Jemen

Cholera-Epidemie: Im Nordwesten des Jemen ist dringend mehr Hilfe nötig - Wasser- und Sanitärversorgung muss umgehend verbessert werden

Sanaa/Berlin, 10. Juli 2017. In Abs im Nordwesten des Jemen ist dringend mehr Hilfe im Kampf gegen die aktuelle Cholera-Epidemie nötig. Die Region ist am stärksten vom Ausbruch betroffen. Vor allem die Versorgung der Menschen mit sauberem Wasser und sanitären Anlagen muss dringend verbessert werden, um eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Cholera wird über verunreinigtes Wasser übertragen. Seit dem Ausbruch der Krankheit Ende März hat Ärzte ohne Grenzen die Kapazitäten für die Hilfe in Abs verdoppelt. Teams der Organisation haben bereits mehr als 12.200 Patienten mit Verdacht auf Cholera und akutem wässrigen Durchfall behandelt.

Die ersten Cholerafälle in Abs, einem Distrikt der Provinz Haddscha, wurden Ende März registriert. Seitdem ist die Zahl der Patienten dramatisch gestiegen. Das Cholera-Behandlungszentrum von Ärzte ohne Grenzen in der Stadt Abs nahm an einigen Tagen fast 500 Patienten auf. In Haddscha leben geschätzte zwei Millionen Menschen und zusätzlich mehr als 376.000 vertriebene Jemeniten. Rund ein Viertel der Vertriebenen lebt in Abs, oft in abgelegenen Gebieten, um sich vor Luftschlägen und gewaltsamen Angriffen zu schützen. Gleichzeitig sind die Menschen dadurch von jeglicher Versorgung abgeschnitten.

„Die Versorgung der Menschen in Abs mit sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen ist extrem schlecht“, sagt Gabriel Sánchez, Programmleiter von Ärzte ohne Grenzen. „Das war bereits vor dem aktuellen Cholera-Ausbruch ein großes Problem und ist nun die Hauptursache für die Ausbreitung der Krankheit. Entweder es passiert jetzt etwas, oder in den nächsten  Wochen und Monaten werden noch mehr Menschen erkranken.”

In den Cholera-Behandlungszentren verteilen die Teams von Ärzte ohne Grenzen Hygiene- und Desinfektions-Sets sowie Chlortabletten zur Wasseraufbereitung. „Wir müssen uns nicht nur um die Patienten kümmern, sondern auch Häuser desinfizieren und Wasserquellen mit Chlor behandeln“, beschreibt Christina Imaz, Logistik-Koordinatorin von Ärzte ohne Grenzen. „Für die Verteilung von sauberem Wasser müssen Orte eingerichtet werden. Öffentliche Plätze wie Märkte und Bushaltestellen, an denen sich viele Menschen sammeln, müssen regelmäßig desinfiziert werden. Leider wird das derzeit noch nicht systematisch gemacht.“

Schon vor dem Cholera-Ausbruch sahen die Teams von Ärzte ohne Grenzen im Abs deutlich mehr Notfallpatienten, pädiatrische Fälle und machten mehr chirurgische Eingriffe. Es gab zudem extrem viele Fälle von Malaria sowie Ausbrüche von Masern und Keuchhusten. Dies ist ein deutliches Zeichen dafür, dass das Gesundheitssystem im Jemen zusammengebrochen ist.
 
Im Krankenhaus in Abs arbeiten rund 200 jemenitische und 12 internationale Mitarbeiter von  Ärzte ohne Grenzen. Sie betreiben die Notaufnahme, die Kinder- und die Geburtsstation, das Ernährungszentrum sowie mobile Kliniken und bieten psychosoziale Betreuung an.