Jordanien

Ärzte ohne Grenzen muss Klinikprojekt für kriegsverletzte Syrer im Lager Zaatari beenden – Hintergrund ist geschlossene jordanische Grenze

Ärzte ohne Grenzen schließt eine 40-Betten-Klinik im jordanischen Flüchtlingslager Zaatari. Diese war im März 2014 für die postoperative Behandlung von Menschen mit Kriegsverletzungen eingerichtet worden. Erfan Amari gehörte zu den Patienten, die dort behandelt wurden. Er kam nach einer Operation an seinem Bein zu uns, das bei einem Angriff auf sein Dorf schwer verletzt worden war. 

Amman/Berlin, 7. Dezember 2016. Ärzte ohne Grenzen muss die postoperative Versorgung von Kriegsverwundeten im jordanischen Flüchtlingslager Zaatari einstellen. Grund dafür ist vor allem die sechs Monate zurückliegende Entscheidung der jordanischen Regierung, die Grenze mit Syrien zu schließen. Dadurch kommen kaum noch Kriegsverletzte aus Syrien in das Projekt, das Ärzte ohne Grenzen seit drei Jahren betreibt, obwohl die Kämpfe, Luftschläge und Gewalt im Süden Syriens unvermindert weitergehen. Ärzte ohne Grenzen fordert die jordanische Regierung auf, die Grenze für Verletzte aus Syrien wieder zu öffnen, um Zugang zu lebensrettender medizinischer Hilfe zu ermöglichen.

Mit der Schließung der jordanisch-syrischen Grenze am 21. Juni diesen Jahres wurde unter anderem die medizinische Verlegung von Kriegsverwundeten aus dem überfüllten syrischen Krankenhaus in Daraa in die jordanische Grenzstadt Ramtha unterbrochen. Mindestens 70 Verwundeten aus Syrien wurde der Grenzübertritt nach Jordanien verwehrt. Dementsprechend wurden auch immer weniger Patienten aus Ramtha oder anderen jordanischen Krankenhäusern in die postoperative Einrichtung in Zaatari überwiesen, die jetzt geschlossen werden muss. Ärzte ohne Grenzen ist besorgt, dass aufgrund der Situation auch das chirurgische Programm der Organisation im Krankenhaus in Ramtha vor dem Aus stehen könnte. Dort sind die Stationen ebenfalls leer.

„Wir haben Information, dass die Zahl der Kriegsverletzten seit Ende September gestiegen ist, als die Kämpfe und Bombardierungen auch im Süden Syriens wieder intensiver wurden“, sagt Luis Eguiluz, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Jordanien. „Unsere Möglichkeiten, Leben zu retten, sind jedoch sehr eingeschränkt, nachdem die Kriegsverletzten nicht mehr über die Grenze dürfen.“

Ärzte ohne Grenzen hatte die 40-Betten-Klinik, in der Patienten postoperativ versorgt werden, im März 2014 im Flüchtlingslager Zaatari eröffnet. Damals war das Traumazentrum von Ärzte ohne Grenzen im nahegelegenen Krankenhaus in Ramtha so überfüllt, dass Behandlungen und Rehabilitation teilweise ausgelagert werden mussten. Insgesamt wurden 531 syrische Kriegsverletzte von Ramtha und anderen medizinischen Einrichtungen nach Zaatari überwiesen. Das Team führte dort zudem mehr als 2.100 ambulante Behandlungen sowie mehr als 1.450 Physiotherapiestunden und mehr als 2.500 psychologische Sitzungen durch.

 „Es ist furchtbar zu wissen, dass nur wenige Kilometer entfernt Patienten sterben, weil sie keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben“, betont Marjan Besuijen, Projektkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Zataari.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit dem Jahr 2006 in Jordanien und hat ein Programm für rekonstruktive Chirurgie in der Hauptstadt Amman aufgebaut. Seit 2013 betreibt die Organisation das Traumazentrum im Krankenhaus von Ramtha sowie ein Mutter-Kind-Krankenhaus. Ärzte ohne Grenzen hat außerdem zwei Projekte in Irbid und Ramtha, in denen syrische Flüchtlinge und Jordanier versorgt werden.