Jemen

Geberkonferenz: Geld allein reicht nicht

Eine Mutter bringt ihren Sohn zu einer mobilen Malaria-Klinik für einen Check-Up in Jemen. Dieser ist allen zugänglich mit Verdacht auf Malaria oder weiteren Krankheiten.

Zur Geber-Konferenz der Vereinten Nationen diesen Dienstag in Genf erklärt Mercedes Tatay, medizinische Geschäftsführerin von Ärzte ohne Grenzen:

„Geld allein reicht nicht, um der gewaltigen Not im Jemen zu begegnen. Die finanziellen Zusagen der Geberländer heute in Genf sind zweifellos dringend notwendig, aber sie müssen durch viel entschiedeneres Handeln vor Ort ergänzt werden. Nach allem, was unsere Patienten und unsere 1.900 Mitarbeiter im Jemen uns berichten, erreicht die bestehende humanitäre Hilfe bei weitem nicht alle Menschen in Not. Gründe dafür sind die Kämpfe, die bestimmte Teile des Landes von Hilfe abschneiden, sowie administrative Hürden, die es humanitären Helfern mit ihren Hilfsgütern erschweren, die Gebiete mit den größten Bedürfnissen zu erreichen. Mancherorts ist es gar nicht möglich, Hilfe zu leisten. Doch sogar in verhältnismäßig leicht erreichbaren abgelegenen Gebieten braucht es dringend mehr humanitäre Akteure, um die Not dort zu lindern.

Es fehlt an Personal, Material und vielem mehr

Die Menschen stehen vor gewaltigen Herausforderungen, wenn sie medizinische Einrichtungen aufsuchen müssen. Die Importrestriktionen haben dazu geführt, dass der Benzinpreis über die finanziellen Möglichkeiten der Bevölkerung hinaus angestiegen ist. Viele Gesundheitseinrichtungen haben keine medizinische Ausstattung mehr, viele wurden aufgegeben oder durch die brutale Kriegsführung der Konfliktparteien beschädigt. In den wenigen noch offenen Gesundheitseinrichtungen hat das Personal seit mehr als einem Jahr kein Gehalt mehr ausgezahlt bekommen. Die Mitarbeiter sind deshalb gezwungen, anderswo nach bezahlter Arbeit zu suchen.

Außerdem dürfen allein die Bedürfnisse der Menschen im Jemen Grundlage für die Entscheidung sein, wie das Geld eingesetzt wird. Geber-Regierungen - insbesondere diejenigen, die in den Krieg involviert sind - dürfen ihre Zusagen nicht für politische Einflussnahme im Land nutzen. Denn dies könnte nachteilig für Menschen in Gebieten sein, die bereits jetzt keine Hilfeleistung bekommen. Nur wenn diese Punkte umfassend geregelt werden, können wir damit rechnen, dass zügig Hilfe bereitgestellt wird und dass diejenigen, die diese am dringendsten brauchen, sie auch erhalten.“