Jemen

Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen bei Luftangriffen zerstört

Ärzte ohne Grenzen verurteilt die Luftangriffe, bei denen ein Krankenhaus im Norden Jemens zerstört wurde. Die internationale Hilfsorganisation unterstützt das Krankenhaus seit Mai 2015.

Sanaa/Berlin, 28. Oktober 2015. Bei Luftangriffen der von Saudi Arabien angeführten Koalition im Norden des Jemen wurde in der Nacht auf den 27. Oktober ein Krankenhaus zerstört, das von der internationalen medizinischen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen unterstützt wird. Das kleine Krankenhaus im Bezirk Haydan (Provinz Saada) wurde ab 22.30 Uhr mehrmals angegriffen. Medizinisches Personal und zwei Patienten konnten fliehen, bevor es über einen Zeitraum von zwei Stunden zu weiteren Angriffen kam. Ein Mitarbeiter wurde bei der Flucht leicht verletzt. Aufgrund der Zerstörung des Krankenhauses haben nun mindestens 200.000 Menschen keinen Zugang zu lebenswichtiger medizinischer Hilfe.

„Dieser Angriff zeigt einmal mehr, dass Zivilisten im Jemen  völlig missachtet werden. Luftangriffe sind zu einer täglichen Routine geworden“, sagt Hassan Boucenine, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen im Jemen.

Die Bombardierung von Zivilpersonen und Krankenhäusern ist ein Verstoß gegen das Internationale Humanitäre Völkerrecht. Ärzte ohne Grenzen verlangt von den Koalitionskräften, dass sie die Umstände rund um den Angriff in Haydan erklären. Die GPS-Koordinaten des Krankenhauses wurden der von Saudi Arabien geführten Koalition regelmäßig mitgeteilt, und das Dach der Einrichtung war eindeutig und gut sichtbar mit dem Logo von Ärzte ohne Grenzen gekennzeichnet.

„Sogar zwölf Stunden nach dem Angriff sah ich noch Rauch aus der Einrichtung aufsteigen“, sagt Miriam Czech, Projektkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Saada. „Die Abteilung zur stationären Behandlung, die Ambulanz, die Geburtsabteilung, das Labor und die Notaufnahme wurden alle zerstört. Dies war das einzige Krankenhaus in der Gegend, das noch in Betrieb war.“

Ärzte ohne Grenzen hat das Krankenhaus seit Mai unterstützt. Seither wurden etwa 3.400 Patienten behandelt; pro Monat wurden durchschnittlich 200 Kriegsverletzte in die Notaufnahme gebracht.

„Im Jemen herrscht ein kompromissloser Krieg, in dem die Bevölkerung, wenn sie auf der falschen Seite gefangen ist, als ein legitimes Ziel betrachtet wird“, sagt Boucenine. „Es wurden Märkte, Schulen, Straßen, Brücken, Lastwagen mit Nahrungsmitteln, Vertriebenenlager und Gesundheitseinrichtungen bombardiert und zerstört. Die ersten Opfer sind immer Zivilisten.“

Für Ärzte ohne Grenzen hat nach dem Luftangriff die Errichtung einer neuen Gesundheitseinrichtung Vorrang, um eine grundlegende medizinische Versorgung der Bevölkerung in Haydan zu gewährleisten. Teams von Ärzte ohne Grenzen sind auch im Al-Jumhori-Krankenhaus in der größten Stadt in Saada tätig, in dem sie wöchentlich rund 250 Notfallpatienten behandeln und etwa 80 Geburten begleiten. Seit Mai führt Ärzte ohne Grenzen hier zudem lebensrettende chirurgische Eingriffe durch.

Ärzte ohne Grenzen leistet derzeit in mehr als 70 Ländern unparteiisch und kostenlos medizinische Hilfe für Menschen in Not. Im Jemen sind Teams der Hilfsorganisation in acht Gouvernements tätig: In Saana, Saada, Aden, Tais, Amran, Al-Dhale, Ibb und Hajja. Seit dem Beginn der Krise im Jemen im März hat Ärzte ohne Grenzen mehr als 15.500 Kriegsverletzte behandelt; neben diesen Notfällen wird weiterhin die medizinische Grundversorgung aufrechterhalten.