Kenia

Kenia: Cholera in Zeiten von Covid-19 droht das Gesundheitssystem zu überlasten

Dürre, Fluten, Heuschreckenplage: viele Länder Ostafrikas - auch Kenia - sind betroffen. Im Norden gibt es nun auch noch Cholera.

Schwere Regenfälle haben in Kenia, wie in weiteren Teilen Ostafrikas, zu Überschwemmungen geführt. Die Auswirkungen des Klimawandels sind auch in Marsabit spürbar, dem größten Landkreis Kenias, der zudem von Dürren betroffen ist. Nun ist dort die Cholera in einem Gebiet ausgebrochen, in dem die Bevölkerung zudem bereits unter bewaffneten Konflikten leidet. All das geschieht in einer Zeit, in der das kenianische Gesundheitssystem vor der Herausforderung steht, mit Covid-19 umgehen zu müssen. Es besteht Anlass sich zu sorgen, wie die Situation in einer Region mit fragiler Gesundheitsversorgung bewältigt werden kann.

In Kenia gibt es bereits mehr als 700 an Covid-19 Erkrankte - auch im benachbarten Landkreis von Marsabit wurde bereits ein Patient gemeldet, wobei der Austausch zwischen den beiden Nachbarkreisen stark ist. „Wegen der fragilen Gesundheitsstruktur des Landkreises, der geringen Zahl an Fachpersonal und mangelnder Schutzausrüstung könnte die Behandlung anderer Krankheiten neben der Cholera verheerende Auswirkungen auf die betroffenen Gemeinden haben“, sagt unser Projektleiter in Kenia, Edi Ferdinand Atte.

„In den vergangenen Jahren hat es in dem Landkreis fast ein Jahr lang nicht geregnet“, erklärt unser Wasser- und Sanitärexperte Ibrahil El Lahham die Situation in Marsabit, wo die Menschen nomadisch leben. „Die Menschen sind gezwungen, entlang der Ufer der Nebenflüsse des Turkana-Sees zu graben, um Wasser zu bekommen.“ Dort landen aber auch die Exkremente der Menschen und ihrer Tiere. „Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit, verunreinigtes Wasser zu trinken, hoch. Das Nomadenvolk ist wegen des Viehs, der Flucht vor Überfällen und der Wasserknappheit ständig in Bewegung. Der Bau von Latrinen hat daher keine Priorität. Solche Lebensbedingungen bedeuten ein hohes Risiko, sich durch Wasser übertragene Krankheiten wie Cholera auszusetzen.“

Grenzüberschreitende Maßnahmen sind wichtig

Die ersten Cholera-Fälle wurden im Dezember 2019 auf der äthiopischen Seite, nahe der kenianischen Grenze und unweit von Telesgaye, gemeldet. Seither mussten in beiden Ländern Tausende Patient*innen behandelt werden. Nun braucht es aber verstärkt grenzüberschreitende Maßnahmen zur Eindämmung der Krankheit, da jeden Tag Menschen die Grenze überqueren. Wir haben im Gesundheitszentrum in Telesgaye eine Cholera-Behandlungseinheit mit zehn Betten eingerichtet. Es sind Menschen wie Aigur und ihr achtjähriger Sohn Naftal, die weite Wege zu uns zurücklegen. Eine Stunde brauchte sie – ihren Sohn auf dem Rücken – von ihrem Ort nach Telesgaye. Mehrere Stunden hatte der Junge akuten Durchfall und Erbrechen und brauchte dringend eine medizinische Versorgung.

Im zehn Kilometer entfernten Illeret haben wir das Gesundheitszentrum auf 10 Betten ausgebaut. Allein in Illeret waren unter den 39 aufgenommenen Menschen 31 in schlechtem Zustand. „Eine Patientin fiel mir besonders auf“, sagt unsere Pflegerin Pacific Oriato über eine der Cholera-Patient*innen, die bereits einmal als gesund entlassen worden war: „Am nächsten Tag wurde sie schnell wieder eingeliefert, und während meiner morgendlichen Patient*innen-Untersuchung fand ich sie in einem kritischen Zustand vor. Nach erfolgreicher Behandlung wurde sie entlassen. Doch dann wurde ihr jüngerer Bruder von ihrem Vater in einem noch schlechteren Zustand eingeliefert. Es bricht mir das Herz, diese Katastrophe zu sehen und gleichzeitig zu wissen, dass diese Krankheit gut behandelbar ist.“ Allein in den von uns unterstützen Einrichtungen wurden 500 Patient*innen untersucht, bei 274 von ihnen bestätigte sich eine Erkrankung an Cholera.

Die Region leidet unter Gewalt und dem Klimawandel

Mit einer Fläche von fast 71.000 km² ist Marsabit der größte Landkreis Kenias. Er erstreckt sich über die Chalbi-Wüste - die einzige in Ostafrika - entlang der Grenze zu Äthiopien und ist extrem abgelegen und isoliert. Der Lebensunterhalt von mehr als 300.000 Menschen in dieser trockenen und halbtrockenen Region hängt hauptsächlich von der Viehzucht und dem Anbau von Feldfrüchten ab. Konflikte zwischen den Viehbauern um ihre Tiere und die Bedrohung durch die bewaffnete Al-Shabaab-Gruppe, die auch den Zugang zu Wasser einschränkt, verschlechtern die Sicherheitslage. Die Auswirkungen anhaltender Dürren kommen hinzu und führen zu einer Verschlechterung der Nahrungsmittelsicherheit, die in vielen Gemeinden akute Mangelernährung zur Folge hat.