millionen Menschen erhalten keine Behandlung.

Wie kommt es zu einer Ansteckung mit HIV?

Die Übertragung des HI-Virus erfolgt durch Blut und Körperflüssigkeiten, vor allem durch ungeschützten Geschlechtsverkehr und Drogenkonsum. Das HI-Virus gelangt über die Schleimhäute in den Körper. Dann schleust es seine genetischen Informationen in spezielle Immunzellen, die sogenannten T-Helferzellen, und zerstört die wichtigen Abwehrzellen. 

Entdeckung des HI-Virus

Das menschliche Immunschwäche-Virus (Human Immunodeficieny Virus, HIV) wurde erstmals 1981 in den USA entdeckt. Zwei Jahre später identifizierten französische Wissenschaftler das HI-Virus. Das HI-Virus lässt sich mit einem einfachen Bluttest nachweisen.

Welche Symptome haben Patient*innen mit HIV?

Für eine gewisse Zeit kann der Körper HI-Viren durch eigene Antikörper abwehren. Wochen bis Monate nach der HIV-Infektion zeigen sich unspezifische HIV-Symptome wie Nachtschweiß, grippeähnliche Symptome, Durchfall. Monate bis Jahre später ist das Immunsystem dauerhaft geschwächt. Die Patient*innen erkranken an für sie lebensbedrohlichen Infektionen:
•    Hefepilze (Atemwege, Scheide)
•    Gürtelrose (Herpes zoster)
•    Lungen- und Gehirnentzündungen  
•    Hautkrebs (Kaposi-Sarkom)
•    aktive Tuberkulose

Tuberkulose ist Ursache für jeden dritten Aids-Todesfall. 

Besondere Risikogruppen für eine HIV-Infektion

Viele Menschen in ärmeren Ländern, die sozial ausgegrenzt oder kriminalisiert werden oder in Krisenregionen mit unzureichender Gesundheitsversorgung leben, haben ein besonders hohes Risiko für eine HIV-Infektion. Weltweit betrifft das fast jeden zweiten Neuinfizierten, in Osteuropa und Zentralasien nahezu jeden. Gleichzeitig haben die Betroffenen – obwohl oft mehrfach zum Beispiel an HIV, Tuberkulose und Hepatitis C erkrankt – keinen Zugang zu einer HIV-Behandlung, Vorsorge- und Gesundheitsdienstleistungen. Zu den sogenannten Schlüsselpopulationen gehören 
•    Sexarbeiter*innen,
•    Drogenkonsument*innen
•    Männer, die Sex mit Männern haben
•    Gefangene 

Wie wird HIV/Aids behandelt?

Die regelmäßige, lebenslange Einnahme sogenannter antiretroviraler Medikamente (ARTs) ermöglicht Patient*innen mit HIV ein längeres und gesünderes Leben mit einem weitgehend normalen Alltag. Heute werden fast 25 Millionen Menschen behandelt. Die Therapie beginnt sofort nach der Diagnose. Meist erhalten die Patient*innen eine Kombination aus drei verschiedenen Medikamenten. Die ART soll das Immunsystem anhaltend stärken, das Fortschreiten der Erkrankung verhindern und dafür sorgen, dass sich keine Resistenzen bilden. Die regelmäßige Einnahme sorgt dafür, dass die Anzahl der Viren im Körper so stark reduziert ist, dass Infizierte andere Menschen nicht anstecken können.

Fehlender Zugang zu HIV-Medikamenten

Trotz weltweit großer Therapiefortschritte werden mehr als 13 Millionen HIV-Infizierte, vor allem in afrikanischen Ländern und im Nahen Osten, nicht mit ARTs behandelt. So sterben jedes Jahr fast eine Million HIV-Infizierte. Die Gründe sind:
•    Probleme bei der Versorgung mit HIV-Rohstoffen,
•    Vorräte, die nicht ausgeliefert werden,
•    Lagerausfälle,
•    Mangel an Diagnostika,
•    Unklarheiten über den Arzneimittelbedarf,
•    schwindende internationale Finanzmittel,
•    zu hohe Kosten der Alternativpräparate bei Resistenzen.

Was tut Ärzte ohne Grenzen gegen HIV?

Ärzte ohne Grenzen versorgt seit den 1990er Jahren Menschen mit HIV. Derzeit unterstützen die Teams rund 230.000 HIV-Infizierte in 19 Ländern weltweit. Der Schwerpunkt liegt auf Schlüsselpopulationen oder Menschen mit fortgeschrittener HIV-Erkrankung. Zudem kümmern sich die Teams um
•    Aufklärung und Gesundheitserziehung
•    das Verteilen von Kondomen
•    HIV-Tests
•    Beratung und Vorbeugung der HIV-Übertragung von Mutter auf Kind 

HIV/ AIDS gehört zu den vernachlässigten Krankheiten, in deren Erforschung unzureichend investiert wird, da sie hauptsächlich Menschen in ärmeren Ländern betrifft. Die Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen setzt sich für eine Veränderung dieser Situation ein.

In welchen Einsatzländern bekämpft Ärzte ohne Grenzen HIV?