Chagas

Obwohl ein großer Bedarf besteht, befinden sich nur wenige neue Arzneimittel in der Entwicklung, die Patienten mit Chagas sicherer als bisher heilen können.

Die Chagas-Krankheit kommt in Lateinamerika vor. Doch durch die Zunahme von Reisen und Migration werden weltweit Fälle gemeldet. Chagas ist eine parasitäre Erkrankung. Menschen können sich durch Bisse von Raubwanzen (Triatominae) anstecken, die den Chagas-Erreger in sich tragen, sowie durch Kontakt mit deren Kot oder Urin. Die Insekten leben in Wand- und Dachritzen von Lehm- und Strohhütten. Die Infektion kann aber nicht nur direkt über eine Raubwanze, sondern auch durch Bluttransfusionen übertragen werden sowie von Schwangeren auf ihr ungeborenes Kind.

Während des ersten, akuten Stadiums von Chagas treten kaum oder nur milde Symptome auf, und auch das folgende chronische Stadium kann jahrelang ohne Beschwerden verlaufen. Letztlich stellen sich aber bei rund 30 Prozent der infizierten Menschen Folgeerkrankungen ein, die die Lebenserwartung durchschnittlich um zehn Jahre verringern. Komplikationen am Herzen wie Rhythmusstörungen oder Herzversagen zählen zu den häufigsten Todesursachen von erwachsenen Chagas-Patienten.

Nur wenige Medikamente helfen gegen Chagas

Die Diagnose der Krankheit ist kompliziert, die Blutproben müssen in Laboren analysiert werden. Derzeit gibt es nur zwei Medikamente, um Chagas zu behandeln: Benznidazol und Nifurtimox. Beide Präparate wurden bereits vor mehr als 40 Jahren entwickelt. Bei Säuglingen und Kindern liegt die Heilungsrate bei rund 100 Prozent. Je mehr Zeit aber zwischen der Infektion und der Behandlung vergeht, desto stärker sinkt die Heilungsrate, wenn Infizierte einmal mit dem Erreger befallen sind. Die Therapie ist oft schädlich und kann mehr als zwei Monate dauern. Obwohl es einen Bedarf an wirksamen und sicheren Medikamenten gibt, befinden sich nur wenige neue Arzneimittel gegen Chagas in der Entwicklung.

Im Jahr 2016 behandelte Ärzte ohne Grenzen 455 Patienten und Patientinnen, die an Chagas litten. 

Chagas ist eine vernachlässigte Krankheit.